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Entwicklungshilfe Handwerker engagieren sich für Ausbildung in Afrika

Vor gut einem Jahr war es nur eine Idee von zehn deutschen Handwerkern: in einem Ausbildungszentrum in Hoima im Nordwesten von Uganda ein Musterhaus zu errichten, das als “lebende Lehrwerkstatt“ dient. Inzwischen steht der Rohbau, die Idee wird Realität.

Von Beginn an ins Projekt eingebunden war Mario Kunzendorf, Obermeister der Dachdecker-Innung Oberpfalz und Kreis Kelheim. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der operative Arm der deutschen Entwicklungshilfe, hatte Handwerksvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewählt, um Uganda zu besuchen und Ideen für die internationale Zusammenarbeit zu identifizieren. Ziel der Bundesregierung ist es, in Afrika qualifiziertes Handwerk zu fördern, um neue Unternehmen und Arbeitsplätze zu schaffen und damit wiederum Fluchtursachen zu bekämpfen.

Handwerker engagieren sich für Ausbildung in Afrika

Das kirchliche St. Simon Peter’s-Trainingszentrum (VTC) in der 100.000-Einwohner-Stadt Hoima besuchen im Schnitt 400 Auszubildende. Lehrverhältnisse mit Betrieben gibt es in Uganda nicht. Abhängig davon, was sich Familien leisten können, investieren die Jugendlichen in eine bis zu zwei Jahre währende Ausbildung in Bauberufen, in der Haus- oder Fahrzeugtechnik. In Hoima sahen die deutschen Handwerker die Kriterien für ein Projekt erfüllt: den Bedarf, das Potenzial, die Nachhaltigkeit. Binnen Wochen wurde das “House for Africa“ genannte Vorhaben von den Handwerkern konzipiert, von der GIZ kofinanziert und freigeschaltet. Alle Kosten werden geteilt: Die GIZ zahlt die Einsätze deutscher Handwerker, Material- und Personalaufwand vor Ort trägt das VTC.

Widrigkeiten zum Trotz – Projekt läuft auf Hochtouren

Zweimal hat Kunzendorf heuer Hoima wegen des Projekts besucht. Zuletzt, um mit den Dachdeckermeistern Wolfgang Höhne und Uwe Mäusgeier aus Hessen die Dach­arbeiten umzusetzen.

Die Aufgabe: mit örtlich verfügbarem Material das Hauptdach und ein Vordach herzustellen und zugleich den technischen Anspruch zu steigern. “In der Praxis heißt das nicht, am deutschen Normwesen möge die Welt genesen“, sagt Kunzendorf. “Es heißt zum Beispiel für den Zimmerer, aus einem nassen Holzhaufen stabile Nagelbrettbinder für den Dachstuhl herzustellen. Es heißt zum Beispiel für den Dachdecker, aus einer Art Blechplane ein Unterdach zu improvisieren, weil es keine brauchbaren Schalungsbahnen gibt.“

Ähnlich verhält es sich bei Themen wie Arbeitsschutz: Über 15 Metallsteher verfügt das VTC insgesamt, keine Diagonalen, keine Beläge, nichts. Ein Gerüst nivelliert zu stellen und die Gerüstfelder alle und vollständig mit Holzbohlen auszulegen, ist da halt schon ein Fortschritt. Das Hauptdach wurde hälftig mit Trapezblech eingedeckt, hälftig mit im VTC selbst handgepressten Betondachsteinen. “Die sind falzfrei und auch sonst so bruchfest wie Knabbergebäck“, sagt Kunzendorf, seien aber im VTC eben Stand der Technik. Entscheidend sei gewesen, mit den Auszubildenden eine maßgenaue Konter- und Traglattung für eine exakte Deckung herzustellen. Und die Dachsteine gewannen wenigstens optisch, nachdem Kunzendorf die Idee hatte, sie für das Vordach rot zu beschichten.

Bis Jahresende soll das “House for Africa“, das auch verschiedene Mauerwerks-, Holz- und Fensterbautechniken verbindet, fertig sein. Danach soll es täglich Schulungszwecken und externen Kursen dienen. Die deutsche Handwerksseite sei dazu bereit, denn allen Widrigkeiten zum Trotz: “Es macht einfach Spaß, mit den Auszubildenden vor Ort zusammenzuarbeiten“, sagt Kunzendorf. Das Wohlwollen scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen: Zum Abschluss der Dacharbeiten dankten nicht nur VTC- und Diözesanvorstand persönlich den Deutschen. Alle 30 Lehrkräfte und Auszubildenden, die mitgewirkt hatten, erschienen ebenfalls zum gemeinsamen Helferfest.

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