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Symptome der Influenza und wie man ihr vorbeugt Virusgrippe angesichts Coronavirus unterschätzt

Die Fallzahlen der Virusgrippe in Deutschland steigen stark. Mediziner warnen davor, angesichts der Coronaepidemie in China die Ernsthaftigkeit der Influenzawelle in Deutschland zu übersehen. Fakten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Krankheiten, wer am gefährdetsten ist und was jeder Einzelne tun kann, um sich zu schützen.

Verglichen mit den Vorjahren ist die Zahl der Grippefälle in dieser Saison bisher noch niedrig. Seit Oktober 2019 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) rund 58.100 bestätigte Influenzafälle - in Deutschland. Allein in der sechsten Meldewoche 2020 gab es über 20.000 neue bestätigte Fälle. Rund 10.100 Menschen mussten bisher aufgrund der Schwere ihrer Symptome ins Krankenhaus. 96 Personen starben infolge der Infektion (Stand 17.2.2020).

Da die Influenzawella zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus verläuft, gerät die Virusgrippe in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit in den Hintergrund. Die Zahlen in Deutschland sprechen aber eine andere Sprache. Den bisher 58.100 Influenza-Erkrankten in Deutschland stehen 16 am neuartigen Coronavirus Erkrankte gegenüber (Stand 18.2.2020).

Ähnlichkeiten und Unterschiede von Grippe und neuartigem Coronavirus

  • Gewöhnliche Coronaviren verursachen laut Robert-Koch-Institut (RKI) meistens milde Erkältungssymptomatik mit Husten und Schnupfen. Bestimmte Coronaviren, darunter das neuartige Coronavirus, können bei einem Teil der Patienten aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen, und zu Lungenentzündungen führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Menschen auf, die älter waren oder die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten. Die zwölf mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Patienten in Deutschland weisen laut RKI überwiegend milde Erkältungssymptome auf.
    Die Inkubationszeit, also von der Ansteckung bis zum Ausbruch, liegt bei etwa 14 Tagen. Weitere Informationen zum neuen Coronavirus hier.
  • Die Virusgrippe (Influenza) hat oft einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber, Muskel- und/oder Kopfschmerzen. Häufig kommt laut Robert-Koch-Institut etwas später ein trockener Reizhusten dazu. Allerdings erkranken längst nicht alle Infizierten so typisch. Als Faustregel gilt laut RKI: Etwa ein Drittel der Infizierten erkrankt mit den genannten Symptomen, ein Drittel zeigt eine mildere Symptomatik (wie bei Erkältungs­krank­hei­ten) und ein Drittel entwickelt gar keine Symptome. Insbesondere ältere Erkrankte bekommen häufig kein Fieber. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei fünf bis sieben Tagen, kann in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren jedoch auch deutlich länger sein. Influenzabedingte Todesfälle werden meist durch eine bakterielle Lungen­entzündung verursacht, nachdem die Influenza­viren die Lunge vorgeschädigt haben. Es gibt auch virale Lungenentzündungen – in diesen Fällen kann das Influenzavirus direkt und ohne bakterielle Super-Infektion zu einer schweren Erkrankung oder sogar zum Tod führen, informiert das RKI. Die Inkubationszeit beträgt lediglich ein bis zwei Tage.

Höhepunkt der Grippewelle zwischen sechster und elfter Woche

Der Höhepunkt der Virusgrippewelle steht noch bevor. In den vergangenen Jahren lag er immer zwischen der sechsten und der elften Kalenderwoche. "Die Welle wird sich noch etliche Wochen hinziehen", bestätigt RKI-Expertin Silke Buda.

Wie stark oder schwach eine Grippewelle ausfallen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Einen indirekten Einfluss hat das Wetter. Bei sehr kalten Temperaturen halten sich nach RKI-Einschätzungen die Menschen länger in geschlossenen Räumen auf. Trockene Heizungsluft könne die Schleimhäute der Atemwege unter Umständen infektionsanfälliger machen. Auch könnten die Tröpfchen, die von Kranken ausgehustet werden, bei Kälte länger in trockener Raumluft schweben und damit über etwas größere Distanzen auf die Atemschleimhäute anderer Menschen gelangen.

Influenza und Coronavirus für Senioren am gefährlichsten

"Für die Schwere einer Grippewelle und die Zahl der Erkrankungen sind aber andere Faktoren sicher wichtiger, zum Beispiel die Immunität in der Bevölkerung durch vorausgegangene Grippewellen", betont Buda.

Während die vergangene Grippe-Saison 2018/19 sehr moderat ausfiel, war das Jahr 2017/18 verheerend: Das RKI geht von 25.100 Grippetoten aus. "Das ist die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren", sagt Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des RKI.

