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Zu Besuch bei Kirchenmalermeister Kai Berger Handwerk wie vor 1.000 Jahren

Eine Grottenkapelle auf dem Friedhof in der Schwarzwald-Gemeinde Grafenhausen wird komplett saniert. Die Kapelle aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende wurde in neogotischem Stil erbaut, zur Zeit des Historismus, der die Gotik zu perfektionieren versuchte. An der Sanierung waren und sind zahlreiche Handwerker beteiligt – unter anderem auch Kirchenmalermeister Kai Berger.

Von außen strahlt die Kapelle schon in neuem Glanz. Die finalen Arbeiten an den Türen weisen aber noch auf den Baustellencharakter hin. Nach dem Betreten herrscht kein Zweifel mehr: Ein Tisch mit einer Reihe von Farbtuben, Bechern, Pinseln, Schablonen und Schwämmen, die Eimer darunter, Folien und Leitern an den Wänden machen klar, dass hier die Maler im Einsatz sind. Aber nicht irgendwelche Maler, sondern Kirchenmaler. Kai Berger, der seit 2017 in Freiburg lebt, und sein aus dem Freiburger Raum stammender Kollege Martin Albietz sind dabei, die Kapelle für die am folgenden Sonntag geplante feierliche Einweihung fertig zu stellen.

Seit knapp zwei Monaten arbeiten sie bereits an der Realisierung ihres Gestaltungskonzeptes, das sie zusammen mit Steinmetz Daniel Rösch und in enger Abstimmung mit Auftraggeberin Marlene Rühle, Unternehmerin aus Grafenhausen, entwickelt haben. “Wir wollten von Anfang an ein zwischen beiden Gewerken abgestimmtes Konzept“, erklärt Berger. Rösch und Berger kennen sich schon von anderen Projekten. Rösch hat für die Kapelle die Grottendarstellung komplett neu gestaltet und das Malerteam für die malerische Gestaltung empfohlen.

Handwerk wie vor 1.000 Jahren

Für das von Berger entwickelte Farbkonzept waren der historische Kontext der Mariengrotte, die Farben der Marien­figur und künstlerische Vorbilder von Mariendarstellungen grundlegend. Bilder von Himmelswiesen und Martin Schongauers “Maria am Rosenhag“ inspirierten Berger zusätzlich. “Die Besucher der Kapelle sollen das Gefühl haben, eine paradiesähnliche Blumenwiese zu betreten“, erklärt Berger, der neben dem neogotischen Charakter der Kapelle moderne Aspekte berücksichtigt hat. “Wir haben es gewagt, bei der Farbwahl unsere Epoche mit einfließen zu lassen. Die Ranken sind hell, der Hintergrund ist farbig“, erläutert er. “Die Grotte soll im Vordergrund stehen, daher haben wir uns in Abstimmung ganz bewusst für eine opulente, aber farblich zurückhaltende Malerei entschieden.“

Langlebigkeit durch Freskotechnik

Neben der Farbgebung liegt eine weitere Besonderheit der Sanierung bei der angewandten Technik. “Wir konnten die Auftraggeberin für die Umsetzung der Malerei von der so genannten Freskotechnik überzeugen“, so Berger. Bei der jahrhundertealten Technik, die nur wenige beherrschen, wird die Farbe auf den noch feuchten Putz aufgetragen. Durch eine chemische Reaktion der Farbpigmente mit dem Verputz ­verbinden sich diese mit dem Untergrund und halten so über einen ­langen Zeitraum. “Wir arbeiten wie unsere Kollegen vor 1.000 Jahren. Die Wände bekommen so eine Art ­Stofflichkeit, die Farben sind malerisch leicht aufgetragen und nicht komplett deckend“, ergänzt Berger und wirkt sehr zufrieden mit dem ­Ergebnis.

Bis zur Eröffnung wird er noch ein Bildnis des St.-Michaels-Engels an einer der Wände fertig stellen. Dann wird die Kapelle dank der hohen Qualität der handwerklichen Arbeiten den Besuchern für lange Zeit wieder Raum zur Besinnung bieten.

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