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Ausbildungszahlen Noch 29.000 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat an Schulabgänger appelliert, noch in diesem Jahr eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. "Wir haben noch Kapazitäten: Zurzeit sind allein im Handwerk noch 29.000 Ausbildungsplätze frei", sagte er in einem Interview mit der "Rheinischen Post" anlässlich des Tags des deutschen Handwerks am 19. September 2020.

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29.000 Ausbildungsplätze im Handwerk sind derzeit noch zu vergeben. "Unsere Betriebe können weiter ausbilden, und sie wollen es auch. Ich kann alle Jugendlichen nur ermuntern, die Chancen im Handwerk auch tatsächlich zu nutzen und eine Ausbildung auch jetzt noch zu starten", sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in einem interview mit der "Rheinischen Post" vom 21. September 2020.

Corona-Krise hat viele Jugendliche verunsichert

Viele Jugendliche seien wegen der Corona-Krise verunsichert, weil sie nicht genügend Informationen erhalten konnten, so Wollseifer im Interview. Auch in einem Namensbeitrag für den "ifo Schnelldienst" hatte sich der ZDH-Präsident mit der derzeitigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt auseinandergesetzt und konkrete Zahlen genannt: "Zwischen Januar und Juli 2020 wurden 82.523 neue Ausbildungsverträge in Lehrlingsrollen der Handwerkskammern eingetragen – ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis Ende Mai lag der Einbruch bei den neuen Ausbildungsverträgen sogar noch bei minus 18,3 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie im Mai 2009, also unmittelbar nach der Finanzkrise (minus 10,4 Prozent)."

Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsplätze "erschreckend"

Immerhin: Der Rückstand zum Vorjahr habe sich im Juni und Juli reduziert. Ende August hatten die Handwerksbetriebe den Angaben zufolge noch zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als zur selben Zeit 2019, sagte Wollseifer gegenüber der "Rheinischen Post": "Jetzt ist aber Schwung in die Sache gekommen, so dass wir hoffen können, zum Jahresende etwa auf die gleiche Auszubildendenzahl wie im Vorjahr zu kommen." Weiter sage er: "Sicher können und werden wir auch geflüchtete Menschen weiter ausbilden und beschäftigen."

IG-Metall-Vorstand Ralf Kutzner nannte die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsplätze erschreckend. Viel zu oft entschieden sich junge Erwachsene gegen einen Beruf im Handwerk. Die Transformation mache auch vor dem Handwerk nicht Halt. "Um diesen Prozess zu begleiten und zu gestalten, braucht es gute Fachkräfte. Und gute Fachkräfte brauchen gute Arbeitsbedingungen", sagte Kutzner. "Eine höhere Tarifbindung und bessere Löhne sind unerlässlich und müssen auch von der Politik flankiert werden." ew/dpa

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