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Virtuelle und kostenfreie Veranstaltung Hackathon: Hier entwickeln Handwerker Ideen für die Zeit nach Corona

Die Corona-Krise verändert das Handwerk – höchste Zeit, sich aktiv auf den Wandel vorzubereiten, sagt Florian Paul von Brandad Systems. Das Fürther Softwareunternehmen startet am 17. Mai einen kostenfreien Hackathon für das lokale Gewerbe. Im DHZ-Interview erklärt Paul, wie die virtuelle Veranstaltung abläuft und was teilnehmende Handwerksbetriebe erwarten können.

Über Branchen hinweg austauschen, gemeinsam Ideen spinnen, sich gegenseitig inspirieren und so den eigenen Betrieb fit für die Zukunft machen – der Hackathon für das lokale Gewerbe am 17. Mai setzt auf Schwarmintelligenz, der Initiator – der Fürther Softwareanbieter Brandad Systems – hofft auf zündende Ideen und praktische Lösungen für unternehmerische Probleme.

Gerade lokale Gewerbetreibende sind von der aktuellen Corona-Krise hart getroffen. Für viele ist die Situation existenzgefährdend – eine Entspannung der Lage nicht immer in Sicht. "Wer als Gewerbetreibender jetzt in einer Schockstarre verharrt, setzt seine berufliche Existenz aufs Spiel. Das eigene Business plötzlich zu hinterfragen, neu zu erfinden ist das Gebot der Stunde", warnt Anetta Damm von Brandad Systems.  

Das Softwareunternehmen initiiert am Wochenende ein virtuelles Event unter dem Titel "umdenk.bar". Dabei sollen neue Ansätze über alle Branchen hinweg erarbeitet werden. Die zu bewältigenden Herausforderungen sollen dabei nicht vom Veranstalter festgelegt werden, sondern im Vorfeld von den Betroffenen selbst kommen. Die Teilnahme ist kostenfrei und steht Unternehmern, Gründern, Inhabern oder Mitarbeitern lokaler Gewerbetreibender – unabhängig von der Branche – offen. Auch Experten, Berater und Kreative sind eingeladen, sich in den Hackathon einzubringen.

Im DHZ-Interview erklärt Geschäftsführer Florian Paul, wie der Hackathon abläuft, was Teilnehmer aus dem Handwerk mitbringen sollten - und was sie erwarten können:

Hackathon: Was ist das - und was kann ich mir erhoffen?

DHZ: Herr Paul, wie kann man sich den Ablauf eines "Hackathons" vorstellen?

Florian Paul: Unser Hackathon ist eine Plattform auf der wir zusammen Lösungen finden wollen, wie sich Handwerk, Dienstleistung und Service nach Corona mit innovativen Lösungen neustarten oder neuaufstellen werden. Man meldet sich Online auf der Hackathon-Homepage an, sucht sich ein Thema auf der Plattform aus oder bringt sein eigenes Thema zur Diskussion ein. Dann finden sich weitere Personen, die sich ebenfalls für dieses Thema interessieren. Gemeinsam hat man dann zwölf Stunden Zeit, um gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Unser Ansatz – Austausch und gemeinsame Lösung helfen einem oder man kann anderen bei deren Problemen helfen und investiert seine eigene Zeit.

DHZ: Für welche Handwerke ist eine Teilnahme am Hackathon besonders interessant?

Paul: Grundsätzlich für alle, die ein Problemen haben – zum Beispiel bei der Suche nach Azubis in einer immer digitalisierteren Zeit. Wir diskutieren auf dem Hackathon innovative Lösungen für viele Themen, da ist kein einzelnes Gewerbe hervorzuheben.

DHZ: Was müssen Teilnehmer an Ideen, Know-how oder Unterlagen mitbringen?

Paul: Das wichtigste sind zwölf oder auch etwas weniger Stunden Zeit, um sich zu beteiligen. Willkommen sind auch Fragen, zu denen man eine Antwort sucht. Und ansonsten: nur eine Internetleitung.

DHZ: Haben Sie sich für den Hackathon auch Experten zu diversen Themen ins Boot geholt?

Paul: Ein Hackathon ist keine Konferenz auf der man sich Vorträge von Experten anhört. Die Teilnehmer sind bei uns Teilgeber – alle Teilnehmer bringen ihr Know-how aus sehr unterschiedlichen Bereichen ein. Wir versuchen dann im Hackathon selbst homogene Gruppen zwischen zehn und 20 Teilgebern einzurichten, die sich dann gemeinsam mit einer Fragestellung beschäftigen.

DHZ: Was können die Teilnehmer nach der Veranstaltung mit in ihren Betrieb nehmen?

Paul: Im besten Fall einen neuen Ansatz zu einem Problem, das sie schon immer gelöst haben wollten. Hier geht es in erste Linie nicht um Probleme aus dem internen Arbeitsumfeld – also zum Beispiel, wie male ich eine Wand effizienter. Vielmehr geht es um Fragen wie: Wie kann ich als Betrieb in Zukunft besser Termine an Kunden kommunizieren? Wie können Retouren effizienter an den Hersteller kommuniziert und geschickt werden? Wie kann ich in Zeiten, in denen der Online-Handel floriert, mit meinem kleinen Geschäft bestehen? Wie kann ich Marktplätze für den Absatz meiner Produkte nutzen? Hier sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

DHZ: Ist dies der erste Hackathon, den Sie veranstalten?

Paul: Wir selbst haben schon an vielen Hackathons weltweit teilgenommen, nutzen ihn in unserer Firma selbst alle zwei Wochen, um Lösungen für unsere internen Herausforderungen zu finden. Zudem veranstalten wir "nicht öffentliche Hackathons" mit unseren Kunden, um an deren Problemen zu arbeiten. Dies ist nun unser erster für die Allgemeinheit offener Hackathon.

DHZ: Was sind Ihre Erwartungen an diesen Hackathon?

Paul: Antworten auf unsere eigenen Fragen, etwa zum Fachkräftemangel im Handwerk, und ansonsten auf einen offenen Austausch mit dem Handwerk und anderen Bereichen. Wir verkaufen nichts, niemand wird ein Angebot bekommen, muss irgendwas kaufen oder abonnieren und die Teilnahme ist zu 100 Prozent kostenfrei – wir erhoffen uns lediglich die Zeit der Teilgeber und, dass wir unseren Beitrag zu den Problemen leisten können.

Die Anmeldung zum Hackathon ist über die Website www.umdenk.bar möglich, weitere Informationen zur Veranstaltung und eingereichte Herausforderungen finden sich dort oder unter #umdenk.bar in den sozialen Medien.

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