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Grippaler Infekt, Virusgrippe und Vogelgrippe Grippe: Es geht wieder los

Neun Millionen Menschen gingen in der vergangenen Grippesaison wegen Verdacht auf Influenza zum Arzt, das sind zwei Millionen mehr als in anderen starken Grippesaisons. Rund 5,3 Millionen Menschen waren durch ihre Erkrankung arbeitsunfähig, 45.000 mussten sogar ins Krankenhaus. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist jetzt auf die Bedeutung der Grippeimpfung für bestimmte Gruppen hin. Für wen die Impfung empfohlen wird und was sonst noch wichtig ist.

Die Grippesaison des Winters 2017/18 war eine der stärksten der vergangenen Jahre. In der schlimmsten, der achten Kalenderwoche, hatten pro 100.000 Einwohner knapp 3.000 Menschen mit Grippesymptomen den Arzt besucht. Das war der höchste Konsultationswert in den vergangenen zehn Saisons. Insgesamt gingen rund neun Millionen wegen Grippesymptomen zum Arzt, allein in der achten Kalenderwoche kamen über 37.000 neue Grippefälle hinzu, in der neunten Woche fast 44.000 Fälle.

Auch die Zahl derjenigen, die aufgrund der Schwere ihrer Symptome im Krankenhaus behandelt werden musste, war mit rund 45.000 hoch.Nur in der Gruppe der Kleinkinder sind die Werte vergleichweise leicht angestiegen, in allen anderen Altersklassen stark. Bei den über 60-Jährigen erreichen die Fallzahlen fast das Niveau zum Höhepunkt der Saison 2016/17. In der Untergruppe der 60- bis 79-Jährigen überstieg die Zahl der stationär behandelten Kranken sogar die drei Vorsaisons.

Grippe bei Kleinkindern und Senioren

Am häufigsten gingen Eltern mit kranken Kleinkindern wegen einer Grippeerkrankung in die Arztpraxen. Am gefährlichsten ist die Grippe aber grundsätzlich für Senioren. Jedes Jahr wieder betreffen die meisten Todesfälle über 60-Jährige.

Gerade Älteren wird deswegen empfohlen, sich impfen zu lassen, außerdem Personen mit chronischen Erkrankungen, Berufstätigen in Gesundheitsberufen sowie allen Betreuern von Risikopatienten. Der beste Zeitpunkt für eine Impfung sind laut Behörden und Medizinern die Monate Oktober und November, weil so der Impfstoff noch Zeit hat, zu wirken, bevor die eigentliche Grippewelle anrollt.

Allerdings: Auch wer geimpft ist, hat keine absolute Sicherheit. Der letztjährige Dreifach-Impfstoff - er schützte vor drei verschiedenen Influenza-Stämmen - enthielt ausgerechnet den Wirkstoff nicht, der gegen den 2017/18 am häufigsten auftretenden Influenza-Stamm wirkt (B-Viren der Yamagata-Linie). "Dabei wäre ein breiter wirksamer Impfstoff verfügbar gewesen, der diese Lücke nicht aufgewiesen hätte, allerdings wurde dieser von den Krankenkassen nicht erstattet“, kritisierte Professor Dr. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medzinischen Hochschule Hannover (MHH). Nur im teureren Vierfach-Impfstoff war der Wirkstoff gegen die Haupterreger der diesjährigen Influenza enthalten.

Für die Grippesaison 2018/19 übernehmen die Krankenkassen auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts aber die Kosten für einen Vierfachimpfstoff. Folgende Erreger sollen laut Paul-Ehrlich-Institut damit abgedeckt werden:
  • A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09- ähnlicher Stamm
  • A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)- ähnlicher Stamm
  • B/Colorado/06/2017- ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie)
  • eine Variante von B/Phuket/3073/2013 - ähnlicher Stamm (B/Yamagata/16/88-Linie)

Eine wissenschaftliche Darstellung der Wirksamkeit der Impfung in dieser Saison steht bei Eurosurveillance.

Grippeviren verändern sich laufend

Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, sind die Impfquoten niedriger, als es Mediziner sich wünschen. Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigen, dass sich in der Saison 2015/16 nur 35 Prozent der Über-60-Jährigen impfen ließen. Wie die Bundesvereinigung der deutschen Apothekenverbände meldet, haben sich in der letztjährigen Grippesaison 12,4 Millionen Menschen in Deutschland impfen lassen, exakt gleich viele, wie in der Vorsaison.

