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Handlungsbedarf rund um die berufliche Ausbildung Handwerker von Ausbildungsprämie enttäuscht

Die Corona-Krise legt Schwächen schonungslos auf. ZDH und Kolpingwerk zeigen Ansatzpunkte für Verbesserungen auf.

Angesichts des zähen Starts ins neue Ausbildungsjahr plädieren Handwerk und Kolpingwerk für eine zielgerichtete Unterstützung von Betrieben und Auszubildenden. "Aus der Corona-Krise darf keine Ausbildungskrise werden. Wir im Handwerk geben niemanden verloren – keinen Jugendlichen und erst recht keine Generation Corona", sagte ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte anlässlich der Herbst-Sitzung des Arbeitskreises Kolping und Handwerk in Berlin.

Viele Betriebe machten sich trotz Kurzarbeit und Umsatzeinbußen noch für die Fachkräftenachwuchssicherung stark, seien aber von der von der Politik auf den Weg gebrachten Ausbildungsprämie enttäuscht. "Die Politik ist aufgerufen, das Programm nachzubessern", betonte Schulte mit Blick auf die restriktiven Förderbedingungen.

Nachholbedarf bei der Digitalisierung geht alle Schule an

Das Herunterfahren der Wirtschaft in der Corona-Pandemie hat aus Sicht des Handwerksverbandes und des Kolpingwerks nicht nur zu einer eingeschränkten Besetzung von Ausbildungsplätzen geführt, sondern auch Defizite und den großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung in allen Bildungsbereichen deutlich gemacht. Im Kontext des Digitalpaktes Schule plädieren sie deshalb dafür, alle Schularten ausreichend in ihrer digitalen Infrastruktur zu fördern. Die Mittel sollten dabei ohne große bürokratische Hürden abgerufen werden können und allen Lernorten der beruflichen Bildung zur Verfügung stehen.

Auch müsse die vorhandene Förderlücke für die Jugendberufshilfe zügig geschlossen werden. Erst auf dieser Grundlage könne die berufliche Bildung in digitaler Form erfolgreich gestaltet werden.

Jugendwohnheime für Mobilität von Auszubildenden wichtig

Weil das Angebot von Ausbildungsstellen und die Nachfrage nach diesen in den Regionen oft nicht zusammenpassen, kommt es nach Ansicht von Kolpingwerk und Zentralverband des Handwerks noch stärker auf die Unterstützung der Mobilität von Jugendlichen an. Die beiden Organisationen wollen sich deshalb für eine bessere Förderung der Jugendwohnheime einsetzen und auch die Öffentlichkeit noch mehr auf die Problematik des Wohnbedarfs von Auszubildenden aufmerksam machen.

Organisationen machen sich für Integration von Flüchtlingen stark

Stark machen wollen sich Kolping-Werk und ZDH für die Integration von Flüchtlingen. "Ein wichtiges gemeinsames Anliegen ist, die Geflüchteten in Ausbildung zu unterstützen", erklärt Ursula Groden-Kranich, die Bundesvorsitzende des Kolpingwerks. Viele hätten wegen noch nicht ausreichender deutscher Sprachkenntnisse Probleme, den Berufsschulunterricht und Prüfungssituationen zu bewältigen. Gemeinsam überlege man, wie sie im Rahmen eines Pilotprojekts auch in ihrer Muttersprache unterstützen könne. Als sinnvoll werde schon jetzt ein sprachsensibler Berufsschulunterricht erachtet, um Berufsschüler an die deutsche Sprache heranzuführen. Darin sind sich die Beteiligten einig: Die deutsche Sprache ist nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Arbeit im Betrieb und mit Kunden von zentraler Bedeutung.

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