Grundsätzlich werden nach RKI-Schätzungen im Verlauf von Grippewellen 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung angesteckt. Bei heftigen Wellen gehe man von mehreren zehntausend Toten aus. Meist seien Senioren betroffen, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben - so wie auch beim neuartigen Coronavirus.

Grippeimpfung für gefährdete Gruppen

Einen absoluten Schutz vor der Virusgrippe gibt es nie. Mediziner empfehlen besonders anfälligen Gruppen, sich vorab impfen zu lassen. Ideal sei der Beginn ab Oktober, und auch später sei eine Impfung noch sinnvoll. Die Impfung erreicht nach etwa 14 Tagen ihre volle Wirksamkeit. Als Risikogruppen gelten chronisch Erkrankte, Senioren, Berufstätige in Gesundheitsberufen sowie alle Betreuer von Risikopatienten.

Auch wer geimpft ist, hat keine absolute Sicherheit, denn die Impfstoffe greifen nicht jedes Jahr gleich gut. "In den vergangenen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch", sagt Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn während die Herstellung von Millionen Impfdosen läuft, wandeln sich die Erreger laufend weiter.

Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass das Immunsystem oft nicht mehr so fit ist und die Impfung daher nur schwächeren Schutz bietet. 2018/19 betrug die Impfeffektivität laut Robert-Koch-Institut lediglich 21 Prozent. Bei den über 60-Jährigen lag sie bei lediglich 4 Prozent, in der Altersgruppe unter 15 Jahren lag sie bei 71 Prozent. Die 15 bis 59-Jährigen erreichten eine Effektivität von 5 Prozent.

Für 2019/20 empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sowohl Dreifach- als auch Vierfachimpfstoffe. 21 Millionen Impfdosen wurden für diese Saison laut PEI freigegeben. Sie decken folgende Erreger ab:
  • A/Brisbane/02/2018 (H1N1) pdm09- ähnlicher Stamm
  • A/Kansas/14/2017 (H3N2)- ähnlicher Stamm
  • B/Colorado/06/2017- ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie)

und im Vierfachimpfstoff zusätzlich:

Grippeimpfung

Zeitpunkt: Der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung ist im Oktober und November.

Schutzaufbau: Nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.

Risikogruppen: Besonders für Risikogruppen wie Schwangere, Ältere über 60 Jahren oder Personen mit chronischen Erkrankungen kann die Grippe zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Ihnen sowie Gesundheitsberufen und allen Betreuern von Risikopatienten wird deshalb die Grippeimpfung empfohlen. Außerdem sollten sich alle Personen schützen, die durch Kontakt zu vielen Personen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben oder die gefährdete Personen in ihrem nahen Umfeld anstecken könnten.

Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, sind die Impfquoten niedriger, als es Mediziner sich wünschen. Mit etwa 35 Prozent der über 60-Jährigen erreichte Deutschland zuletzt noch nicht einmal die Häflte der von der Weltgesundheitsorganisation vorgegebenen Zielmarke von 75 Prozent. Eine Impfung kann nur dann greifen, wenn sie jedes Jahr aufs Neue gemacht wird, eben weil die Grippeviren sich laufend verändern.

Hände waschen und Abstand halten

Für das neuartige Coronavirus gibt es bisher noch keine Impfung oder spezielle Medikamente. Die Vorsichtsmaßnahmen sind hier allerdings dieselben wie bei der Virusgrippe: Strikte Hygiene. Influenza wird beim Sprechen, Niesen oder direktem Kontakt durch Tröpfcheninfektion übertragen. "Da sich das Grippevirus vor allem durch Husten und Niesen verbreitet, ist es ratsam, von Erkrankten möglichst eineinhalb bis zwei Meter Abstand zu halten“, sagt Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer.

Um eine indirekte Übertragung zu vermeiden, solle man sich regelmäßig die Hände waschen, mit Seife und mindestens 20 bis 30 Sekunden lang. Außerdem empfehlen Mediziner, sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, denn an den Händen könnten Viren sein, die beispielsweise bei der Begrüßung per Handschlag oder über eine Türklinke dorthin gekommen sind. "Regelmäßiges Händewaschen ist zur Vermeidung einer Influenza auch deshalb so wichtig, weil eine Person bereits dann ansteckend sein kann, wenn sie noch keine Symptome zeigt“, sagt Marschall.

Grippewelle

Wie eine Grippe von Erkältung unterscheiden?