Tatsächlich kann eine Impfung nur dann greifen, wenn sie jedes Jahr aufs Neue gemacht wird, weil die Grippeviren sich laufend verändern. Für jede Grippesaison entwickeln Mediziner und Pharmakologen neue Wirkstoffkombinationen. Im Normalfall sind die Impfstoffe dann zu 40 bis 60 Prozent effektiv. Die Impfwirkung hängt davon ab, wie gut das Immunsystem reagiert, vor allem aber davon, wie genau der Impfstoff auf die kursierenden Viren passt. In der Saison 2015/16 lag die Effektivität niedriger als sonst, das heißt: Mehr Geimpfte als sonst erkrankten. Der Impfstoff der vergangenen Grippesaison war für alle Altersgruppen zu 41 Prozent effektiv, mit einer geringeren Effektivität bei Senioren.

Eine Liste der zugelassen Impfstoffe steht hier.

Grippeimpfung

Zeitpunkt: Der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung ist im Oktober und November.

Schutzaufbau: Nach der Impfung dauert es etwa zwei Wochen, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.

Risikogruppen: Besonders für Risikogruppen wie Schwangere, Ältere über 60 Jahren oder Personen mit chronischen Erkrankungen kann die Grippe zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Ihnen sowie Gesundheitsberufen und allen Betreuern von Risikopatienten wird deshalb die Grippeimpfung empfohlen. Außerdem sollten sich alle Personen schützen, die durch Kontakt zu vielen Personen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben oder die gefährdete Personen in ihrem nahen Umfeld anstecken könnten.

Grippewelle

Parallel zum Grippegeschehen haben die Mediziner der MHH einen deutlichen Anstieg der Herzinfarktraten festgestellt. Ab Jahresanfang habe die MHH 92 Herzinfarktpatienten behandelt, in grippefreien Monaten seien es nur 40. Dass Grippe einen Herzinfarkt auslösen kann, bestätigt auch eine Fall-Kontroll-Studie im New England Journal of Medicine. Demnach stieg das Herzinfarktrisiko während der ersten sieben Krankheitstage um das sechsfache. Besonders gefährlich seien Infektionen mit Influenzaviren vom Typ B.

Eine Erkältung ist keine Grippe

Immer noch spricht der Volksmund auch dann von einer Grippe, wenn lediglich ein grippaler Infekt oder eine Erkältung gemeint ist. Doch hier genügen meist ein paar Tage Ruhe und leichte Mittel zur Symptomlinderung, um schnell wieder fit zu sein.

Aber auch hier kann man Fehler machen, warnt die Barmer GEK. Abschwellend wirkende Nasensprays sind demnach zwar kurzfristig sinnvoll, weil sie die Nasennebenhöhlen besser belüften und so helfen, Entzündungen vorzubeugen. Wer allerdings länger als sieben bis zehn Tage sprüht, schadet seinen Schleimhäuten. Diese verlernen, sich von allein wieder zusammenzuziehen, eine Abhängigkeit entsteht.

Wer längerfristig Unterstützung gegen Schnupfen benötigt, sollte lieber auf isotone oder hypertone Sprays auf Salzbasis zurückgreifen. Isotone Sprays wirken zwar nicht abschwellend, aber sie befeuchten die Nasenschleimhäute, wodurch sich Krankheitserreger schwerer festsetzen können. Hypertone Salz-Nasensprays enthalten eine höhere Salzkonzentration als isotone Sprays. Sie wirken leicht abschwellend, indem sie der Nasenschleimhaut überschüssiges Wasser entziehen. Beide können laut Barmer GEK dauerhaft angewendet werden.

Gegen Virusgrippe hilft nur Vorbeugung

Die Symptome der Grippe kommen viel plötzlicher als die einer Erkältung. Nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen sind sie sofort in aller Heftigkeit da. Trockener Husten, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und hohes Fieber sind bei manchen Patienten so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen. In der diesjährigen Grippesaison waren gerade auch Erwachsene im Alter zwischen 35 und 59 Jahren - also in den meisten Fällen Berufstätige - überdurchschnittlich stark betroffen.

Je stärker die Symptome, desto mehr potenziell ansteckende Grippeviren scheidet der Erkrankte auch aus; zu Beginn der Krankheit also am meisten, im Verlauf immer weniger. Im Schnitt sind Erkrankte vier bis sieben Tage lang ansteckend.

Grippe (Influenza) Erkältung (grippaler Infekt)
Krankheitsbeginn plötzlich, mit starken Beschwerden schleichender Beginn, zunehmende Verschlechterung
Fieber oft zwischen 38 und 41 Grad Celsius leicht erhöhte Temperatur
Husten meist schmerzender, trockener Reizhusten direkt zu Beginn eher schleimiger Husten, oft reizlos
Schnupfen verstopfte und/oder laufende Nase häufiges Niesen, verstopfte und/oder laufende Nase - kündigen Erkältung meist an
Schmerzen starke, bohrende Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen punktuell Kopf- und Gliederschmerzen möglich
Müdigkeit starke Abgeschlagenheit, Schwächegefühl Mattheitsgefühl
Appetit Appetitlosigkeit Appetit meist noch vorhanden
Saison Dezember bis April ganzjährig, keine Grippefälle im Umfeld
Erreger Influenza-Viren mehr als 200 verschiedene Erreger

