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Smartphone von Motorola Google Nexus 6 im Test

Die Nexus-Reihe von Google ist bekannt für gute Smartphones mit neuestem Android-System zum günstigen Preis. Doch mit dem Google Nexus 6 ist alles anders. Das Motorola-Handy greift die Oberklasse an. Das Phablet hat jedoch seinen Preis.

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Um das Smartphone gibt es viele Mythen. Die meisten sind falsch. -

Gute Technik, das neueste Android-Betriebssystem ohne überflüssige Zusätze und ein sehr günstiger Preis - das waren bisher die Zutaten des Erfolgs der Nexus-Reihe von Google. Doch mit dem Nexus 6 von Motorola verlässt Google die bisherige Strategie.

Das neue Modell bewegt sich bei der technischen Ausstattung in einer Liga mit Top-Modellen wie dem iPhone 6, dem Samsung Galaxy Note 4 oder dem Sony Xperia Z3. Zudem ist das neue Nexus mit seinem sechs Zoll Bildschirm viel größer als der Vorgänger und gehört in die Kategorie Phablet.

Gleichzeitig hat Google aber auch an der Preisschraube gedreht. War das Nexus 5 in der günstigen Variante schon ab 350 Euro zu haben, liegt der Einführungspreis für das neue Modell im Google-Play-Store zwischen 650 und 700 Euro. Ob das Konzept aufgeht oder Google seine treue Kundschaft verlieren könnte, zeigt der Test.

Moto X in groß

"Das ist doch ein aufgeblähtes Moto X." Wer das Google Nexus 6 in die Hand nimmt, erkennt sofort, dass dieses Smartphone aus der Designerschmiede von Motorola kommt und nicht wie der Vorgänger von LG entworfen wurde. Optisch ähnelt es sehr dem Moto X (2. Generation). Allerdings ist es mit einem Bildschirm von fast sechs Zoll deutlich größer als das Moto X (5,2 Zoll). Das Mehr an Display wirkt sich auch merklich auf Gewicht und Gesamtgröße des Nexus 6 aus. Mit 184 Gramm ist es nicht unbedingt ein Leichtgewicht und zum Beispiel 55 Gramm schwerer als das neue Apple iPhone 6 Plus, dass jedoch nur eine Bildschirmgröße von 5,5 Zoll aufweist.

Auch bei den Gerätemaßen klotzt das Google Nexus 6. Knapp 16 Zentimeter lang, 8,3 Zentimeter breit und über einen Zentimeter dick ist es. Besonders handlich ist es damit nicht. Doch ein so großer Bildschirm lässt sich auch kaum in einem kleineren Gerät unterbringen. Immerhin sind die Seitenränder auf der Vorderseite relativ schmal gehalten. Handlich ist das Nexus 6 nicht und für die Hosentasche auch nicht unbedingt geeignet. Doch diesen Ansatz scheint Google auch gar nicht zu verfolgen. Der großzügige Bildschirm dürfte vor allem Multimedia-Fans freuen, die mit ihrem Smartphone viele Videos abspielen möchten. Auch zur Dokumentenbearbeitung ist das große Display praktisch.

Dennoch werden sich bisherige Nexus-Kunden an die neue Größe gewöhnen müssen. Der Vorgänger war ein ganzes Zoll kleiner - eine Welt in Smartphone-Dimensionen.

Ringförmiger Blitz

Bei den verwendeten Materialien setzen Google und Motorola auf eine Kombination aus Metall und Plastik. Das Nexus 6 ist in einen Aluminium-Rahmen eingefasst, der dem Modell eine gewisse Wertigkeit verleiht und nach Premium-Smartphone aussieht. Die leicht gewölbte Gehäuserückseite ist aus Polycarbonat. Das Plastikgemisch zeichnet sich durch seine Robustheit und Leichtigkeit aus und wird von vielen Herstellern gerne genutzt. In Kombination mit der Wölbung schmiegt sich das Nexus gut an die Handfläche an.

