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Hohe Stromkosten Handwerk verlangt gerechtere Strompreise

Kleine Betriebe sehen sich gegenüber Großverbrauchern benachteiligt. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert die öffentliche Hand auf, die Kosten der Energiewende stärker mitzutragen.

Seit 20 Jahren kümmert sich Roland Schnabel beim Autohaus Assenheimer + Mulfinger GmbH & Co. KG in Heilbronn um die Energiekos­ten. Hautnah hat der gelernte Gas- und Wasserinstallateur-Meister miterlebt, wie die Stromkosten des Unternehmens in den vergangenen Jahren gestiegen sind: "Vor zehn Jahren haben wir noch 13,17 Cent für eine Kilowattstunde Strom bezahlt, heute sind es 19,95", sagt Schnabel mit Blick auf das Mercedes-Autohaus in Heilbronn. Größter Kostentreiber ist die EEG-Umlage. Allein sie hat sich seit 2007 von 1,03 auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Bei einem Jahresverbrauch von 420.000 Kilowattstunden für den Standort Heilbronn sind das schon rund 24.600 Euro allein für die EEG-Umlage. Mit den anderen sechs Standorten kommen so fast 90.000 Euro im Jahr zusammen.

Höchste Stromkosten Europas neben Dänemark

Und es wäre noch deutlich mehr, hätte das Unternehmen nicht alles daran gesetzt, Strompreise mit den Energieversorgern hart zu verhandeln und den Stromverbrauch zu reduzieren. "Über eine effizientere Beleuchtung und Druckluftoptimierung haben wir viel erreicht", erklärt Schnabel. Doch irgendwann sei auch hier das Ende der Fahnenstange erreicht. Deshalb dürfe der Strompreis durch Umlagen und Steuern nicht immer weiter in die Höhe getrieben werden, zumal Deutschland schon heute neben Dänemark die höchsten Stromkosten in Europa habe.

Das sieht auch ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer so. "Es muss Schluss damit sein, dass die Kosten der Energiewende vor allem auf die Stromrechnung des Mittelstandes und auf die Privathaushalte abgewälzt werden", sagt er. Dies gelte insbesondere für den dicksten Brocken, für die EEG-Umlage. Eine faire und bezahlbare Verteilung dieser Kosten werde man nur über eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt erreichen.

Und so lautet eine zentrale energiepolitische Forderung des ZDH-Präsidiums in seiner Energiewende-Agenda: "Grundsätzlich ist die EEG-Förderung auf Haushaltsfinanzierung umzustellen." Dabei geht es um viel Geld: Bereits jetzt zahlen die Stromkunden pro Jahr fast 25 Milliarden Euro an EEG-Umlage.

In jedem Fall müsse ein möglicher weiterer Anstieg der EEG-Umlage "umgehend rechtswirksam ausgeschlossen werden", heißt es in dem Positionspapier. Weitere Kostentreiber wie die jüngst beschlossene Förderung von Mieterstrom müsse ebenfalls über die öffentlichen Haushalte finanziert werden. Kurzfristig müsse außerdem die "besondere Ausgleichszahlung" für Großverbraucher steuerfinanziert und so die Umlage auf kleinere Verbraucher verringert werden. Auch sollte laut ZDH geprüft werden, inwiefern die Großverbraucher überhaupt im internationalen Wettbewerb stünden und deshalb bei der EEG-Umlage geschont werden müssten.

Handwerk fordert: Netzentgelte sollen sinken

Darüber hinaus muss nach Ansicht Wollseifers der Stromnetzausbau schneller erfolgen und auf eine mittelstandsgerechtere Finanzierung der Netzentgelte geachtet werden. Dies gelte umso mehr, da nach Einschätzung des Handwerksverbandes in den nächsten Jahren mit einem weiteren deutlichen Anstieg bei den Netzentgelten zu rechnen ist.

Derzeit machen die Netzentgelte bei kleinen Handwerksbetrieben und Privatkunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden knapp ein Viertel der Stromkosten aus. Auf die Beschaffung des Stroms entfällt knapp ein Fünftel. Der Rest, knapp 55 Prozent, geht auf das Konto von Steuern, Abgaben und Umlagen, wobei allein 23,5 Prozent die EEG-Umlage ausmacht.

Bei großen Handwerksbetrieben mit einem Jahresverbrauch von mehr als 160.000 Kilowattstunden macht die EEG-Umlage sogar rund ein Drittel des Strompreises aus, da größere Unternehmen den Strom oft günstiger einkaufen können. Für Netzentgelte fallen rund 24 Prozent an. Hinzu kommen auch hier weitere Abgaben und Umlagen.

Anders als die EEG-Umlage sind die Netzentgelte bisher regional unterschiedlich: Dabei hängt die Höhe davon ab, wie hoch die Kosten für den Ausbau der Übertragungsnetze in der Region waren und auf wie viel Schultern sie verteilt werden. Das heißt, im Osten und Norden waren die Kosten wegen des starken Ausbaus der Erneuerbaren und der geringen Einwohnerdichte deutlich höher als im Westen. Damit soll bald Schluss sein.

Teure Erdverkabelung im Süden

Nach einem Beschluss des Bundesrates soll es bei den Kosten für die Übertragungsnetze ab dem 1. Januar 2019 eine Angleichung in vier Schritten bis Anfang 2022 geben. Der ZDH begrüßt das entsprechende Netzentgeltmodernisierungsgesetz. Nötig sei neben einer Angleichung aber auch eine gesamtdeutsche Entlastung.

So sollten nach Ansicht des Handwerksverbands die Mehrkosten für Erdverkabelung von den jeweiligen Bundesländern übernommen werden. "Es kann nicht sein, dass regional anfallende Mehrkosten der Erdverkabelung bundesweit über steigende Netzentgelte auf die Betriebe und Privathaushalte umgelegt werden", betonte Wollseifer. Auch sie sollten von den Ländern bezahlt werden, wo sie anfallen. Und auch hier müsse die öffentliche Hand mit ins Boot.

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