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Gutes Image, aber viel Bürokratie Das schreckt Gründer in Deutschland ab

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet, sieht darin mehr eine gute berufliche Perspektive als eine Notlösung. Gründer genießen Respekt und ein hohes Ansehen in der Bevölkerung und den Medien. Dennoch schrecken viele davor zurück.

Wenn der Arbeitsmarkt viele Jobs und gute berufliche Perspektiven bietet, sinkt meist die Zahl der Unternehmensgründungen. Deutschland gilt nicht als ein Land, das besonders attraktiv ist für Unternehmensgründer, aber dennoch wird den Selbstständigen viel Respekt und Anerkennung entgegengebracht. Wissenschaftler des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover haben in Kooperation mit dem RKW Kompetenzzentrum in Eschborn untersucht, wie gut das Image von Unternehmensgründern derzeit ist und wie Deutschland dabei im Vergleich zu anderen Ländern aufgestellt ist. Die Ergebnisse haben sie im Global Entrepreneurship Monitors (GEM) 2018/2019veröffentlicht.

Hohes Ansehen von Gründern: Deutschland auf Platz sechs

Schaut man sich an, wo erfolgreiche Gründer ein besonders hohes Ansehen genießen, kommt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz sechs. So sind Drei Viertel der befragten 18 bis 64-Jährigen der Meinung, dass „erfolgreiche Gründer Respekt und hohes Ansehen in Deutschland genießen“. In diesen Ländern stimmten noch mehr der Umfrageteilnehmer zu. Die Top Sechs:

  • Irland mit 84 Prozent Zustimmung
  • Großbritannien mit 76 Prozent Zustimmung
  • Polen mit 76 Prozent Zustimmung
  • Slowenien mit 76 Prozent Zustimmung
  • Österreich mit 75 Prozent Zustimmung

Auf das Image von Gründern hat die Medienpräsenz und die Art und Weise, wie über sie berichtet wird, einen besonderen Einfluss. In Deutschland sind dem GEM-Bericht zufolge 51 Prozent der Befragten der Meinung, dass man in Deutschland häufig Berichte über erfolgreiche neue Unternehmen in den gängigen Medien findet. "Insbesondere für potenzielle Gründer können solche Berichte von großer Relevanz sein und zur Gründung eines eigenen Unternehmens motivieren", schreiben die Studienautoren.  Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Befragten, welche die mediale Berichterstattung positiv bewerten, in Slowenien (77 Prozent) und Irland (73 Prozent) am höchsten. Dagegen wird in der Schweiz (47 Prozent), Spanien (49 Prozent) oder Polen (46 Prozent) die Berichterstattung über Gründungen und Entrepreneurship deutlich schlechter bewertet.

Wie wird das Gründen eines Unternehmens zur attraktiven beruflichen Perspektive?

Das Image von Selbstständigen ist das eine. Aber welche Schlüsse ziehen potenzielle Gründer daraus? So zeigt der GEM zwar, dass die Unternehmensgründung in Deutschland von den meisten Menschen als attraktive berufliche Perspektive angesehen wird und knapp die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland in der Unternehmensgründung einen guten Karriereschritt sieht. Im Vergleich zu anderen europäischen GEM-Ländern belegt Deutschland aber lediglich den 13ten Platz.

Dies kommentiert Natalia Gorynia-Pfeffer, Projektleiterin des RKW Kompetenzzentrums, mit folgenden Worten: "Das Image von Gründerinnen und Gründern wird überwiegend positiv bewertet, für viele Menschen ist die Option einer Unternehmensgründung trotzdem nicht attraktiv genug. Zu viel Bürokratie etwa bei der Gewerbeanmeldung, bei steuerlichen Aspekten und Förderanträgen, wirken als Hürden auf dem Weg in die Selbständigkeit." So würden die GEM-Zahlen seit Jahren zeigen, dass der Anteil der Menschen, die dabei sind eine Gründung vorzubereiten höher ist, als die Quote der tatsächlichen Gründungen. Gorynia-Pfeffer mahnt, dass das Umfeld für Gründungen weiter entwickelt werden müsse. Ein reibungsloserer Start und ein schneller Zugriff auf Unterstützungsprogramme müsste ermöglicht werden. "Neben der digitalen Gewerbeanmeldung mit wenigen Klicks gehören hierzu auch Erleichterungen bei den steuerlichen Pflichten für Gründungen", sagte sie.

Wie die Analyse zeigt, muss eine Aufklärung über das Gründen eines Unternehmens mit seinen Chancen und Risiken in Deutschland schon sehr früh beginnen. Der GEM ergab, dass Deutschland derzeit eine sehr hohe Total early-stage Entrepreneurial Activity (TEA)-Quote (Prozentanteil derjenigen 18 bis 64-Jährigen, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen) hat. Sie ist nicht bei den 35 bis 44-Jährigen, sondern bei der Altersgruppe der 25 bis 34-Jährigen mit 6,6 Prozent zu finden. Deswegen sei die frühzeitige Förderung eines unternehmerischen Denkens und Unternehmertums im Zuge der schulischen Ausbildung von hoher Relevanz, damit der Mut zur Selbständigkeit stärker honoriert wird, heißt es in der Mitteilung der Wissenschaftler.

Der GEM Länderbericht Deutschland 2018/2019 steht unter rkw.link/gem2019 zum Download bereit. dhz

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