Finanzen + Geld -

Bierinvestment Goldener Gerstensaft: Eignet sich Bier als Geldanlage?

Eine Maß ist bei den großen Volksfesten im Herbst eine der gefragtesten Waren überhaupt. Aber eignet sich Bier auch als Investment? Das sollten Anleger beim Sparen in Wasser, Malz und Hopfen beachten.

Ooans, zwoa, gsuffa: 7,5 Millionen Maß Bier wurden in diesem Jahr allein beim Münchner Oktoberfest getrunken. Und nicht nur zu Zeiten von Wiesen und Wasen ist der Gerstensaft ein echtes Trendgetränk: Laut dem Deutschen Brauer-Bund hat sich die Zahl der Biermarken in den letzten Jahren auf rund 6.000 deutlich erhöht und jede Woche kommt im Schnitt eine neue dazu. Besonders blüht die Hopfenszene im Bereich der Craft-Biere, quasi in Handarbeit hergestellter Edelgerstensaft zu entsprechenden Preisen. Das klingt nach einem guten Geschäft, das für private Anleger attraktiv sein könnte. Aber sind Bierinvestments in Zeiten von Magerzinsen und anziehender Inflation wirklich eine Alternative zu den Sparangeboten von Banken und Versicherungen?

Vermögensmix eignet sich besser bei Bierinvestments

"Grundsätzlich ist es in so einer Situation eine gute Idee, auf die Grundbedürfnisse der Menschen zu setzen, also Themen wie Gesundheit, Essen und eben auch Trinken", sagt Karl-Heinz Geiger, Geschäftsführer der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Denn hier wird immer Geld ausgegeben, egal wie die konjunkturelle Lage oder die Inflationsrate ist "und Bier zählt nicht nur in Bayern für viele Menschen zu den Grundbedürfnissen", fügt der Anlagefachmann hinzu. Allerdings sollte das Bierthema ganz nüchtern in einen ausgewogenen Vermögensmix integriert werden, etwa über eine geringe Beimischung von Aktien der Marktführer.

"Große Konzerne mit globalen Absatzmärkten können sanfte Schwankungen beim Bierkonsum eher ausgleichen als kleine lokale Anbieter", rät Geiger. Denn trotz aller Biereuphorie, der pro Kopf Konsum in Deutschland ist seit Jahrzehnten rückläufig. Im letzten Jahr lag er mit 104 Litern mehr als 40 Maß unter den Werten aus den 1980ern. Weltweit stieg 2017 der Ausstoß von Bier laut Barth-Branchenbericht zwar leicht auf insgesamt 1,95 Milliarden Hektoliter, hierzulande wurden jedoch 1,9 Millionen Hektoliter weniger gebraut.

Wachstumschancen sieht die Branche insbesondere im Craft Bier-Segment und hier haben gerade regionale Anbieter oft die gehaltsvollsten Ideen. "Es gibt für Investoren durchaus interessante kleinere Brauhäuser, die zum Beispiel einen etablierten Absatzmarkt und wertvollen Immobilienbesitz bieten", weiß der Experte der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. Aber Anleger sollten hier besonders auf eine gute Grundlage achten und sich nur von Fakten berauschen lassen. Gerade bei Aktien, Anleihen und Crowdinvestments weniger etablierter Firmen müssen die Anlagebedingungen und die Geschäftsentwicklung umfassend analysiert werden. Bleiben hier Fragen offen, lieber abstinent bleiben!

Bier-Aktien im Überblick

Internationale Bier-Aktien Name

WKN/ ISIN Bierausstoß 2017 in Mio-Hektoliter
Anheuser-Busch InBev A2ASUV/ BE0974293251 612,5
Heineken A0CA0G/ NL0000009165 218,0
China Resources 884684/ HK0291001490 126,0
Carslberg 861061/ DK0010181759 113,4
Tsingtao A0M4ZB/ CNE1000004K1 78,0

Quelle: Barth-Bericht 2018

Fünf lokale Bier-Aktien

Beim Aktienhandel mit Papieren kleiner Brauereien ist unbedingt zu beachten, dass es oft nur sehr wenige Kauf- und Verkaufs-Angebote gibt. Deswegen müssen Aufträge unbedingt mit Preisgrenzen, sogenannten Limits, gegeben werden und es kann nicht garantiert werden, dass Käufe oder Verkäufe zustande kommen.

