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Unternehmerforum zur Arbeits- und Sozialpolitik Handwerk fordert praxistaugliche Brückenteilzeit

Die geplante Einführung eines befristeten Teilzeitanspruchs stößt im Handwerk auf Kritik. Der Gesetzesentwurf soll kommende Woche vom Kabinett verabschiedet werden und Anfang 2019 in Kraft treten.

Angesichts des Fachkräftemangels sieht das Handwerk den geplanten Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit kritisch. "In Zeiten der Hochkonjunktur und des zunehmenden Fachkräftemangels sind für Unternehmen alle Maßnahmen Gift, die zu einer Reduzierung der Arbeitszeit ihrer Beschäftigten führen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer mit Blick auf die geplante Einführung einer so genannten Brückenteilzeit. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) unterstrich hingegen, dass es ihm vor allem darum gehe, Beschäftigten in Teilzeit wieder eine Brücke in die Vollzeit zu schaffen. "Das ist die Idee der Brückenteilzeit", betonte er beim Unternehmerforum. Er wolle dabei Unternehmen nicht überfordern oder sie mit Bürokratie überziehen, sagte er mit Blick auf den Gesetzesentwurf, der kommende Woche vom Kabinett verabschiedet und Anfang 2019 in Kraft treten soll.

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Überforderungsschutz für mittelgroße Betriebe

Wie Heil weiter sagte, sieht das Gesetz deshalb Ausnahmen vor. So sollen nicht nur Betriebe mit bis zu 45 Mitarbeitern von der so genannten Brückenteilzeit befreit werden. Auch für Betriebe mit 46 bis 200 Mitarbeitern soll es einen Überforderungsschutz geben. "Es ist so, dass man nicht jedem das Recht gewähren muss, der so einen Antrag stellt", betonte Heil. So sieht der Referentenentwurf vor, dass bei Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern pro angefangene 15 Mitarbeiter jeweils nur einer einen Anspruch auf befristete Teilzeit erhalten soll.

Handwerk sieht Nachbesserungsbedarf beim Schwellenwert

Handwerkspräsident Wollseifer ist dieser Schwellenwert nicht hoch genug: "Durch die Anknüpfung an das gesamte Unternehmen und nicht an den Betrieb werden insbesondere Handwerksbetriebe mit Filialstrukturen und mehreren Betriebsteilen schnell über diesem Schwellenwert liegen", warnte er. Dies betreffe etwa Bäckereien und Metzgereien. Kritisch sieht er auch, dass Teilzeitkräfte pro Kopf und nicht anteilig nach Arbeitszeit berücksichtigt würden. Gerade bei der Berechnung des Schwellenwertes müsse es noch zu Änderungen kommen, forderte er.

Brückenteilzeit auch ohne Sachgrund möglich

Dass der Anspruch auf Brückenteilzeit zudem ohne jeden Sachgrund beantragt werden können soll, ist für das Handwerk ebenfalls nicht nachvollziehbar. Die Arbeitszeit reduzieren zu können, nur um etwa einem Hobby besser nachgehen zu können, stoße im Handwerk auf blankes Unverständnis. Die arbeits- und sozialpolitische Sprecherin der SDP-Bundestagsfraktion, Kerstin Tack, wies dagegen darauf hin, dass hinter dem Wunsch nach befristeter Teilzeit oft familiäre Sachzwänge wie Schulwechsel oder Krankheit stünden. Entscheidend sei für sie, dass das Gesetz insbesondere den Frauen helfe, aus der Teilzeitfalle herauszukommen. ZDH-Vizepräsident Karl-Heinz Schneider hält das Gesetzesvorhaben dennoch für überflüssig: "Das Handwerk braucht dieses Gesetz nicht", betonte er. Noch bevor es ins Parlament komme, sollten sich die Beteiligten mit der Praxis beschäftigten. Gerade größeren Handwerksbetrieben könne ein solches Gesetz massiv schaden, warnte er.

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