Die Symptome der Grippe kommen viel plötzlicher als die einer Erkältung. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen sind sie sofort in aller Heftigkeit da. Trockener Husten, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und hohes Fieber sind bei manchen Patienten so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen.

Je stärker die Symptome, desto mehr potenziell ansteckende Grippeviren scheidet der Erkrankte auch aus; zu Beginn der Krankheit also am meisten, im Verlauf immer weniger. Im Schnitt sind Erkrankte vier bis sieben Tage lang ansteckend.

Grippe (Influenza) Erkältung (grippaler Infekt)
Krankheitsbeginn plötzlich, mit starken Beschwerden schleichender Beginn, zunehmende Verschlechterung
Fieber oft zwischen 38 und 41 Grad Celsius leicht erhöhte Temperatur
Husten meist schmerzender, trockener Reizhusten direkt zu Beginn eher schleimiger Husten, oft reizlos
Schnupfen verstopfte und/oder laufende Nase häufiges Niesen, verstopfte und/oder laufende Nase - kündigen Erkältung meist an
Schmerzen starke, bohrende Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen punktuell Kopf- und Gliederschmerzen möglich
Müdigkeit starke Abgeschlagenheit, Schwächegefühl Mattheitsgefühl
Appetit Appetitlosigkeit Appetit meist noch vorhanden
Saison Dezember bis April ganzjährig, keine Grippefälle im Umfeld
Erreger Influenza-Viren mehr als 200 verschiedene Erreger

Quelle: AOK, Die Gesundheitskasse in Hessen

Eine "echte“ Grippe, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird, lässt sich durch einen Bluttest nachweisen. Diese Viren infizieren, anders als bei einer Erkältung, nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Atemwege. Bei einer Erkrankung kann der Arzt zwar die Symptome lindern, doch die einzig wirksame Bekämpfung muss vorab als Prophylaxe stattfinden. Antibiotika wirken bei Virusinfektionen nicht und sind sogar kontraprodukiv.

Parallel zum Grippegeschehen haben Mediziner der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) einen deutlichen Anstieg der Herzinfarktraten festgestellt. Während der Grippesaison habe die MHH 92 Herzinfarktpatienten behandelt, in grippefreien Monaten seien es nur 40, teilte die MHH mit. Dass Grippe einen Herzinfarkt auslösen kann, bestätigt auch eine Fall-Kontroll-Studie im New England Journal of Medicine. Demnach stieg das Herzinfarktrisiko während der ersten sieben Krankheitstage um das sechsfache. Besonders gefährlich seien Infektionen mit Influenzaviren vom Typ B.

Eine Erkältung ist keine Grippe

Immer noch spricht der Volksmund auch dann von einer Grippe, wenn lediglich ein grippaler Infekt oder eine Erkältung gemeint ist. Doch hier genügen meist ein paar Tage Ruhe und leichte Mittel zur Symptomlinderung, um schnell wieder fit zu sein.

Aber auch hier kann man Fehler machen, warnt die Barmer. Abschwellend wirkende Nasensprays sind demnach zwar kurzfristig sinnvoll, weil sie die Nasennebenhöhlen besser belüften und so helfen, Entzündungen vorzubeugen. Wer allerdings länger als sieben bis zehn Tage sprüht, schadet seinen Schleimhäuten. Diese verlernen, sich von allein wieder zusammenzuziehen, eine Abhängigkeit entsteht.

Wer längerfristig Unterstützung gegen Schnupfen benötigt, sollte lieber auf isotone oder hypertone Sprays auf Salzbasis zurückgreifen. Isotone Sprays wirken zwar nicht abschwellend, aber sie befeuchten die Nasenschleimhäute, wodurch sich Krankheitserreger schwerer festsetzen können. Hypertone Salz-Nasensprays enthalten eine höhere Salzkonzentration als isotone Sprays. Sie wirken leicht abschwellend, indem sie der Nasenschleimhaut überschüssiges Wasser entziehen. Beide können dauerhaft angewendet werden.

Hintergrundwissen: Bundeszentrale für ­gesundheitliche Aufklärung:impfen-info.de, infektionsschutz.de, Robert Koch-Institut.  

Notfallplan für Grippe-Epidemie

Was Unternehmer tun können, wenn ihr normaler Betriebsablauf durch eine Grippe-Epidemie gefährdet ist, haben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in einem Handbuch zur betrieblichen Pandemieplanung zusammengetragen. Darin finden Unternehmer neben ausführlichen Hintergrundinformationen auch mehrere Checklisten, wie sie sich in ihren Betriebsabläufen im Krisenfall am besten verhalten. Zum "Handbuch betriebliche Pandemieplanung".

Mit Inhalten aus dpa

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