Name WKN/ ISIN
Allgäuer Brauhaus 503550/ DE0005035505
Aktienbrauerei Kaufbeuren 501300/ DE0005013007
Kulmbacher Brauerei 700700/ DE0007007007
Einbecker Brauhaus 605800/ DE0006058001
Moninger Holding 524730/ DE0005247308

Bierinvestment: Großbrauereien bevorzugt

"Wer in kleinere, regionale Anbieter investiert muss eigene Expertise mitbringen", meint auch Michael Werthmann, Berater bei der AnCeKa Vermögensberatungs AG aus Kaufbeuren. In erster Linie kommen für normale Anleger die Aktien großer Hersteller wie die des Marktführer Anheuser-Busch InBev in Frage. Der Konzern steht zum Beispiel hinter deutschen Marken wie Beck’s, Diebels oder Löwenbräu und hatte 2017 einen globalen Anteil von 31,4 Prozent an der Bierproduktion.

Alternativ bringen Heineken aus den Niederlanden oder Carlsberg aus Dänemark Bier unter anderem der bekannten Marken Desperados oder Astra ins Depot. Oder ein Unternehmen aus dem inzwischen größten Bierland der Welt: China. Dort wird mehr als viermal soviel gebraut wie in Deutschland. Aktien von Tsingtao oder China Resources Beer bieten Beteiligungen am wahrscheinlich entscheidenden Zukunftsmarkt für das gehopfte Getränk. Mit Bier-Aktien aber das ganze Depot voll zu machen, ist eher keine gute Idee. Michael Werthmann von der AnCeKa Vermögensberatungs AG empfiehlt, zur Risikostreuung maximal drei Prozent des Gesamtvermögens so zu investieren. Zuviel ist weder beim Biertrinken noch beim Investieren gesund.

Bier als Investment: "Diversifizierung ist noch immer die beste Strategie"

Michael Werthmann, Berater bei der AnCeKa Vermögensberatungs AG aus Kaufbeuren, erklärt, warum Bier im Depot zu viel werden kann und maßhalten bei der Geldanlage Risiken reduzieren hilft.

DHZ: Welchen Anteil sollte ein einzelnes Thema wie Bier an meinem Gesamtvermögen maximal haben?

Werthmann: Um nicht branchenspezifische Risiken für das Gesamtvermögen überzubetonen empfiehlt es sich, ein Einzelthema wie Bier mit maximal drei Prozent in einem Portfolio zu gewichten. Dabei macht es Sinn, nicht nur auf ein Unternehmen zu setzen, das zum Beispiel in China fokussiert ist, sondern den Anteil auf mehrere zu verteilen.

DHZ: Warum ist es so wichtig, auf regionale Streuung und verschiedene Währungsräume zu achten?

Werthmann: Durch eine breite Diversifizierung werden die Gefahren von Einzelrisiken gestreut. Die Wertentwicklung ist zum Beispiel nicht nur vom Managementerfolg oder -misserfolg eines Unternehmens abhängig. Es sollte zudem darauf geachtet werden, zum Beispiel mehrere Regionen, Währungsräume und letztendlich möglichst unabhängige Anlageklassen zu mischen. Läuft es in einem Bereich mal nicht so gut, ist dann nicht gleich das ganze Vermögen gefährdet.

DHZ: Schützt Diversifikation wirklich noch zuverlässig vor hohen Wertschwankungen, zuletzt ging es gerne mal überall bergab?

Werthmann: Nicht alle Eier in einen Korb zu legen ist noch immer die beste Strategie, obwohl dadurch nicht alle Wertschwankungen verhindert werden können. Wer auf verschiedene Regionen, Branchen, Währungen setzt und Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Edelmetalle oder andere Sachwerte mischt, wird wohl nie das ganze Vermögen aufs Spiel setzen. Um Kapital langfristig zu erhalten, ist Diversifikation praktisch alternativlos.

DHZ: Ist es besser, auf etablierte Großkonzerne oder aufstrebende Kleinbrauer zu setzen?

Werthmann:  In erster Linie kommen hier für normale Anleger die Aktien großen Hersteller wie Anheuser-Busch InBev, Heineken oder China Resources Beer in Frage. Hier entspricht der Zugang zu den Geschäftszahlen internationalen Standards und die Unternehmensgröße sollte Nachfrageschwankungen in lokalen Märkten abfedern. Wer in kleinere, regionale Anbieter investiert, muss eigene Expertise mitbringen.

DHZ: Was sollten Anleger beachten, wenn sie sich doch an lokalen Unternehmen wie Brauereien über Aktien, Anleihen oder Crowdinvestments beteiligen?

Werthmann: Anders als bei international gehandelten Unternehmenspapieren ist der Markt für Aktien oder Anleihen kleiner Emittenten in der Regel sehr eng. Deswegen kann es schwierig sein, einmal gekaufte Papiere wieder angemessen zu verkaufen. Wer sich nicht nur aus Liebhaberei an der eher regional ausgerichteten Wirtschaft beteiligen möchte, muss genau die Bedingungen des Investments abklären. Etwa wie über die Geschäftsentwicklung informiert wird oder in welcher Form es Gewinnbeteiligungen für die Anleger gibt.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten