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Trends Große Studie: Die Zukunft des Handwerks

Deutsche Handwerksbetriebe entwickeln sich zu Initiatoren und Impulsgebern neuer Technologien. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie von Prognos. Im Mittelpunkt: Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien.

Megatrends der Zukunft
Megatrends für die Zukunft des Handwerks sind laut Prognos Nachhaltigkeit und Energien. Unter anderem setzt sich der starke Zubau von Photovoltaikanlagen fort. -

Zukunft kommt von Können - dieses Leitmotto des Handwerks hat sich das Marktforschungsinstitut Prognos in einer großen Studie vorgenommen. Herausgekommen sind Thesen und Trends, wie sich das Handwerk in der Zukunft entwickeln wird. Unter anderem in den Megatrends Nachhaltigkeit und Energien.

Nachhaltigkeit

Rund 30 Milliarden Euro werden im Jahr 2020 in energetische Haussanierungen investiert, wie die Forscher von Prognos schätzen. 2011 waren es 13 Milliarden Euro. Diese Maßnahmen werden von Handwerksbetrieben umgesetzt. Maurer, Stuckateure, Installateure und viele Gewerke mehr sind dafür unverzichtbar.

Trend 1: Die Anforderungen an die Gebäudesanierung steigen künftig weiter an. Das Verlangen der Verbraucher nach Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden erfordert Qualifizierung. Damit wächst der Bedarf an gut ausgebildeten Handwerkern.

Trend 2: Es wird in der Zukunft mehr saniert statt neu gebaut. Angesichts stagnierender Bevölkerungszahlen und einer hinreichenden Wohnungsversorgung wird das Bauen im Bestand gegenüber dem Neubau an Bedeutung gewinnen. Hier fließen 60 Prozent der Umsätze hin. Neben der energetischen Sanierung werden Umnutzung und Aufstockung zunehmen.

Trend 3: Das Handwerk wird mit nachwachsenden Rohstoffen arbeiten. Bauen mit Holz liegt jetzt schon voll im Trend. Das belegen eindrucksvoll die Entwicklungen der Quoten genehmigter Neubauten in Holzbauweise. Bei Wohngebäuden liegt der Anteil des Holzbaus am Neubau bei 15,2 Prozent (für 2011). 2020 wird mit einem Anteil von 21,3 Prozent gerechnet. Bei Nichtwohngebäuden ist der Trend noch stärker: 26,9 Prozent sollen es 2020 sein.

Trend 4: Das Handwerk erhält das kulturelle Erbe. 7,5 Milliarden Euro setzen Betriebe mit Restaurierungen pro Jahr um. Doch Restaurierungen sind nicht nur Kulturgut und Umsatzbringer, sondern auch Innovationstreiber: "Restauratoren werden oftmals innovative, neue Technologien an", wie Prognos schreibt.

Die Energiewende ist insgesamt ein Jobmotor. Bis zu 329.000 neue Arbeitsplätze können laut Prognos bis zum 2020 entstehen. Jeder zehnte davon im Handwerk.

Zukunft der Energien

Der Anteil der erneuerbaren Energien zur Energieversorgung wird immer größer. Bis zum Jahr 2020 soll er auf 35 Prozent steigen. Im ersten Halbjahr 2012 waren es 25 Prozent (2011: 20 Prozent). Im Jahr 2020 sollen laut Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz 14 Prozent des Wärmeverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

Etwa 116 Millionen Kilowatt soll im Jahr 2020 die Leistung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien betragen.

Trend 1: Das Handwerk erneuert das Energiesystem. In einer Schlüsselrolle wird das Handwerk bei Beratung der Endkunden, Installation und Wartung tätig sein. Schließlich wird laut Studie ein Großteil der erforderlichen Anlagen durch Handwerksbetriebe gebaut.

Trend 2: Der starke Zubau von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) setzt sich fort. Aktuell sind 87 Prozent der gemeldeten PV-Anlagen kleiner als 30 kWp. PV-Anlagen mit weniger als 30 kWp Leistung werden, so Prognos, fast ausschließlich von Handwerksbetrieben installiert. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Gleiches gilt für Anlagen zur Wärmeerzeugung.

Trend 3: Das Handwerk wird zum Energiedienstleister. Bis zum Jahr 2020 werden in etwa 35 Millionen Haushalten in Deutschland so genannte "Smart Meter" montiert werden - zum Großteil von Elektroinstallateuren. Zu diesem Zeitpunkt sollen nach Vorstellung der EU-Kommission auch in Europa über 80 Prozent der Haushalte über diesen intelligenten Stromzähler verfügen.

Trend 4: Mindestens 1,5 Millionen Wärmepumpen werden in Deutschland in den nächsten Jahren eingebaut werden. Damit sollen dann bis zum Jahr 2030 etwa vier Prozent aller Wohnungseinheiten mit Wärmepumpen beheizt werden.

Trend 5: Die ressourcenschonende Technologie der Wärmegewinnung aus Abwasser ist in Zukunft noch weiter ausbaufähig. Laut Prognos-Studie ist Abwasserwärme eine vielversprechende Alternative zur Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien. Hier sind insbesondere SHK- und elektrotechnische Gewerke mit ihrem Know-how gefragt. Handwerksbetriebe können auch als Contracting-Dienstleister auftreten, sich um Finanzierung, Planung und Installation sowie die Abrechnung kümmern.

Trend 6: Rund 100.000 Mini-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen werden bis 2020 installiert. Für SHK-Handwerker die Chance, Kunden zu Nutzen und Kosten zu beraten, die Anlage zu installieren und zu warten. Die Studie geht von einer dynamischen Marktentwicklung in diesem Bereich aus, die Bundesregierung will, dass 2020 25 Prozent des Stroms aus KWK-Anlagen kommt. Von den bereits bestehenden 17,4 Millionen Heizungsanlagen müssen in den nächsten Jahren etwa fünf Millionen ausgetauscht werden.

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