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Häuser für den Himalaya

Die Iffeldorfer Firma Artifex fertigt Blockhäuser komplett von Hand – sogar für Kunden in Indien.

Mathias Ullmann hat Hände, die gerne mit anpacken. Man sieht ihnen die tägliche Arbeit an. Sein Händedruck ist kurz, kräftig und wirkt nach. "Seit 2004 bauen wir nur noch handgefertigte Blockhäuser", erzählt der 39-Jährige. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Jacob Jäger, 40, betreibt er das Unternehmen Artifex GmbH & Co.KG in Iffeldorf in der Nähe des Starnberger Sees. Der charakteristische Name stammt aus der Antike: Damals nannte man den künstlerisch wirkenden Handwerker, der das Projekt vom Entwurf bis hin zur Ausführung in seiner Gesamtheit betrachtete, "Artifex".

Gegründet wurde das Unternehmen 1997 auf Gut Mooseurach, südlich von München. Zunächst haben der gelernte Zimmerer und studierte Bauingenieur Ullmann und Diplom-Geograph Jäger Häuser und Dächer saniert. Im Jahr 2000 errichteten sie dann das erste Blockhaus in Icking im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Reaktionen waren positiv. Inzwischen kommen die Kunden überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch sogar bis nach Indien hat sich das Können von Artifex zwischenzeitlich herumgesprochen. Seit Ende 2010 steht in Uttarakhand im Himalaya ein Artifex-Produkt. Wie es dazu kam? "Der Kunde wollte ein handgefertigtes Blockhaus. Und ihm war das Qualitätssiegel ‚made in Germany‘ sehr wichtig", erklärt Ullmann.

Der logistische Aufwand war enorm. Weil sich die indischen Bäume nicht für den Blockhausbau eignen, wurden fast 50 bayerische Tannen zum Subkontinent verschifft und erst vor Ort bearbeitet. Die beiden Chefs reisten mit zwei Mitarbeitern hinterher. Innerhalb von drei Wochen stand der Rohbau.

Acht Häuser – volle Auslastung

Momentan wird auf dem Abbundplatz in Iffeldorf, wo die Blockhäuser vorgefertigt werden, ein 10x16 m großes Haus errichtet. Es soll später einmal in Niederbayern stehen. "Dieses Jahr wollen wir acht Häuser schaffen", berichtet Bauingenieur Ullmann, "damit wären wir voll ausgelastet." Sechs Wochen dauert die Fertigung eines Blockhauses. Insgesamt acht Leute arbeiten bei Artifex, die meisten davon sind Zimmerer. Beim Aufbau hilft ein Kran, der die Stämme aufeinandersetzt. Kaum dass die Artifex-Blockhäuser stehen, werden sie auch schon wieder abgebaut, gereinigt und nummeriert. Während der Abbauphase erfolgen auch die Bohrungen für die Elektroinstallationen.

Die Kabelkanäle verlaufen in der Stammmitte, Steckdosen und Lichtschalter werden im Balken ausgefräst. Ver- und Entsorgungsleitungen werden vor der Blockwand angebracht und im Regelfall verblendet. Dank der umfangreichen Vorbereitung klappt die Montage beim Kunden dann innerhalb einer knappen Woche. Ein innen angebrachtes „Dichtband“ sorgt in den Auflagebereichen der Stämme für die bauphysikalische Dichtheit. Zudem werden die Längsverbindungen mit einem imprägnierten Schafwollvlies gedämmt. Fenster- und Türöffnungen haben die Männer von Artifex bereits auf dem Abbundplatz ausgesägt.

Ohne Scriber keine Chance

Mit Getöse stellt Mathias Ullmann die Bandsäge an, um die Stämme für den Kunden aus Niederbayern zuzuschneiden. Bei einem Haus in Rundbauweise kommt er sogar ohne diese technische Hilfe aus. Auf den Scriber dagegen kann er nicht verzichten. "Er ist das zentrale Werkzeug im Blockhausbau", sagt der Artifex-Chef und für einen Moment mischt sich Ehrfurcht in seine Stimme. Mit dem Scriber, der wie ein überdimensionaler Zirkel aussieht, wird die Kontur eines Stammes exakt auf den darüber liegenden übertragen. Anschließend wird die Kontur mit Motorsäge und Beil ausgearbeitet. Dabei entsteht der im Blockhausbau charakteristische "Längskanal". Verbunden werden die Stämme an den Ecken per Sattelkerbe oder Schwalbenschwanz.

Der Preis für ein Artifex-Blockhaus hängt neben der Hausgröße auch von Art und Ausführung der Blockwand ab. "Ein Stockwerk besteht aus acht Stammlagen, ein Laufmeter Stamm kostet 130 Euro", rechnet Ullmann vor. Auch die ökologische Komponente entwickelt sich immer mehr zum schlagenden Verkaufsargument. "Holz ist ein hervorragender CO2-Speicher und verfügt über eine gute Wärmespeicherkapazität. Dadurch hält sich der Energieverbrauch in Grenzen", so Ullmann.

Blockhäuser in Argentinien

Wie es mit seinem Unternehmen in den nächsten Jahren weitergeht? Ullmann blickt zum Himmel. Er kneift die Augen zusammen. "Wir wollen den Blockhausbau nach Argentinien bringen", sagt er. Wegen des Schnees sei das Arbeiten in Deutschland im Januar und Februar schwierig. So könnte man den deutschen Winter überbrücken: "Natürlich müssen wir dort erst Partner finden." Das Risiko schreckt ihn nicht: "Ich liebe Herausforderungen."

In puncto Haltbarkeit steht ein Holzhaus einem Gebäude aus Stein in nichts nach: "Wenn von unten keine Feuchtigkeit kommt und das Dach dicht bleibt, hält es ewig", versichert Ullmann. Auch was das Design betrifft, würde der Zimmerer gerne etwas für die Ewigkeit schaffen. Er träumt von einem Blockhaus in Hundertwasser-Stil. Sein Kompagnon Jacob Jäger und die anderen haben in der Zwischenzeit an dem "Niederbayern"-Haus weitergebaut. Gleich wird auch Mathias Ullmann wieder zum Scriber greifen. Und mit anpacken.

Alle Informationen zu den Blockhausbauern aus Iffeldorf stehen im Internet unter artifex-blockbau.de

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