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Firma Hasenkopf Grenzenlos in jeder Hinsicht

Die Firma Hasenkopf aus dem oberbayerischen Mehring ist mit beliebig formbaren Werkstoffen auf neuen Märkten erfolgreich.

Roland Hasenkopf hat vergangenes Jahr eine Straße gekauft. Einfach so. "Die hat eh zwischen unseren Firmengrundstücken gelegen“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer der Hasenkopf Industrie Manufaktur aus Mehring. Da sei es nur konsequent gewesen, die beiden Grundstücke miteinander endgültig zu verbinden. Die Straße ist jetzt Privateigentum. Der Gemeinderat hat dem Kauf einstimmig zugestimmt. Der Kauf einer Gemeindestraße ist in Mehring im Kreis Altötting auch noch nicht vorgekommen. Eben nichts Gewöhnliches. Genauso ungewöhnlich sind die Produkte, die Hasenkopf produziert. 160 Mitarbeiter fertigen auf 15.000 Quadratmeter Serienprodukte in Holz sowie Mineral- und Acrylwerkstoffen. Von der Designbadewanne bis zur Wandverkleidung.

Das Unternehmen sieht sich als Zulieferspezialist für Systemlösungen und bezeichnet sich als "Industrie Manufaktur“. Man möchte meinen, das Wort sei ein Widerspruch in sich. Schließlich klammert die industrielle Fertigung von zum Beispiel Schubladen die Handarbeit weitgehend aus. Doch dem Wort nach ist die Manufaktur ein Übergangszustand zwischen Handwerk, und Fabrik. Hasenkopf ist deshalb vielleicht nicht ganz Handwerk, aber auch nicht ganz Industrie. In jedem Fall aber überschreiten die Oberbayern Grenzen mit ihren Produktentwicklungen. Immer in handwerklicher Qualität, wie Hasenkopf betont.

Individuell nach Wunsch und Design geformte Kunststoffverkleidungen

Im vergangenen Jahr haben die Mehringer etwa die Wandverkleidung für ein Auditorium des Kongresszentrums in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gefertigt. Mit einer gewöhnlichen Vertäfelung hat so ein Auftrag jedoch nichts mehr zu tun. Hasenkopf liefert individuell nach Wunsch und Design geformte Kunststoffverkleidungen aus Corian, einem Mineralwerkstoff. Die Bauteile sind nach dem Vorbild der Freskomalerei gefräst und ergeben interessante, scheinbar zufällig geschwungene Formen. Vor Ort werden sie wie bei einem Puzzle an der Wand zusammengesetzt. Solche Wände gibt es bei Hasenkopf außerdem aus Gipsfaserbeton und Parapan (ein Acrylwerkstoff), aber eben auch aus Holz, wie man es von einem Holzverarbeiter erwartet.

Von ihrem Brot-und-Butter-Geschäft – der nach Wunsch und in Serie gerfertigten Schublade – hat sich Hasenkopf mit den neuen Produktlinien und den Materialien weit entfernt. Auf die Herkunft, das betont auch Roland Hasenkopf, sei man dennoch besonders stolz. Den Begriff Manufaktur sieht er deshalb auch als Ausdruck handwerklicher Exzellenz und verlässlicher Qualität. Doch Hasenkopf will seinen Kunden noch mehr bieten. Die industrielle Fertigung erlaube eben auch eine schnelle Auftragsabwicklung und eine Lieferung just in time.

Firmengründer Didymus Hasenkopf – Vater von Roland Hasenkopf und nach dem Krieg als Flüchtling aus Moldawien nach Mehring gekommen – positionierte sich nach seinem Ingenieurstudium 1964 von Anfang an als Spezialist und Zulieferer. Er probierte sich mit einem Zwei-Mann-Betrieb an Nähkästchen für Nähmaschinen, Hartfaserhüllen für Transistorradios und blieb schließlich an Schubladen hängen, für die er ein besonderes Faltverfahren entwickelte, bei dem die Seitenteile nach der Ausfräsung der Gehrung nur noch am Furnier hochgeklappt und verleimt werden mussten. Hasenkopf wurde Partner sowohl für den Ein-Mann-Dorfschreiner um die Ecke als auch für große Möbelhersteller wie Poggenpohl und Interlübke. Das Unternehmen nutzte den Vorteil der Serienfertigung im Gegensatz zur stückweisen Fertigung für Einzelmöbel mit hohem Aufwand. "Wir sind in unseren Spezialprodukten günstiger und besser als der kleine Schreiner in der Herstellung eines Einzelprodukts“, erläutert Roland Hasenkopf.

Breite Produktschere

Inzwischen geht die Produktschere sehr weit auseinander. Die neuen Werkstoffe lassen ganz andere Möglichkeiten zu. Das reicht von der Badewanne und der Theke bis zur Wandverkleidung. Die Möbel werden nach Entwürfen internationaler Designer, im Auftrag anderer Holzverarbeiter gefertigt. Kunden können ihre Formverläufe vorgeben, denn das Material ist beliebig formbar. In den Arbeitsgängen Spanen und Verformen können die Maschinen so ziemlich jede gewünschte Form zum Beispiel aus einem Stück Corian herausarbeiten.

So fällt jeder Auftrag ganz unterschiedlich aus. Der 49-jährige Firmenchef sieht sich im Spagat zwischen dem ganz profanen Schneidbrett, das Stammkunden in Masse bestellen, und den Leuchtturmprojekten wie den Exponaten in der Besucherausstellung des Kernforschungszentrums CERN in Genf. Mehr und mehr verlagert sich jedoch der Schwerpunkt Richtung Design und Architektur. Die neuen Materialien eröffnen den Architekten die Umsetzung ihrer Ideen etwa im Ladenbau oder bei der Einrichtung von Wohn- oder Badezimmern. Eine Herausforderung sieht Hasenkopf vor allem darin, seine Mitarbeiter immer wieder für die Ideen der Gestalter zu begeistern und so die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Der Holztechnikingenieur hat keine Angst, diesen Spagat irgendwann mal nicht mehr hinzubekommen. Das Alltagsgeschäft sichert schließlich die außergewöhnlichen Aufträge ab. Außerdem könne es doch gar nicht spannender sein. "Jeder Tag ist anders“, sagt er. Und manchmal kauft man eben eine Straße.

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