Quelle: AOK, Die Gesundheitskasse in Hessen

Eine "echte“ Grippe, die durch Influenza-Viren ausgelöst wird, lässt sich durch einen Bluttest nachweisen. Diese Viren infizieren, anders als bei einer Erkältung, nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Atemwege. Bei einer Erkrankung kann der Arzt zwar die Symptome lindern, doch die einzig wirksame Bekämpfung muss vorab als Prophylaxe stattfinden. Antibiotika wirken bei Virusinfektionen nicht und sind sogar kontraprodukiv.

Händewaschen gegen Grippe

Für alle Menschen, egal ob geimpft oder nicht, gilt, dass der beste Schutz Vorsicht ist. Influenza wird beim Sprechen, Niesen oder direktem Kontakt durch Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt im Umkehrschluss: Wer den direkten Kontakt mit Kranken vermeidet, wer sich die Hände regelmäßig und gründlich wäscht und wer sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fasst, beugt im Rahmen der Möglichkeiten gut vor.

Hintergrundwissen: Bundeszentrale für ­gesundheitliche Aufklärung:impfen-info.de, infektionsschutz.de, Infobroschüre, Robert Koch-Institut.

Vogelgrippe, Menschengrippe und grippaler Infekt

Parallell zur "Menschengrippe" verläuft auch immer die Vogelgrippe. Denn auch hier können sich die Erreger wegen der niedrigeren Temperaturen und der höheren Feuchtigkeit besser verbreiten. Durch den Vogelzug kommen außerdem mehr Wildvögel an den Rastplätzen zusammen, was eine Ansteckung wahrscheinlicher macht.

Mit 92 Ausbrüchen in Geflügelhaltungen und Zoos hatte Deutschland 2016/2017 die größte jemals dokumentierte Serie von Infektionen erlebt. Im darauffolgenden Winter wurde der Erreger ebenfalls nachgewiesen, allerdings deutlich seltener als im Vorjahr. In der aktuellen Saison wurden nach einem Vogelgrippe-Ausbruch Anfang September in einem Geflügelbetrieb in Wismar 130 Tiere getötet.

Obwohl das Vogelgrippevirus H5N8 für den Menschen bisher ungefährlich zu sein scheint, gelten erhöhte Schutzmaßnahmen. Wer einen kranken oder verendeten Wildvogel findet, sollte direkten Kontakt vermeiden und sich an die zuständige Veterinärbehörde wenden. Menschen, die mit potenziell infiziertem Geflügel oder Wildvögeln zu tun hatten, sollten die empfohlenen Schutzmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts lesen.

Im Gegensatz zum Vogelgrippevirus H5N8 - hier ist noch nie ein Übergang auf den Menschen nachgewiesen worden - gab es mit dem Virus H5N1 in den vergangenen Jahren weltweit mehr als 800 Menschen, die sich infiziert hatten. In China gab es in der vergangenen Saison verstärkt Fälle, wo sich Menschen mit der aviären Influenza A(H7N9) angesteckt haben. Mehr dazu beim RKI.

Di e Symptome der aviären Influenza beim Menschen ähneln denen der klassischen Grippeinfektion: Nach einer Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen haben die Patienten plötzlich hohes Fieber, Husten und Atemwegsinfekte. In den darauffolgenden fünf bis sieben Tagen entwickeln sie eine schwere Lungenentzündung mit schwerer Atemwegsnot. Fragen zur hochpathogenen aviären Influenza beantwortet das Friedrich-Loeffler-Institut .Detaillierte Informationen bietet außerdem das RKI hier.

Die afrikanische Schweinepest gilt ebenfalls als für den Menschen ungefährlich, für die Tiere aber als hochansteckend. Jüngst wurden zwei an der Krankheit verendete Wildschweine in Belgie nahe der deutschen Grenze gefunden, Schweinezüchter sind alarmiert. Denn sowohl für Haus- als auch für Wildschweine ist die Krankheit fast immer tödlich. Weitere Informationen gibt das Friedrich-Loeffler-Institut.

Notfallplan für Grippe-Epidemie

Was Unternehmer tun können, wenn ihr normaler Betriebsablauf durch eine Grippe-Epidemie gefährdet ist, haben das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg in einem Handbuch zur betrieblichen Pandemieplanung zusammengetragen. Darin finden Unternehmer neben ausführlichen Hintergrundinformationen auch mehrere Checklisten, wie sie sich in ihren Betriebsabläufen im Krisenfall am besten verhalten. Zum "Handbuch betriebliche Pandemieplanung".

Diese Seite wurde am 8.Oktober 2018 aktualisiert.

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