Ausbildung wird beliebter Gutes Ausbildungsjahr erwartet

Die Lehre im Handwerk ist gefragt. Viele Kammern registrieren mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr. Die Kampagnen des Handwerks greift offenbar. Betriebe werben um Gymnasiasten und benachteiligte Jugendliche.

Steffen Range und Karin Birk

Lehrling im Bezirk der Handwerkskammer Ulm: Die Betriebe hoffen auf ein gutes Ausbildungsjahr. - © HWK Ulm/Guido Serino

Die Begeisterung für eine Ausbildung im Handwerk wächst. In vielen Gegenden Deutschlands registrierten die Betriebe bis Ende Mai deutlich mehr neue Lehrverträge als im gleichen Zeitraum 2015. So wurden in der Handwerkskammer Ulm 7,7 Prozent mehr Verträge geschlossen, in Dresden betrug das Plus mehr als 17 Prozent. "Das kann wieder ein gutes Jahr für die Ausbildung im Handwerk werden", sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Sein Dresdner Kollege Andreas Brzezinski nannte den Zwischenstand "sehr positiv": "Doch wir wollen dieses Ergebnis nicht überbewerten und uns schon gar nicht darauf ausruhen."

Die Betriebe, Innungen, Kreishandwerkerschaften und Kammern bemühen sich seit einigen Jahren darum, gesellschaftliche Gruppen für eine Karriere im Handwerk zu begeistern, die der dualen Ausbildung bisher eher fern standen wie etwa Gymnasiasten. Etliche Betriebe nehmen sich auch benachteiligter Jugendlicher oder Flüchtlinge an – offenbar mit Erfolg.

Zahlreiche Kammern im Osten und Westen äußerten sich in den vergangenen Tagen zuversichtlich. Die bayerischen Handwerkskammern kommen auf 10.031 neue Lehrverträge, ein Plus von 7,28 Prozent. Das baden-württembergische Handwerk zählt 6.657 neue Ausbildungsverträge, also 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, Thomas Malcherek, spricht von "einer weiteren Stabilisierung mit leichten Zuwächsen".

Konkurrenz zur Industrie

Das hessische Handwerk dagegen verzeichnet ein Minus. „Die Sicherung des Fachkräftebedarfs bleibt ein zentrales Thema“, sagt Bernhard Mundschenk, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern. Es gebe keinen Lehrstellenmangel, „sondern einen Mangel an geeigneten Bewerbern“. Mundschenk: "Wir konkurrieren immer mehr mit den industriellen Ausbildungsberufen und gesamtgesellschaftlich wird leider das Studium immer mehr als der vermeintliche Königsweg angesehen."

Hier setzen viele Betriebe und Kammern an. Sie versuchen, Gymnasiasten von einer Ausbildung im Handwerk zu überzeugen oder werben um Studienabbrecher. "Wir müssen mehr Nachwuchs aus den Gymnasien und Realschulen ziehen", empfiehlt Oskar Vogel, Hauptgeschäftsführer des Baden-Württembergischen Handwerkstags. Früher habe das Handwerk 60 Prozent der Lehrlinge in der Hauptschule rekrutiert. "Jetzt stirbt die Hauptschule nach und nach", sagt Vogel.

Handwerk schickt Ausbildungsbotschafter in Schulen

Im Südwesten schickt das Handwerk so genannte Ausbildungsbotschafter in die Schulen – Auszubildende im zweiten Lehrjahr, die die Jugendlichen "auf Augenhöhe" von den Vorzügen einer Ausbildung überzeugen sollen. Vogel nennt das Konzept „sehr erfolgreich“ – wären da nicht ehrgeizige Eltern, die ihre Kinder von der Lehre abzubringen versuchen und zu einem Studium drängen. "Gerade für Realschüler und Gymnasiasten bietet das Handwerk beste Karrierechancen, etwa als Führungskraft oder Unternehmer", sagt Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Handwerkstags.

So positiv der Zwischenstand ausfällt – nicht alle Gewerke profitieren gleichermaßen. Viele wollen Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Friseur, SHK-Anlagemechaniker werden. Bauberufe könnten wesentlich mehr Auszubildende einstellen – viele freie Lehrstellen zeugen davon –, während sich Bäcker und Metzger gegen den Abwärtstrend stemmen.

Informationen über freie Lehrstellen gibt es in der App "Lehrstellenradar" .