Panorama -

Restauration von James-Bond-Film Goldfinger: So scharf wie nie zuvor

Das Restaurieren von alten Filmen ist echte Handarbeit. Das zeigt auch das Beispiel "Goldfinger" bei der diesjährigen Berlinale. Wie der James-Bond-Klassiker aufpoliert wurde.

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Erstrahlen nach der Restauration von "Goldfinger" in neuem Glanz: Geheimagent James Bond (Sean Connery) und seine mit Gold überzogene Geliebte Jill Masterson (Shirley Eaton). -

Kann man aus einem sehr guten Film einen noch besseren machen? Man kann – zumindest dann, wenn Restauratoren Hand an alte Hollywood-Klassiker legen und sich nicht wieder irgendein Regisseur an einem überflüssigen Remake versucht. In den vergangenen Jahren wurden viele Meilensteine des Kinos für den heutigen DVD- und Blu-Ray-Markt digital überarbeitet: So wie Denkmäler oder Kirchen über Jahre der Witterung Tribut zollen müssen und von Handwerkern wieder in Schuss gebracht werden, erstrahlen auch zeitlose Werke wie Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" oder Francis Ford Coppolas Mafia-Epos "Der Pate" mittlerweile in neuem Glanz.

Der Großteil der Arbeit wird zwar am Computer erledigt, geschieht aber nicht durch automatisierte Verfahren, sondern von Hand – und Restauratoren aus dem Handwerk wissen nur zu gut, wie viele Details für das gewünschte Ergebnis beachtet werden müssen. Das gilt auch für den berühmten James Bond-Film "Goldfinger", dessen aufpolierte 4k-Fassung bei der Berlinale 2015 ihre Weltpremiere feierte.

Ein Oscar-Preisträger als Stargast

"Ein spektakulärer Film – und eine spektakuläre Restauration", begrüßte der Moderator die Gäste bei der Berlinale im ausverkauften Kinosaal – in einer allerdings eher abgelegenen Location, die einem Klassiker wie "Goldfinger" eigentlich gar nicht gerecht wird. Während Hollywood-Stars wie Christian Bale, Natalie Portman oder Robert Pattinson im Blitzlicht-Gewitter über den roten Teppich am Potsdamer Platz flanierten, wurde dem 94-jährigen Stargast und Szenenbildner Ken Adam, der in den 60er Jahren mit Regisseur Guy Hamilton an "Goldfinger" arbeitete, bei der Premiere des restaurierten 007-Films im Haus der Berliner Festspiele relativ wenig Rummel zuteil. Für die "Wirtschaftsmacht von nebenan" gilt bei der Berlinale das Gleiche: Auf der großen Leinwand sind in diesem Jahr nicht etwa Handwerker, sondern zum Beispiel redselige Taxifahrer ("Taxi"), ergraute Detektive ("Mr. Holmes") oder abgehalfterte Drehbuchautoren ("Knight Of Cups") die Helden.

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Kein Platz in der Filmwelt also für das Handwerk? Ein bisschen schon, wenn auch eher im übertragenen Sinne. Denn auch die aufwändige Restauration von "Goldfinger" war echte Handarbeit. Dabei kamen sogenannte "Filmabtaster" zum Einsatz, mit denen die alten 35mm-Zelluloidbilder digitalisiert und in entsprechenden Computerprogrammen bearbeitet wurden. Der Film dauert stolze 110 Minuten, jede Minute besteht aus 60 Sekunden, und jede Filmsekunde aus 24 einzelnen Bildern: Man kann sich vorstellen, wie viel Präzisionsarbeit die Restauratoren der US-amerikanischen Firma Lowry Digital leisten mussten, um über 150.000 Einzelbilder zu retuschieren. Unscharfe Kanten wurden geglättet, ausgeblichene Farben aufgefrischt und störende Kratzer oder Flecken der in die Jahre gekommenen analogen Vorlage entfernt.

Mehr Details dank digitaler 4k-Auflösung

Gewissermaßen ist aber auch Szenenbildner Ken Adam, der in den 70er und 90er Jahren zwei Oscars gewann, ein Handwerker: Als Baumeister spektakulärer Filmkulissen wie dem nachgebauten Fort Knox in "Goldfinger" oder dem fiktiven War Room aus Stanley Kubricks "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" hat der Deutsch-Brite Filmgeschichte geschrieben und trug über Jahrzehnte entscheidend zum bahnbrechenden Erfolg der 007-Reihe bei. Auch seine Kulissen für "Goldfinger" erstrahlen in der neuen 4k-Auflösung (also 4096 × 2304 Pixeln) so scharf wie nie zuvor und buchstäblich in neuem Glanz: Nie leuchtete das mit tödlicher Goldfarbe überzogene "Bond-Girl" Shirley Eaton so intensiv, nie konnte man Sean Connerys Bartstoppeln oder die Fasern von Gert Fröbes senfgelber Golf-Jacke auf der Leinwand einzeln zählen.

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Kritiker monieren, die Restauration und Umwandlung in hochaufgelöste digitale Formate beraube die "alten Schinken" ihres ursprünglichen Charmes – das ist zwar nicht ganz von der Hand zu weisen, aber so fremd wie zum Beispiel die überarbeitete "Star Wars"-Trilogie aus den 90er Jahren fühlt sich das Ergebnis nicht an. Wer dem legendären Duell zwischen James Bond und Auric Goldfinger allerdings noch nie viel abgewinnen konnte, wird auch mit dem aufpolierten 007-Film keinen Spaß haben – und das nicht nur, weil dem Zuschauer dank der Präzisionsarbeit der Restauratoren nun auch die winzigen Risse im Make-Up der Schauspieler nicht mehr verborgen bleiben.

Weitere Informationen zum diesjährigen Programm der Berlinale finden Sie unter: www.berlinale.de

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