Steuertipps -

Prüfung durch das Finanzamt GmbH-Gesellschafter: Risiko verdeckte Gewinnausschüttung

GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer stehen steuerlich unter Beobachtung durch die Sachbearbeiter und Prüfer der Finanzämter. Es wird laufend geprüft, ob das zu versteuernde Einkommen der GmbH aufgrund des Gesellschaftsverhältnisses nicht unangemessen bzw. fremdunüblich gemindert wird. Stellt das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung fest, hat das steuerliche Konsequenzen.

Verdeckte Gewinnausschüttung bei Nichtverzinsung des Gesellschafter-Verrechnungskontos

Bezahlt ein GmbH-Gesellschafter über ein Verrechnungskonto der GmbH private Ausgaben, erwartet das Finanzamt, dass dieses Verrechnungskonto verzinst wird. Denn würde die GmbH einem Fremden Geld leihen, damit er seine privaten Ausgaben bezahlen kann, würde er sich auch Zinsen dafür berechnen. Ist das Gesellschafter-Verrechnungskonto also unverzinslich, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe der Nichtverzinsung vor, weil es aus gesellschaftsrechtlichen Gründen zu einer verhinderten Vermögensmehrung bei der GmbH kommt.

Folge der verdeckten Gewinnausschüttung bei der GmbH

Bei der GmbH führt die verdeckte Gewinnausschüttung zu einer außerbilanzmäßigen Zurechnung zum zu versteuernden Einkommen nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG in Höhe der nicht berechneten Zinsen. Das hat höhere Körperschaft- und Gewerbesteuerzahlungen zur Folge.

Folge der verdeckten Gewinnausschüttung beim Gesellschafter

Beim Gesellschafter führt die verdeckte Gewinnausschüttung zum Zufluss von Kapitalerträgen, für die die 25-prozentigen Abgeltungsteuer fällig wird.

Höhe der Verzinsung

Bei der Höhe der Verzinsung des Gesellschafter-Verrechnungskontos sind sich Gesellschafter und Prüfer des Finanzamts meist uneinig. Hier hilft ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Schleswig-Holstein vom 28. Mai 2000 (Az. 1 K 67/17). Die Richter schlugen vor, die banküblichen Habenzinsen als Untergrenze und die banküblichen Sollzinsen als Obergrenze der verhinderten Vermögensmehrung heranzuziehen. Der angemessene Zins liegt irgendwo in der Mitte dieser Marge.

Praxis-Tipp: Ist ein Gesellschafter-Geschäftsführer mit der Ermittlung des fremdüblichen Zinssatzes nach dieser Methode nicht einverstanden, sollte er beim Finanzamt gegen nachteilige Bescheide Einspruch einlegen und ein Ruhen des Einspruchsverfahren beantragen. Denn das letzte Wort in dieser Streitfrage zur Ermittlung fremdüblicher Zinsen hat nun der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren (BFH, Az. I R 27/20).

Kostenübernahme der GmbH für Familienurlaub des GmbH-Gesellschafters

Zu einer verdeckten Gewinnausschüttung kommt es auch dann, wenn die GmbH die Kosten für eine Urlaubsreise des GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführers mit seiner Familie übernimmt. Hier liegt eine Vermögensminderung bei der GmbH vor, die ihre Veranlassung im Gesellschaftsverhältnis hat (FG Nürnberg, Urteil v. 13.10.2020, Az. 1 K 1065/19).

Das gilt selbst dann, wenn die Übernahme der Kosten damit begründet wird, dass diese aufgrund der Belastung des Geschäftsführers im vergangenen Geschäftsjahr erfolgt. Eine solche Kostenübernahme ist immer dann als verdeckte Gewinnausschüttung einzustufen, wenn die GmbH einem Fremden diese Kostenübernahme nicht gewährt hätte.

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