Das neue Google Nexus 6

Das Google Nexus 6 setzt auf ein neues Design von Motorola.

Auf der Rückseite befinden sich ein etwas überdimensionierter Nexus-Schriftzug sowie das Motorola-Logo. Auffällig sind die Foto-LEDs, die ringförmig um das Objektiv angeordnet sind. Das sieht nicht nur schick aus, sondern nimmt auch weniger Platz ein als die übliche Platzierung neben dem Objektiv. Um Sturzschäden zu vermeiden, wird der Bildschirm mit Gorilla Glass 3 geschützt. Oben und unten auf der Gerätevorderseite befinden sich zwei Stereolautsprecher.

Erhältlich ist das Nexus 6 in den Farbvarianten blau und weiß. Insgesamt geben Verarbeitung und Design keinen Grund zur großen Kritik, wenn auch nicht ganz die Anmut der Metall-Boliden HTC One M8 und iPhone 6 sowie des gläsernen Sony Xperia Z3 erreicht wird. Schade ist, dass sich trotz dem verwendeten Polycarbonat die Rückseite nicht abnehmen lässt, um den Akku tauschen zu können. Dass es auch anders geht, zeigt etwa Samsung mit seinen Galaxy-Modellen.

Scharf und schnell

Freude kommt beim ersten Einschalten des Nexus 6 auf. Die Darstellung auf dem großzügigen AMOLED-Display und der Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel macht etwas her und muss sich vor der Oberklasse-Konkurrenz keineswegs verstecken. Einen Abzug gibt es jedoch für die Bildschirmhelligkeit, die besser ausfallen könnte. Auch die Weißdarstellung überzeugt nicht vollends und hat einen leichten Gelbstich. Der Schwarzwert ist hingegen sehr gut, genauso wie die Blinkwinkelstabilität, wenn man seitlich auf den Bildschirm schaut.

Im Inneren des Google Nexus 6 werkelt ein Vierkernprozessor Snapdragon 805 aus dem Hause Qualcomm. Hinzu kommen 3 Gigabyte Arbeitsspeicher. Das Paket sorgt für ordentlich Tempo und bewältigt aufwendige Spiele genauso ruckelfrei wie HD-Filme. Auch beim schnellen Wischen durch die Menüs des Betriebssystems gibt es keine Verzögerungen.

"Dauerlutscher" Android 5.0

Wie von der Modellreihe gewohnt, kommt auch beim Google Nexus 6 wieder das neueste Betriebssystem zum Einsatz. Android 5.0 - genannt Lollipop - läuft dabei in einer reinen Variante ohne unnötige Zusatzprogramme wie sie viele andere Hersteller auf ihre Android-Handys packen. Lästiges Deinstallieren von Apps fällt weg. Alles was zusätzlich an Apps gewünscht wird, kann sich der Nutzer über den Google-Play-Store herunterladen. Optisch ist Android 5.0 eine deutliche Veränderung zur vorherigen Version und setzt auf das Motto "weniger ist mehr". Insgesamt wirkt alles aufgeräumter und schlichter als zuvor. Das so genannte "Material Design" bietet aufgefrischte Farben, Schriften, Animationen und Fenster. Wurde für den Home-Button bisher ein "Haus"-Symbol verwendet ist es jetzt ein Kreis.

Android 5.0
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Auch technisch gibt es bei Android 5.0 Neuerungen. So lassen sich jetzt Nachrichten und andere Inhalte auch auf dem gesperrten Display anzeigen. Eine weitere Option ist die Möglichkeit, nur einzelne Apps durch "Anpinnen" für andere Nutzer des Smartphones in einem "Gast-Modus" freizugeben. So kann das Handy auch mal dem Ehepartner/-in oder dem Freund/-in in die Hand gedrückt werden, ohne dass er gleich Zugriff auf sämtliche Daten erhält. Auch ein Energiesparmodus wurde in das neue Android integriert und muss nicht mehr über zusätzliche Apps nachgerüstet werden. Laut Hersteller lässt sich dadurch die Laufzeit um bis zu 90 Minuten verlängern. Im Test sind es jedoch einige Minuten weniger.

