Thüringer Handwerkstag -

Parlamentarischer Abend Handwerk drängt Regierung zum Handeln

Unter dem Motto „Das Handwerk: Auf uns ist Verlass! Und die Politik …?“ kamen am 21. Februar 2018 die Spitzen aus Politik und Handwerk zum traditionellen Parlamentarischen Abend zusammen.

Mehr als 150 Vertreter aus der Handwerkerschaft, den Innungen und Fachverbänden, den Kreishandwerkerschaften und den Kammern benannten im Landtag die Herausforderungen des Handwerks in gewohnt offener Weise.

Im Anschluss an die bekennenden Eröffnungsworte des Landtagspräsidenten Christian Carius fasste der Präsident des Thüringer Handwerkstages e.V., Stefan Lobenstein, die aktuelle Lage der Handwerksbetriebe zusammen. „Handwerk hat dieser Tage goldenen Boden. Die Umsätze steigen. Der Personalbestand wächst. Die Auftragsbücher sind über zwölf Wochen im Voraus gefüllt. Doch nicht alles, was da auf den ersten Blick glänzt, ist auch tatsächlich Gold.“

Der akute Fachkräftemangel und der fehlende Nachwuchs wurden mit Zahlen untermauert und zugleich wurde an die Landesregierung appelliert: „Es bedarf einer deutlichen Aufwertung der dualen Ausbildung gegenüber dem akademischen Bildungsweg. Verpflichtende Berufsorientierung an den Gymnasien, bessere Vermittlung von Selbstständigkeit und Unternehmertum, eine zeitgemäße Ausstattung der Berufsschulen und eine deutliche Reduktion des Unterrichtsausfalls sind nur einige der dringend notwendigen Hausaufgaben der rot-rot-grünen Regierung.“

Mit gleicher Energie setzte sich Lobenstein für bessere Rahmenbedingungen bei der Unternehmensnachfolge ein: „9.000 Handwerksbetriebe stehen vor dem Aus! Da geht es uns längst nicht nur darum, dass die Investitionsförderung ausgeweitet werden muss. Viel wichtiger ist es, die finanziellen und bürokratischen Belastungen der Unternehmen zu reduzieren.“ Andernfalls sei der Schritt in die Selbstständigkeit schlicht nicht attraktiv. Zudem forderte er eine deutlich bessere Unterstützung bei der Digitalisierung des Mittelstands.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte Verständnis für die Sorgen des Mittelstands und ging auf die Forderungen des Handwerks ein. Er forderte die Anwesenden auf: „Lassen Sie uns gemeinsam attraktive Rahmenbedingungen schaffen!“ Schließlich lieferten sich die Ver­treter der Fraktionen und der Oppositionen einen Schlagabtausch zu den Themen des Handwerks, etwa zum Berufsschulnetz und der notwendigen staatlichen Investitionsquote.

Einig waren sich alle darin, dass dringend etwas passieren muss, um junge Menschen für eine Karriere im Handwerk zu begeistern und Unternehmertum wieder attraktiv zu gestalten. Unterschiedliche Ansichten gab es beispielsweise bei der Ausgestaltung der Maßnahmen zur Förderung des Meisterabschlusses auf Landesebene.

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