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Existenzgründung Perfekt gestylt in die ­Selbstständigkeit

Beide lieben ihren Beruf, für beide ist er eine Leidenschaft. Die beiden Friseurinnen Antje Albrecht und Jacqueline Carl kennen sich schon lange und arbeiten jetzt gemeinsam im eigenen Salon. Das Duo ist überzeugt. Der Erfolgt der "Haarkämmerei" ist das Produkt vieler Schritte.

Antje Albrecht und Jacqueline Carl sind Mütter und bemerkten in dieser Lebensphase, wie lange Arbeitszeiten, die wenigen Urlaubstage und das oft hektische Termingeschäft ihr Familienleben negativ beeinflussen. Die Idee, sich mit einem eigenen Salon selbstständig zu machen, wurde geboren. Seit Juli 2018 ist die "Haarkämmerei" in Coburg ihr neues Kind. Den Schritt in die Selbstständigkeit haben beide nicht bereut, sind sich aber einig: " Eine Existenzgründung muss Hand und Fuß haben. Dazu gehört auch, sich vor dem Entschluss umfangreich beraten zu lassen, um zum Start perfekt gerüstet zu sein."

Phillip Schlott, betriebswirtschaftlicher Berater der HWK für den Raum Coburg, half den beiden Friseurinnen bei der Gestaltung ihres GbR-Vertrages, dem Businessplan, der Eintragung in die Handwerksrolle und war auch beim Antrag für Fördermittel über die Arbeitsagentur und im Finanzierungsgespräch bei der Bank behilflich. "Außerdem haben wir bei der Handwerkskammer einen Gründerkurs belegt und an Schulungen zum Arbeitsschutz und zur Ersthelferin teilgenommen. Das hat uns wirklich sehr geholfen", reflektiert Antje Albrecht diese Vorbereitungszeit. Auch wenn es vom Entschluss bis zur Saloneröffnung dadurch fast ein Jahr gedauert hat.

Ohne Termine – dafür individueller Service

Das Duo war sich auch über die Ausrichtung und das Konzept der "Haarkämmerei" einig. Antje und Jacky, wie die beiden Gründerinnen von ihren Kunden genannt werden, wollten weg von einer Massenabfertigung und dem schnellen Schnitt. Bei ihnen gibt es auch keine Terminvereinbarungen, dafür aber flexible Serviceleistungen, ganz so, wie man es früher beim Friseur gewohnt war: Reinkommen und sich ohne Zeitdruck verwöhnen lassen, heißt ihre Devise.

"Ein bisschen 'old school‘ ist das schon", gibt Antje Albrecht zu, "aber bei unseren Kundinnen und Kunden kommt das sehr gut an. Auch wenn sie mal ein paar Minuten auf ihren Haarschnitt warten müssen". So entstand auch der Name "Haarkämmerei"; bewusst kommt er ohne Anglizismen und kreative Wortschöpfungen aus, wie es in der Friseurbranche häufig der Fall ist. "Wir wollten einfach, dass unsere Kunden schnell verstehen, was wir ihnen anbieten", bekräftigt Antje Albrecht. Den beiden Friseurinnen liegt zudem viel an einer einfachen und persönlichen Kommunikation. "Mit den meisten sind wir per Du, von manchen wissen wir nicht einmal den Nachnamen".

Mittlerweile hat sich das Team der "Haarkämmerei" verstärkt. Mit Melanie Meier ist eine weitere junge Mutter dazu gekommen. "Das harmoniert sehr gut", sagt Antje Albrecht. Überhaupt haben die Gründerinnen mit ihrem Schritt in die Selbstständigkeit genau das erreicht, was sie sich erhofft hatten: Die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben hat sich deutlich verbessert. "Und auch wenn wir jetzt Geschäftspartnerinnen sind, Freundinnen sind wir auch geblieben.“

Für all diejenigen, die sich eine neue Existenz aufbauen wollen, hat Antje Albrecht einige Empfehlungen parat: "Lasst euch Zeit für die organisatorischen Vorbereitungen, so dass bei der Eröffnung alles passt. Je gründlicher man vorher alle Schritte durchdenkt, desto besser gelingt der Start." Dabei helfe der für Gründer kostenlose Service der Handwerkskammer enorm. "Die umfangreichen Beratungsleistungen der HWK waren Gold wert", bestätigt Antje Albrecht. Zudem hat den beiden die lange Berufserfahrung geholfen. Antje Albrecht: "Die sollte man unbedingt haben. Man muss unbedingt wissen, wie ein Salon läuft, bevor man das eigene Geschäft eröffnet!"

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