Bayerischer Handwerkstag -

Politik und Handwerk „Handwerk ist High Society“

Anfang Dezember treffen sich traditionell die Spitzen der bayerischen Handwerkskammern mit Wirtschaftsminister und Staatssekretär des Freistaats zum Meinungsaustausch.

Diese Tradition lebt auch unter dem neuen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger fort: „Das Handwerk hat sehr schnell einen Draht zur neuen Regierung gefunden“, lobte der Wirtschaftsminister, „das Handwerk ist die neue High Society und verdient mehr gesellschaftliche Wertschätzung.“ Handwerker könnten ohne Weiteres mit Akademikern mithalten, die nach dem Studium von Praktikum zu Praktikum gereicht werden.

Dem Minister ist die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ein großes Anliegen. Daher wird der „Meisterbonus“, zum 1. Juni 2019 von 1.500 auf 2.000 Euro angehoben. Der Freistaat unterstützt mit diesem Zuschuss erfolgreiche Absolventen der beruflichen Weiterbildung zum Meister bzw. einem gleichwertigen Abschluss. Mehr Tempo fordert Aiwanger beim Breitbandausbau und bei der Energieversorgung.

Sorge vor landwirtschaftlicher Direktvermarktung

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, dankte für die Einladung: „Wir möchten die gute Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium gerne fortsetzen.“ Er formulierte in seinem Statement die Sorge des Lebensmittelhandwerks vor einem Ausbau der landwirtschaftlichen Direktvermarktung: „Die funktionierende Partnerschaft zwischen Handwerk und Landwirtschaft muss erhalten und gepflegt werden.“

Peter­anderl lobte die Bundesratsinitiative des Freistaats zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in verschiedenen Berufen: „Allerdings darf die Initiative im parlamentarischen Ablauf nicht auf die lange Bank geschoben werden.“ Zusätzliche Bewegung müsse in den Abbau der Bürokratie kommen, die Steuer- und Abgabenbelastung für Betriebe sinken, forderte der Präsident: „Als Erstes muss der Solidaritätszuschlag vollständig abgeschafft werden.“ Aiwanger stellte eine Beschwerdestelle zum Bürokratieabbau in Aussicht, an die sich Betriebe wenden können. Bei den Themen Rückvermeisterung und Steuerentlastungen sicherte er Unterstützung zu.

Berufsorientierung an Gymnasien

Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben, forderte eine verpflichtende Berufs­orientierung auch an Gymnasien. Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner wies auf die Bedeutung der Nachwuchskampagnen „Macher gesucht!“ und „Elternstolz“ für den Wettbewerb um Berufsnachwuchs hin. Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ging auf den Investitionsbedarf in den Bildungszentren im bayerischen Handwerk ein und lobte die Aufstockung der Fördermittel über das Programm „Bayern innovativ“. Präsident Dr. Georg Haber wies auf die Bedeutung des Breitbandausbaus hin, um die Digitalisierung im Handwerk voranzutreiben. Es gelte, weiße Flecken bei der Netzabdeckung zu identifizieren und zu schließen.

Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, forderte mehr Klarheit für die Betriebe bei der Ausbildung von Flüchtlingen. Hauptgeschäftsführer Prof. Elmar Forster berichtete vom Ärger der Unternehmen über die unterschiedliche Genehmigungspraxis der Landratsämter bei der Beschäftigung von Geflüchteten. Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, forderte pragmatische Lösungen bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): „Bei den Betrieben herrscht Frust.“

Hauptgeschäftsführer Thomas Koller lobte den Digitalbonus, mit dem der Freistaat Betriebe u.a. bei der Modernisierung ihrer EDV unterstützt. Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, sagte, es brauche eine Anschubfinanzierung, um die Energieversorgung des Handwerks zukunftsorientiert zu gestalten. So könnten Speicherkapazitäten in den Werkstätten helfen, das öffentliche Netz in Spitzenzeiten nicht zu belasten. Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul wies auf die Bedeutung neuer Wertschöpfungsketten zur Förderung des ländlichen Raumes hin. So könne es gelingen, „Hidden Champions“ in der Region zu halten.

„Handwerk und Wirtschaftsminister ziehen bei vielen Themen gemeinsam an einem Strang: Das ist nach so kurzer Zeit nicht selbstverständlich“, betonte Dr. Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern. Hüpers wies darauf hin, dass der Flächenmangel die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks im Freistaat bedrohe: „Mit einer Politik, die künftig verstärkt auf natur- und flächensparende Planungen setzt, könnte sich dieses Problem weiter verschärfen.“

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