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Ausbildung Handwerk wirbt für duales Abitur

Das Handwerk sucht den Schulterschluss mit den Gymnasien. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer wirbt dafür, dass künftig Schüler parallel zum Abitur eine handwerkliche Ausbildung machen können.

Noch sind Gymnasien wie die Heimschule Kloster Wald in Oberschwaben die große Ausnahme. Doch wenn es nach den Vorstellungen von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer geht, dann sollten bald auch andere Gymnasien in Deutschland ab der Mittelstufe eine handwerkliche Ausbildung ermöglichen. Ziel müsse es sein, mit dem Abitur auch einen ersten Berufsabschluss zu haben, sagte Wollseifer in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Für die "Berufsabiturienten" sollte es nach den Vorstellungen Wollseifers neben den allgemeinen Fächern einen starken gewerblich-technischen Bezug geben. Als Vorbild sieht er die Berufsmaturität in der Schweiz oder die Berufsschulen in der ehemaligen DDR. Wie ein duales Abitur funktionieren kann, zeigt auch die Heimschule Kloster Wald in Oberschwaben.

Schülerinnen arbeiten gerne mit den Händen

In der katholischen Mädchenschule, der ein Internat angegliedert ist, können junge Mädchen schon seit vielen Jahren ab der Klasse 9 parallel zu ihrer achtjährigen Gymnasialausbildung eine Lehre als Damenschneiderin, Tischlerin oder Holzbildhauerin machen. "Das ist ein großes Zugpferd unserer Schule", sagt die stellvertretende Schulleiterin Anne Burger. "Die Schülerinnen sind froh, dass sie nicht total verkopfen und auch etwas mit den Händen machen können", ergänzt sie.

Anfangs schneidern oder schreinern die Schülerinnen in Wald nur einen Nachmittag in der Woche. Ist das Abitur dann geschafft, arbeiten sie je nach Ausbildung ein halbes oder ein dreiviertel Jahr voll in der Werkstatt, bevor sie ihre Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer ablegen. Die Kosten der mehrjährigen handwerklichen Ausbildung werden dabei von der Erzdiözese Freiburg und den Eltern getragen.

Baden-Württemberg prüft Idee des dualen beruflichen Gymnasiums

Rainer Neth, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen kennt die Schülerinnen aus Wald. "Sie gehören regelmäßig zu den Landes- und Bundessiegerinnen", erzählt er. Den Vorstoß des Zentralverbandes für ein duales Abitur an weiteren Gymnasien hält er für sehr gut. Es sei nun mal eine Tatsache, dass immer mehr Schüler und Schülerinnen das Abitur machten. Das duale Abitur biete die Möglichkeit, die jungen Leute auch für das Handwerk zu begeistern.

Derzeit prüft der baden-württembergische Handwerkstag gemeinsam mit der IHK-Organisation und den zuständigen Landesministerin die Möglichkeit eines dualen beruflichen Gymnasiums, sagt Stefan Baron, Abteilungsleiter berufliche Bildung beim baden-württembergischen Handwerkstag. Die Chance, dass die Ausbildung samt Abitur in nur drei Jahren abgelegt werden kann, sieht er allerdings nicht. "Wir wollen schließlich keine Schmalspurausbildung", sagt er.

Auch ZDH-Präsident Wollseifer will weder eine abgespeckte Ausbildung noch eine Akademisierung der Ausbildung. Ihm geht es vielmehr darum, Jugendliche schon früh für den dualen Weg zu gewinnen. Dafür will er jetzt auf Landes- wie auf Bundesebene noch mehr Mitstreiter finden.

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