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Dauer-Lockdown Handwerk verlangt Konzept für Wirtschaftsleben mit Corona

Der Lockdown macht den Betrieben zu schaffen. Vertreter des Handwerks warnen vor einem dauerhaften Herunterfahren der Wirtschaft.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Noch bis mindestens 10. Januar 2021 befindet sich Deutschland im harten Lockdown, wahrscheinlich werden die Einschränkungen sogar länger dauern. Das Handwerk verlangt jetzt Konzepte, wie das Wirtschaftsleben mit Corona weitergehen kann. Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, forderte die Politik auf, eine langfristige Strategie vorzulegen: "Ein Verharren im Dauer-Lockdown ist für das ostsächsische Handwerk wie auch den gesamten Mittelstand keine Option. Viele Betriebe - gewerkeübergreifend - sorgen sich um ihre Existenz." Dittrich mahnte auch Pläne an, wie der Neustart nach dem Lockdown gelingen könne.

Lage der Betriebe spitzt sich zu

Eine vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführte Befragung zeigt, dass sich die wirtschaftliche Situation im Handwerk deutlich verschlechtert hat.
Bundesweit berichten 42 Prozent der befragten Unternehmen über rückläufige Umsätze in den vergangenen vier Wochen. Vor allem im Handwerk für persönliche Dienstleistungen, im Nahrungsmittelhandwerk und im Kfz-Gewerbe melden deutlich mehr Betriebe eine negative Geschäftslage. Das hat zunehmend auch Folgen für die Beschäftigung und die finanziellen Reserven im Handwerk. Bislang setzt das Handwerk noch auf flexible Lösungen wie die Kurzarbeit, um die Kostenbelastungen zu verringern.

"2021 dürfte ein schwieriges Jahr für die Unternehmen werden. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist groß“, fasste der Präsident der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, die Stimmungslage im Handwerk zusammen. Viele Betriebe hätten bereits Umsatzausfälle erlitten. Hiervon seien beispielsweise Bäcker mit Café oder auch Gebäudereiniger betroffen, deren Aufträge im Hotel- und Gastgewerbe ausgefallen seien. Leider erfültlen viele mittelbar vom Lockdown betroffenen Firmen die formalen Förderkriterien für die sogenannten November-/Dezemberhilfen meist nicht und gingen leer aus.

Wichtiges Weihnachtsgeschäft ausgefallen

Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, macht sich ebenfalls Sorgen um die Betriebe: "Der von Bund und Ländern beschlossene Lockdown trifft viele unserer Betriebe hart und schnürt den Gürtel noch ein weiteres Mal enger." Friseure und Kosmetiker dürften ihr Handwerk gar nicht ausüben und Bäcker, Metzger und Konditoren müssten ihren gastronahen Betrieb bis mindestens 10. Januar 2021 schließen. Aber auch Raumausstatter, Elektriker, Schuster, Orthopädieschuhmacher, Goldschmiede, Instrumentenbauer und Schneider – um nur einige zu nennen – seien betroffen, weil die Kunden aufgrund der verordneten Ausgangssperre die Verkaufsgeschäfte nicht mehr aufsuchen dürften.

Dem pflichtete Georg Haber bei, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Die Lage spitze sich seit Mitte Dezember deutlich zu: "Die Schere zwischen Normalität und Krise ist wieder weit geöffnet." Trotz des Auf und Abs der vergangenen Monate habe sich das Handwerk als Stabilitätsanker bewährt. "Auf die Branche ist immer Verlass und sie ist weiterhin für ihre Kunden da." Haber forderte die öffentliche Hand auf, weiterhin Aufträge ans Handwerk zu vergeben. "Ob es Renovierungsarbeiten in Schulen oder energetische Sanierungen im Rathaus sind – jeder öffentliche Auftrag hilft, Arbeitsplätze vor Ort zu sichern." str

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