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Seifriz-Preis Handwerk und Wissenschaft müssen enger zusammenarbeiten

Professor Löhn, Präsident der Steinbeis-Hochschule Berlin GmbH und Jury-Vorsitzender des Tranferpreises Handwerk + Wirtschaft plädiert für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Handwerkern uns Wissenschaftlern.

Der Seifriz-Preis prämiert erfolgreiche Kooperationen zwischen Handwerk und Wissenschaft. Die Bewerbungsfrist für den Transferpreis Handwerk + Wissenschaft läuft am 16. März 2018 ab. Der Jury-Vorsitzende, Professor Johann Löhn, erklärt im Interview, warum eine Zusammenarbeit der beiden Bereiche notwendig ist:

DHZ: Das Handwerk hat derzeit alle Hände voll zu tun. Besteht da nicht die Gefahr, dass die Betriebe vor lauter Arbeit zu wenig an neue Produkte und Dienstleistungen denken?

Johann Löhn: Das ist immer das Problem, aber nicht nur im Handwerk. Wenn Aufträge da sind, denkt man zuerst an die Arbeit. Trotz allem sollte man nicht vergessen, wie man etwas besser oder ganz anders machen könnte.

DHZ: Müssen Handwerksbetriebe heute innovativer sein als früher, um am Markt bestehen zu bleiben?

Löhn: Das ist richtig. Technologien entwickeln sich heute sehr rasant. Die Geschwindigkeit ist deutlich höher als früher. Handwerker müssen schneller und innovativer sein.

DHZ: Wie kann man die Innovationsfähigkeit fördern?

Löhn: Ich denke zunächst einmal nicht mit finanziellen Mitteln. Das ist nicht der richtige Weg. Vielmehr müssen die, die zu Innovationen beitragen können – also Wissenschaftler – mit Handwerkern zusammenkommen. Dass eine erfolgreiche Kooperation zwischen Handwerk und Wissenschaft möglich ist, zeigen viele Beispiele, die über mehr als 25 Jahre den Seifriz-Preis erhalten haben.

DHZ: Was ist dabei entscheidend?

Löhn: Beide Seiten müssen aufeinander zugehen. Wissenschaftler sollten sich in die Probleme der Praxis hineindenken. Und Handwerksunternehmer müssen mit ihren Fragen auf die Wissenschaft zukommen. Und dort, wo der Abstand zwischen beiden noch zu groß ist, können die Innovationsberater der Kammern und die Mitarbeiter der Steinbeis-Transferzentren helfen.

DHZ: Selbst wenn die finanzielle Förderung Ihrer Ansicht nach nicht an erster Stelle stehen sollte, wird sie manchem Handwerker helfen. Was halten Sie von Innovationsgutscheinen oder Digitalisierungsprämien oder anderen Ansätzen?

Löhn: Das ist völlig in Ordnung. Das sind Zuschüsse, mit denen ein Anreiz für Innovationen geschaffen wird. Ich halte aber nichts davon, wenn der Staat alles zahlt. Es muss schon jeder selber entscheiden, ob eine Neuerung sinnvoll ist oder nicht. Wünschenswert wäre eine steuerliche Förderung von Innovationen.

DHZ: Erfinden ist das eine – vermarkten das andere. Was muss passieren, damit gute Ideen noch besser vermarktet werden?

Löhn: Im Handwerk ist das kein so großes Problem. Hier werden meist Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die tatsächlich gebraucht werden. Beim Handwerk steht hinter jeder Innovation ein konkretes Problem oder ein konkreter Kunde.

DHZ: Von Anfang an sind Sie Jury-Vorsitzender des Transferpreises Handwerk + Wissenschaft, des Seifriz-Preises. Wie haben sich die Schwerpunkte verändert und was ist bei innovativen Handwerkern immer gleich?

Löhn: Natürlich hat sich in all den Jahren viel verändert. Aber eines ist immer gleich geblieben. Es sind alles Handwerker, die ein Problem in der Praxis erkennen und dann eine Lösung dafür suchen. Was die technische Seite angeht, hat sich viel getan. Wofür wir vor 25 Jahren einen Preis vergeben haben, würden wir heute nicht mehr anschauen. Ob Mikroelektronik oder Nanotechnologie, die Herausforderungen für technische Lösungen sind viel höher. Und gerade weil die technologischen Anforderungen enorm gestiegen sind, kommt es umso mehr auf den Transfer zwischen Wissenschaft und Hand­werk an.

Prof. Dr. Johann Löhn ist Präsident der Steinbeis-Hochschule Berlin GmbH und Jury-Vorsitzender des Tranferpreises Handwerk + Wirtschaft des Seifriz-Preises.

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