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Kommentar Günstige Prognose

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem deutlichen Aufschwung ab 2014. Auch das Handwerk könnte davon profitieren. Entscheidende Weichen muss allerdings die neue Bundesregierung stellen.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben mit ihrer Herbstprognose einen günstigen Zeitpunkt erwischt. Die Bundestagswahl ist vorbei. Gerade wird zwischen CDU/CSU und SPD intensiv über die Bildung der nächsten Bundesregierung gesprochen.

Dr. Lothar Semper
© Kasia Sander

Nach Einschätzung der Forscher steht die deutsche Wirtschaft vor einem Aufschwung, der von der Binnennachfrage getragen wird. Damit unterscheidet sich dieser Aufschwung grundlegend von vorausgehenden, deren Schwung vom Export kam. Für 2013 wurde die Prognose zwar auf 0,4 Prozent beim Wirtschaftswachstum zurückgenommen. Aber von 2014 an soll es mit 1,8 Prozent wieder deutlich aufwärtsgehen. Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass die Lage im Euro-Raum noch fragil ist und ein erneutes Aufflackern der Krise nicht ausgeschlossen werden kann. Wenn dies ausbleibt, sollen die Konsumausgaben im kommenden Jahr um 1,4 Prozent und die Anlage-Investitionen gar um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen.

Für das Handwerk besonders erfreulich in dem Gutachten ist die Feststellung: „Bauinvestitionen stützen die Konjunktur.“ Dies gilt auch für den Wohnungsbau. Damit sind für das Handwerk für 2014 gute Perspektiven gegeben, wenngleich nicht alle Handwerksbranchen gleichermaßen davon profitieren werden.

Optimismus im Handwerk

Der DHZ-Konjunkturspiegel in dieser Ausgabe bestätigt, dass die Stimmung bei den Betrieben nach wie vor hervorragend ist. Allerdings drückt sich dies immer noch nicht in Umsatzzuwächsen aus. Übers Jahr gesehen werden die handwerklichen Erlöse erneut rückläufig sein. Es ist deshalb dringend zu hoffen, dass 2014 eine Umsatzwende kommt. Das prognostizierte gesamtwirtschaftliche Wachstum ist allerdings kein Selbstläufer.

Jetzt aber besteht Gelegenheit, die Bremsklötze aus dem Weg zu räumen. Was getan oder nicht getan werden sollte, zeigen die Wirtschaftsforscher klar auf, wenngleich da manches zu theoretisch bleibt. Dennoch sollte das Gutachten auch bei den Koalitionsverhandlungen mit auf dem Tisch liegen.

Einheitlicher Mindestlohn kontraproduktiv

Beispielsweise stellen die Institute fest, dass ein einheitlicher Mindestlohn deutlich negativere Wirkungen für den Arbeitsmarkt hätte als die bisherigen Branchenverträge. Das Handwerk kann seine Positionen auch durch die Ausführungen zum Abbau der „kalten Progression“ und zur Beseitigung des Mittelstandsbauchs im Steuertarif bestätigt sehen. Gleiches gilt für die Themenbereiche Infrastruktur, Bildung und Energie. Schwarz-Rot muss jetzt ein Wachstumsprogramm bringen – und zwar ohne faule Kompromisse.

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