Gute Hauptkamera, dürftige Frontkamera

Die Hauptkamera des Google Nexus 6 verfügt über 13 Megapixel. Zudem gibt es einen Dual-LED-Blitz und einen eingebauten optischen Bildstabilisator. Dieser sorgt dafür, dass auch noch bei schlechten Lichtbedingungen gute Aufnahmen gelingen, die deutlich besser sind als bei Smartphones ohne optischen Bildstabilisator. Insgesamt bieten die Bilder eine tolle Schärfe und wenig Bildrauschen. Auch die Farbdarstellung ist angenehm realitätsnah und nicht überzeichnet. Mit der Kamera lassen sich auch erstaunlich gute Videos aufnehmen. Ob in Full HD oder sogar UHD-Auflösung, die Filme sind flüssig und scharf. Auch der Ton ist laut genug und wenig blechern - keine Selbstverständlichkeit bei Smartphone-Filmaufnahmen.

Für Selfie-Fans etwas enttäuschend ist dagegen, dass Google dem Nexus 6 eine Frontkamera mit nur zwei Megapixeln spendiert hat. Hier bieten andere Hersteller der Oberklasse zum Teil mehr an - etwa Samsung mit seinem Galaxy Note 4. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Selbstporträts machen möchten, um diese in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, kann dies durchaus ein Kaufkriterium für manch einen Nutzer sein.

Voll überzeugen können hingegen die Audioeigenschaften des Google Nexus 6. Die vom HTC One schon länger bekannten Frontlautsprecher sorgen für kräftigen Sound und gute Bässe.

Mittelmäßige Laufzeit

Ein ausschlaggebendes Kriterium für viele Smartphone-Käufer - insbesondere Geschäftsleute - sind die Akkulaufzeiten. Mit einer Leistung von 3.220 mAh macht das Google Nexus 6 auf dem Datenblatt eine gute Figur. Allerdings ist zu bedenken, dass der extrem große und scharfe Display einiges an Energie frisst. So muss das Google Nexus 6 bei einer starken Beanspruchung nach einem Tag wieder an die Steckdose. Sparsame Smartphone-Nutzer können auch über zwei Arbeitstage mit einer Akkuladung auskommen.

Erfreulich ist jedoch, dass das Google Nexus dank seiner Schnellladefunktion nach schon gut einer Stunde wieder voll einsatzbereit ist. Auch kabelloses Laden wird vom Google Nexus unterstützt, allerdings dauert hier der Ladevorgang natürlich länger.

Das Ausstattungspaket des Nexus 6 kann sich auch ansonsten in der Oberklasse sehen lassen. LTE ist an Bord, Bluetooth 4.1 wird unterstützt und das Gehäuse ist wasserdicht. Die Speicherkapazität beträgt bei der günstigeren Variante 32 Gigabyte und bei dem 50 Euro teureren Modell 64 Gigabyte.

Fazit

Insgesamt betrachtet ist das Google Nexus 6 ein technisch starkes und gut verarbeitetes Smartphone, das jedoch nicht besonders gegenüber seinen Wettbewerbern heraussticht. Fans der Vorgänger-Modelle könnte der zwar faire aber doch hohe Preis von über 600 Euro abschrecken. Wer so viel Geld für ein Smartphone investieren möchte, kann auch schon den Kauf eines iPhone 6 oder Samsung Galaxy Note 4 in Betracht ziehen.

Google Nexus 6 im Überblick  
 
Design  
 
 
Gewicht und Maße  
 
 
Leistung  
 
 
Kamera  
 
 
Betriebssystem  
 
 

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