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Ausbildungszahlen Handwerk startet mit Schwung ins Ausbildungsjahr

Die Zahl der Lehrverträge nimmt in vielen Regionen zu. Noch immer gibt es aber viele offene Stellen.

Ost-Sachsen ist nur eine von vielen Regionen Deutschlands, in der wieder mehr Auszubildende eine Lehre im Handwerk beginnen. Knapp 2000 Lehrlinge haben in diesen Tagen dort eine Lehre angefangen. Seit vier Jahren verzeichnet die Kammer einen Zuwachs. "Wir sind optimistisch, auch diesmal zum Jahreswechsel ein Plus erreichen zu können", sagt Andreas Brzezinksi, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. Wie hoch es ausfallen wird, hängt wie überall entscheidend davon ab, wie offene Stellen nachbesetzt besetzt und wie viele Ausbildungsabbrüche vermieden werden können.

Schon länger beobachtet Brzezinksi, dass sich der Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen verschärft. "Haben Handwerksunternehmen einen passenden Lehrling gefunden werden, werden immer öfter frühzeitig entsprechende Verträge gemacht, um für beide Seiten Planungssicherheit zu erreichen", sagt er. In diesem Jahr kam noch hinzu, dass in Sachsen das Schuljahr und damit die Berufsschule schon Anfang August startete, was den Vergleich mit dem Vorjahr etwas verzerrt.

Auch anderswo sieht es nicht schlecht aus: "In diesem Jahr scheint sich der Trend fortzusetzen und die Zahl der Ausbildungsverträge leicht zunehmen", sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Offensichtlich kämen die zahlreichen Bemühungen an, junge Leute über unterschiedlichste Kanäle und Aktionen wie etwa die Rekordpraktikanten für die Vielfalt der Handwerksberufe zu begeistern. Noch immer seien aber rund 30.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt.

Regionale Ausbildungszahlen

So meldet der Sächsische Handwerkstag noch rund 1000 offene Stellen bei rund 3.635 abgeschlossenen Lehrverträgen Ende Juli. In Baden-Württemberg gab es Ende Juli noch rund 4.263 offene Stellen bei den Kammern; dies gelte insbesondere für das Bauhandwerk, für Gesundheitsberufe und das Nahrungsmittelhandwerk.

Als Erfolg werteten die Schwaben, dass zum vierten Mal in Folge die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr zulegte. Bis Ende Juli hatten 13.429 Lehrlinge und damit drei Prozent mehr als im Vorjahr einen Vertrag unterzeichnet. Bis zum Jahresende hoffen die Baden-Württemberger, erstmals nach 2011 wieder die Marke von 20.000 zu übertreffen.

Trotz der guten Zahlen macht sich Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold Sorgen um die duale Ausbildung: Immer mehr Auszubildende lassen die für eine erfolgreiche Ausbildung nötigen Mathematik- und Deutschkenntnisse vermissen. Reichhold mahnte Sofortmaßnahmen an: "Ein Ausbildungsbetrieb muss davon ausgehen können, dass Schulabsolventen über benötigte Kompetenzen verfügen. Leider gibt die Schule, im Gegensatz zu einem Handwerksbetrieb, auf ihre Leistung jedoch keine Gewähr".

Mehr Rückhalt erwartet das Handwerk bei der Ausbildung von Flüchtlingen. Viele Ausbildungsbetriebe beklagen die ausufernde Bürokratie und die unklaren Aussagen der Behörden. Aus Sicht der Betriebe habe das Integrationsgesetz nicht die versprochene Rechtssicherheit gebracht. Ohne diese sei jedoch zu befürchten, dass die Bereitschaft zur Ausbildung von Geflüchteten nachlässt. "Es braucht eine klare Ansage: Wer in Ausbildung ist, wird nicht abgeschoben", so Reichhold.

In Hessen zeigt man sich zuversichtlich, die Vorjahreszahl von 10.000 zu erreichen. Bisher sieht es ganz gut aus: Ende August waren es 8.753, ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahreszeitpunkt. Unter ihnen auch 442 Flüchtlinge. 360 mehr als im Vorjahr. Das von der Hessischen Landesregierung auf den Weg gebrachte Projekt "Wirtschaft integriert" zur Berufsorientierung und Qualifizierung von Flüchtlingen soll jungen Flüchtlingen die Gelegenheit geben, sich für Berufe im System der dualen Ausbildung zu orientieren. Das hessische Handwerk mit seinen 40 Berufsbildungszentren hatte sich bereit erklärt, rund 1.000 Plätze für Berufsorientierung und Sprachförderung zur Verfügung zu stellen.

Im  bayerischen Handwerk wurden bis zum Beginn des Lehrjahres 22.891 Lehrverträge registriert. Ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den nächsten Wochen würden noch zahlreiche Verträge dazukommen, heißt es. Besonders werben die Handwerker um Abiturienten ohne Studienplatz. Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, sagte bereits August: "Bevor diese jungen Leute irgendein Studium beginnen, um bei erstbester Gelegenheit zu wechseln, sollten sie über eine Berufsausbildung nachdenken. Im Handwerk kommen sie schneller in Führungspositionen und Selbstständigkeit, als mit einem Studium." Auch ein späterer Wechsel an die Hochschule sei möglich.

Passend zum Beginn des Ausbildungsjahres hat der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Ausbildungsreport vorgestellt. Danach sind zwar rund 70 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre zufrieden. Allerdings gibt es nach den Worten der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack insbesondere in kleineren Betrieben Schwierigkeiten, die ihrerseits oft über fehlende Bewerber klagen.

Wichtig ist nach Ansicht des DGB, dass endlich mehr in Berufsschulen investiert wird. Denn nur 58 Prozent der befragten Jugendlichen fanden die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichtes gut oder sehr gut. Auch für ZDH-Präsident Wollseifer ist ein Berufsbildungspakt überfällig. "Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss sich auch in der Finanzierung widerspiegeln", sagte er.

Kritisch sieht Hannack, dass ein gutes Drittel der Befragten regelmäßig Überstunden macht und ein Drittel keinen betrieblichen Ausbildungsplan hat. Um insbesondere kleine Betriebe bei der Ausbildung zu unterstützen, sollte ihrer Ansicht nach das staatliche Programm der assistierten Ausbildung über 2018 hinaus verlängert werden.

In den Kammern weiß man um die Herausforderungen. Entscheidend ist für Brzezinksi, dass die Ausbildungsberater der Kammern bei Problemen rechtzeitig informiert werden. Eines stellt er aber auch klar: "Nicht jeder, der die Ausbildung abbricht, geht dem Handwerk verloren." Manch einer wechsle nur den Betrieb oder wähle einen anderen Handwerksberuf.

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