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TV-Kritik: WDR – "Aufgepasst, der Profi kommt" Handwerker-Test: Billige Unterhaltung statt fundierter Information

Handwerker mit versteckter Kamera zu testen, ist bei Fernsehsendern beinahe schon Volkssport. Im öffentlich-rechtlichen TV hatten diese Tests bislang meist noch ein gewisses inhaltliches Niveau und versanken nicht in einfacher Unterhaltung. Das Format "Aufgepasst, der Profi kommt", das der WDR kürzlich in der siebten Folge ausstrahlte, zeigte, dass es auch anders geht.

Es gibt TV-Formate, die können Privatsender besser als die öffentlich-rechtlichen. Neben klassischem Boulevard rund um gekrönte Häupter und andere Promis gehört auch das Verbraucherfernsehen dazu. Ein Teil dessen ist wiederum der Test mit versteckter Kamera. Dabei werden Dienstleister künstlich in mehr oder weniger schwierige Situationen gebracht - seien sie fachlicher oder menschlicher Natur - und müssen dann zeigen, was sie können. Nur allzu oft sind es Handwerker, die dabei vor laufender Kamera getestet werden. Das Metier bietet sich an: Es gibt zahlreiche Problemstellungen, die sich leicht künstlich erzeugen lassen, die Lösungswege sind nicht immer eindeutig. Und bei der schieren Menge der Betriebe ist die Chance auch ganz gut, jemanden zu finden, den man nach allen Regeln der Kunst am Nasenring durch die Manege führen kann.

Stachen, und hier sind wir wieder beim Eingangs-Satz, bisher vor allem die privaten TV-Stationen mit derlei Tests heraus und füllten damit ganze Sendungen, so beginnen seit einiger Zeit nun offenbar auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten damit, nicht nur Tests mit versteckter Kamera in größere Beiträge mit übergeordneten Themen einzubauen, sondern eine halbstündige Sendung komplett damit "zuzumachen". So tut das etwa die Redaktion des WDR-Verbrauchermagazins Servicezeit, die das Format "Aufgepasst, der Profi kommt - Handwerk zwischen Hit und Horror" entwickelt hat. Wobei die Betonung auf Horror liegt. Das Schema: Ein Problem wird erzeugt, ein Handwerker gerufen - und dann voll draufgehalten. Immer wieder kommentieren die Servicezeit-Bauexperten Sabine Binkenstein und Ulf Hogräfer, wie in privaten "Chartshows" oder ähnlich einfachen Formaten in den Vordergrund gerückt, mit markigen Worten das Geschehen. So fällt nach nicht einmal zehn Sekunden der Sendung der Satz: "Ich würde ihn fragen, ob er noch alle Pfannen auf der Latte hat."

Tests sind legitim, doch das Format überzeugt nicht

Es ist legitim, dass journalistische Redaktionen im Rahmen ihres Informationsauftrags auch die Leistungen von Handwerkern testen. Das dient auch dazu, schwarze Schafe in der Branche zu identifizieren und hilft somit den guten, ehrlichen Handwerkern umso mehr. Deshalb ist es auch gut, dass die Journalisten, wie im Falle der Servicezeit-Redaktion geschehen, fachlichen Beistand in Form von vereidigten Sachverständigen zu Rate ziehen, denen dann natürlich angesichts so mancher Handwerkerleistung auch das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben steht. Wie legitim es allerdings ist, aus dieser Melange als öffentlich-rechtlicher Sender ein schlichtes Unterhaltungsformat mit einem kleinen Schuss Information zu machen, sei einmal dahingestellt. Denn weder fachlich noch bei dem Schluss, den die Sendung zog, konnte "Aufgepasst, der Profi kommt - Handwerk zwischen Hit und Horror" überzeugen.

Die Geschichte der siebten Folge ist jedenfalls schnell erzählt. Gebrochene Fliesen auf der Veranda, Schimmelbefall aufgrund zu dichter Fenster, die komplette Sanierung einer Dusche oder ein defekter Heizöltank - immer werden ein paar Handwerker zu Hilfe gerufen, um sich der Sache anzunehmen, und immer schneidet die Mehrzahl ziemlich schlecht ab. Ob das der Fensterbauer ist, der die Dichtung der Fenster mal flink zerstören will, um den Schimmel zu bekämpfen, oder der Fliesenleger, der einfach Fliesen mit einem anderen als dem bisherigen Farbton auf die Terrasse legt, oder der Heizungsbauer, der die Kundin um Werkzeug bittet - immer kommen zuerst die schlechten Probanden, bevor in den meisten Fällen doch noch ein Handwerker ums Eck kommt, der etwas von seiner Arbeit versteht, das Problem fachmännisch beseitigt, und dann - im Gegensatz zu den anderen - auch ohne Verpixelung gezeigt wird.

Welche Schlüsse soll der Zuschauer ziehen?

All das war bei den ersten beiden Fällen - den Fliesen und dem Schimmel - noch leidlich unterhaltsam, doch spätestens bei der Duschsanierung wurde das Format sehr eintönig. Zudem fragte sich der geneigte Zuseher, welche Schlüsse er angesichts des dargestellten Herumdilettierens eigentlich ziehen sollte, wenn er davon schon nicht gut unterhalten wurde. Und als dann auch noch getestet wurde, ob ein Computer-Notdienst erkennt, dass das WLAN im Haus mutwillig abgeschaltet wurde, war die Grenze zur Einfältigkeit eindeutig überschritten - zumal sich da auch die Frage stellte, was eine derartige Problemlage eigentlich noch mit klassischem Handwerk zu tun haben sollte.

An dieser Stelle wurde des Öfteren auch schon über Sendungen geschrieben, in denen Tests mit versteckter Kamera vorkamen (Pfusch am Bau? Handwerker mit versteckter Kamera getestet , Barbiere ohne Meisterbrief: MDR testet mit versteckter Kamera , Online-Optiker fallen im TV-Test durch , Dubiose Notdienst-Netzwerke verdrängen seriöse Handwerksbetriebe). Doch immer waren die Tests dabei ein Mittel, um sich dem übergeordneten Thema des Beitrags zu nähern - und das, wie gesagt, ist völlig legitim. Als Selbstzweck, zur reinen Unterhaltung und zum Vorführen von Menschen dienten diese Tests bislang zumindest im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so gut wie nie. Zumal das Format nicht mal im Ansatz mögliche Erklärungsversuche für die gezeigten Leistungen lieferte wie etwa Zeitdruck, Stress, kurzfristige Terminanforderungen, Zahlungsunwilligkeit der Kundschaft. Auch wenn all dies natürlich keine Ausrede für schlechtes Handwerk sein darf, so hätte es das Gesamtbild dennoch abrunden können.

Eine Frage der Seriosität

Nein, derlei Ausgewogenheit war nicht zu erwarten, sondern "Aufgepasst, der Profi kommt - Handwerk zwischen Hit und Horror" änderte die Perspektive von der journalistischen auf die boulevardeske und stellte sowohl den Aufklärungs- als auch den Servicegedanken hintan. Da halfen auch altbekannte Tipps, wie man gute Handwerker findet - bei der Innung oder der Kammer erkundigen, Mundpropaganda nutzen - nichts. Denn wer eine Sendung mit den ziemlich einseitigen Worten beschließt: "Und schon hat man Profis, die nicht nur kassieren, sondern zur Abwechslung ihren Job auch tatsächlich mal können", der muss sich fragen lassen, wie seriös diese Schwarz-Weiß-Sicht wiederum ist.

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