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Leibniz-Ring 2015 Goldschmiedemeisterin fertigt Ehrenring für Peter Maffay

Goldschmiedemeisterin Petra Marklein-Paas aus Hannover hat sich im Wettbewerb zur Gestaltung des Leibniz-Rings 2015 durchsetzen können. Anfang Juli wurde die Auszeichnung an Rock-Legende Peter Maffay verliehen. Sein Leben diente der Goldschmiedin als Inspiration.

Es ist der 23. Juni 2015, als im Juweliergeschäft „Schmuck & Zeit“ in Hannover-Misburg das Telefon klingelt. Eine unbekannte Nummer wird angezeigt. Petra Marklein-Paas, Goldschmiedemeisterin und Inhaberin des Geschäfts, hebt ab. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Jürgen Köster, Vorsitzender des "Presse Clubs Hannover". Das kann nur eins bedeuten, dachte sich Marklein-Paas: Der Sieg im bundesweiten Gestaltungswettbewerb zum Leibniz-Ring 2015. Ihre Vermutung war richtig. Sie hatte sich gegen 20 Mitbewerber durchgesetzt.

Schon vor zwei Jahren hatte Marklein-Paas den Wettbewerb gewonnen. Trotzdem holte sie die Nachricht erneut von den Beinen. "Mir zitterten die Knie und ich musste ich mich erstmal hinsetzen", erzählt sie. Dann kullerten die Tränen. Wenig später perlte der Sekt, "denn meine Auszubildende hatte sofort eine Flasche aufgemacht, um mit mir anzustoßen." Auf Facebook schrieb sie: "Geschafft! Ich hab gewonnen!!!!!!".

Fordernde Aufgabenstellung

Beim Wettbewerb wurde die Aufgabe gestellt, einen Ring zu gestalten, der zugleich die Persönlichkeit des Preisträgers sowie seine herausragende Leistung hervorhebt. Zudem sollte ein Bezug zum Namensgeber Leibniz herstellt werden. Tragbar sollte der Ring natürlich auch sein. Nach Auffassung der fünfköpfigen Jury hatte in diesem Jahr Petra Marklein-Paas diese Vorgaben am besten Umgesetzt. In der Begründung bescheinigten sie ihr, der Ring sei „handwerklich und gestalterisch perfekt gefertigt“. Bei dessen Präsentation im Presse Club zeigte sich Marklein-Paas dann auch im wahrsten Sinne des Wortes als strahlende Siegerin.

Der Leibniz-Ring-Hannover, wie die Auszeichnung offiziell heißt, wird seit 1997 verliehen und ist eine Ehrung für Persönlichkeiten oder Institutionen, "die durch eine herausragende Leistung auf sich aufmerksam gemacht oder durch ihr Lebenswerk ein besonderes Zeichen gesetzt haben". Sie wird jedes Jahr verliehen und soll an den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) erinnern, der seit 1676 in Hannover gelebt und gewirkt hatte. Peter Maffay ist bereits der 18. Preisträger.

Jeder Ausgezeichnete erhält traditionell einen individuell auf ihn zugeschnittenen Ring. Das jeweilige Exemplar wird traditionell im Rahmen eines Goldschmiedewettbewerbs gekürt. Dieser gilt als der höchstdotierte Wettbewerb für Goldschmiede in Deutschland. Das vom Presse Club und der Goldschmiedeinnung Hannover ausgelobte Preisgeld für den Sieger beträgt 3.500 Euro.

Intensiv mit Maffay befasst

Anfang Februar stand fest, dass Peter Maffay der diesjährige Preisträger sein würde. Im März startete der Wettbewerb, Abgabetermin war Ende Mai. Es wurde eine spannende Zeit. „Peter Maffay und ‚sein’ Ring waren drei Monate lang omnipräsent“, erzählt Marklein-Paas. Mit dem Musiker habe sie zunächst nicht viel am Hut gehabt, gesteht sie. Für den Ring habe sie sich dann intensiv mit der Person Maffay beschäftigt und sei ganz überrascht gewesen, „wie vielseitig er ist, was er alles macht oder gemacht hat und wofür er sich engagiert. Wie er lebt und arbeitet hat mich fasziniert. Und ich musste mir eingestehen ‚Du hast ihn ganz schön verkannt’.“

Ihr Bild vom Menschen Peter Maffay habe sich total verändert. Besonders beeindruckt hat sie sein soziales Engagement, wie er seine Popularität nutzt, um benachteiligten Menschen eine Stimme zu geben und auch, „dass er um sich selbst so wenig Aufhebens macht“.

Siegerring Marklein-Paas

Brücke, Herz und Tabaluga

Auf der Außenseite des Rings hat Marklein-Paas daher einige seiner Charakteristika als Symbole abgebildet. In Anspielung auf zwei seiner größten Hits findet sich dort eine Sonne und eine Brücke. Ein Herz steht für sein soziales Engagement und auch der kleine Drache Tabaluga durfte nicht fehlen. Ein Totenkopf soll das Rocker-Leben symbolisieren.

Auf der Außenseite gibt ein Fenster – der Ring ist in sich drehbar – den Blick auf jeweils eines der insgesamt acht Symbole frei. Auch im echten Leben seien schließlich nicht alle Facetten einer Persönlichkeit gleichzeitig sichtbar, erklärt die 49-Jährige. Der Bezug zu Leibniz findet sich auf der Innenseite. Bei ihren Recherchen war sie auf das Zitat „Omnia ad unum“ gestoßen, zu Deutsch: „Alles (bezieht sich) auf das Eine“ bzw. „Alles in einem“. Das passe doch perfekt zu Peter Maffay, fand sie.

Die Idee dazu, wie der Ring aussehen soll, sei im Kopf entstanden, erzählt sie. Die reine Bauzeit habe knapp drei Wochen betragen. Verwendet hat die Goldschmiedin, darauf legt Marklein-Paas großen Wert, nur Öko-Gold und Öko-Silber. Ein schwarzer und ein weißer Brillant einerseits, Nieten die die Einfassungen mit dem eigentlichen Ring verbinden anderseits verhalfen zu dem angestrebten „Spagat zwischen einer hochwertigen, einzigartigen Optik und dem typischen ‚Rocker’-Ring“. Gefertigt hat sie das immerhin 55 Gramm wiegende Meisterstück ganz klassisch per Hand „mit Diffusionsfugen nach alter Goldschmiedetradition gelötet“.

Schmuck als Unterstreichung der Persönlichkeit

Den Sieg im Wettbewerb empfindet sie als Bestätigung, „dass man bei der Berufswahl nicht alles falsch gemacht hat“. Auch wenn die Arbeit an einem Leibniz-Ring bisweilen so komplex sei, dass es einen schon an den Rand des meisterlichen Könnens treibe, sei es für einen Goldschmied toll, so einen Ring zu bauen. Man käme „zu den Wurzeln zurück“. Schmuck diene ja von jeher dazu, die Persönlichkeit zu unterstreichen. Ein so maßgeschneidertes Schmuckstück wie der Leibniz-Ring sei daher eine ganz besondere Herausforderung, vor allem aber auch eine persönliche Bereicherung – „man nimmt was für das eigene Leben mit.“

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