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Die Mischung macht‘s Altersvorsorge: Gesetzliche Rentenversicherung und die Alternativen

Bei der Altersvorsorge müssen Selbstständige vieles beachten. Welche Punkte besonders wichtig sind, erklären Betriebsberater Peter Badmann und Sozial- und Rentenversicherungsberater Michael Hadersdorfer von der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

DHZ: Herr Hadersdorfer, inwiefern besteht im Handwerk Versicherungspflicht?

Michael Hadersdorfer: Das hängt von der Rechtsform, der Tätigkeit und den bisherigen Beitragszeiten ab. Berücksichtigt man Nebenerwerbsbetriebe, spielt auch der ­Gewinn eine Rolle. Es besteht immer auch die Möglichkeit, im bereits ­bestehenden Versorgungssystem zu bleiben. Bei der Abwägung müssen die Lebenssituation, die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und die Vor- und Nachteile alternativer Instrumente berücksichtigt ­werden. Aktuell wird wieder intensiv über eine verpflichtende Alters­vorsorge für Selbstständige ­diskutiert. Es ist denkbar, dass es dann eine Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Systemen geben wird.

Die Mischung macht‘s: Gut versorgt im Alter

DHZ: Bei der gesetzlichen Rentenversicherung denkt man ja zunächst an die Altersrente. Wie hoch fällt diese aus? Und welche weiteren Leistungen sind damit noch verbunden?

Hadersdorfer: Wesentlicher Baustein der Rentenformel sind die Entgeltpunkte. Im Jahr 2019 wird bei einem Durchschnittsentgelt von 38.901 Euro ein Entgeltpunkt erworben. Der Rentenwert beträgt aktuell 33,05 Euro brutto je Entgeltpunkt. Ein Neurentner würde derzeit also ca. 1.500 Euro Altersrente erhalten, wenn er während einer 45-jährigen Erwerbsphase durchschnittlich einen Entgeltpunkt erworben hat. Neben der Altersrente sind Renten an Hinterbliebene und Renten bei Erwerbsminderung zu nennen. Weniger bekannt, aber ebenfalls wichtig sind die Leistungen zur Rehabilitation. Die gesetzliche Rentenversicherung ist daher eine sehr gute Basisabsicherung.

DHZ: Welche anderen Vorsorgeinstrumente sind geeignet?


Hadersdorfer: Viele Selbstständige sehen in ihrem Betrieb eine ausreichende Altersvorsorge. Ob bzw. zu welchen Konditionen es später zu einer Betriebsnachfolge kommt, ist jedoch ungewiss. Diese Strategie ist daher sehr riskant. Besser planbar sind wohnwirtschaftlich genutzte Immobilien. Eine Beimischung von Fondssparplänen kann sinnvoll sein, wenn ein sehr langer Anlagehorizont möglich ist. Jede noch so gute Planung kann durch Veränderungen durchkreuzt werden.

DHZ: Ein Beispiel, bitte.

Peter Badmann: Der Todesfall ist kein schönes, aber dennoch plakatives Beispiel. Die gesetzliche Rentenversicherung ist eine Solidargemeinschaft. Dieser Grundsatz wird nur von den schon angesprochenen Renten an Hinterbliebene durchbrochen, wobei hierfür besondere Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Eine Immobilie hingegen zählt zur Erbmasse. Und bei Immobilien gibt es dann je nach Nutzungsart und Beziehung zum Erblasser steuerliche Unterschiede.

Die Mischung macht‘s: Gut versorgt im Alter

DHZ: Die breite Palette an Auswahlmöglichkeiten klingt komfortabel. Warum verfügen gerade Selbstständige dann oftmals nur über eine geringe Altersvorsorge?

Badmann: Das Institut für Mittelstandsforschung definiert ein Unternehmen dann als übernahmewürdig, wenn es einen Jahresmindestgewinn von 58.442 Euro erzielt. Nach dieser Studie erreichen jedoch nur etwa 20 Prozent aller Familienunternehmen diesen Wert. Ohne ausreichende Ertragskraft besteht kein Raum für eine bedarfsgerechte Altersvorsorge. Dieser Betrag orientiert sich übrigens am Durchschnittsverdienst von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern – und zwar einschließlich Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung.

DHZ: Die selbstständigen Handwerkerinnen und Handwerker müssen also ihre Stundenverrechnungssätze erhöhen?

Badmann: Tendenziell ist die Gruppe der Solo-Selbstständigen – das ist mehr als die Hälfte aller Selbstständigen in Deutschland – stärker betroffen. Vielfach muss über eine sehr hohe Stundenzahl ein niedriger Stundenverrechnungssatz ausgeglichen werden. Daher sollte es grundsätzlich das Ziel sein, im Stundenverrechnungssatz eine ausreichende Altersvorsorge einzupreisen. Die schon erwähnten 38.901 Euro Durchschnittsentgelt entsprechen einem monatlichen Rentenbeitrag von etwa 600 Euro. Dort liegt – unabhängig von der Auswahl der Vorsorgeinstrumente – in meinen Augen auch die Untergrenze.

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