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Stuckateur bei der WM in Kasan "Gleich am Anfang ging irgendwie alles schief"

In 56 verschiedenen Kategorien wurde um Medaillen gekämpft. Die Sieger sind gekürt. Die Teilnehmer wieder zurück zu Hause in über 63 Nationen. Die WorldSkills, die Weltmeisterschaften der Berufe, haben im August im russischen Kasan stattgefunden. Was bleibt, sind interessante Erfahrungen und schöne Erinnerungen. Auch bei Stuckateur Tobias Schmider.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets WorldSkills - Weltmeisterschaft der Berufe

Sechs Tage lang hat Gastgeber Russland mit mehr als 1.350 Teilnehmern aus aller Welt ein kunterbuntes WM-Fest gefeiert. 250.000 Besucher sahen den jungen Leuten in den Messehallen beim Schwitzen zu. Es gab spannende Wettbewerbe, glänzende Medaillen, beeindruckende Feuerwerke und glitzernde Musikshows. Mit dabei war auch Stuckateur Tobias Schmider aus Windelsbach bei Rothenburg ob der Tauber. Der Mittelfranke holte den siebten Platz, bekam eine "Medallion for Excellence" und – das findet er eigentlich am allerbesten – er bringt jede Menge Erfahrung mit nach Hause.

Mehr erhofft

So ganz glücklich war Tobias Schmider anfangs nicht mit seinem siebten Platz – er hatte sich mehr erhofft. Auch sein Trainer Josef Gruber, Ausbildungsmeister bei der Handwerkskammer für Mittelfranken und Jurymitglied bei den WorldSkills, hätte ihm einen Podestplatz zugetraut. Schließlich hatten beide monatelang für den Wettkampf trainiert und sehr viel Zeit und Herzblut investiert. Auch Vater Peter Schmider, selbst Stuckateur­meister, unterstützte seinen Jungen, wo er konnte.

Doch leider war das Glück zumindest am ersten der vier Wettkampftage nicht unbedingt auf der Seite des Westmittelfranken. "Gleich am Anfang ging irgendwie alles schief", erzählt er ein bisschen traurig, "das war schade." Wie ein roter Faden zog sich der holprige Anfang durch den weiteren Wettbewerb. Allerdings steigerte er sich mit jedem Wettkampftag, das bestätigt auch Trainer Josef Gruber. "Wenn die Fehler am Anfang nicht passiert wären, hätte ich weiter vorne mitgespielt", ist Schmider überzeugt.

Deswegen ist er jetzt trotzdem zufrieden mit seiner Leistung und glücklich, in Kasan dabei gewesen zu sein. Die Stuckateure mussten eine sehr aufwändige Trockenbaukonstruktion mit Stuck und Putz sowie einem sogenannten Freestyle-Element erstellen. Schnelles, präzises Arbeiten war gefordert.

Kräftig aufgeholt

Auch wenn’s anfangs nicht rund lief, kämpfte Tobias Schmider tapfer weiter und holte noch kräftig auf. Besonders stolz ist er auf sein Freestyle-Element: Seine aus Stuck gefertigte Turmspitze der Kul-Scharif-Moschee in Kasan kam sehr gut bei der internationalen Jury an. Am Ende erzielte er über 700 Punkte und gewann eine "Medallion for Excellence" für hervorragende Leistungen.

“Ich habe wahnsinnig viel gelernt“

"Ich habe wahnsinnig viel gelernt", sagt er. Wie man Druck aushält und trotzdem einen kühlen Kopf bewahrt, zum Beispiel. "Und ich habe gelernt, mich für andere so richtig von Herzen zu freuen." Das freut übrigens auch seinen Vater: "Ich war ganz erstaunt, wie er mit seiner Enttäuschung umgegangen ist", sagt Peter Schmider. Und in einem sind sich beide sicher: Die gleichen Fehler passieren bestimmt kein zweites Mal. Josef Gruber ist ebenfalls sehr angetan von der Zeit in Russland. "Es war sehr anstrengend, aber super schön", findet er. Die Ergebnisse in Kasan sieht er positiv: "Bei der letzten WM in Abu Dhabi 2017 waren wir auf Platz 14, jetzt auf dem siebten – wenn wir uns 2021 in Shanghai weiterhin so steigern, spielen wir vorne mit", glaubt er. Er ist stolz auf "seinen" Tobias.

Wieder zu Hause greift der nun gleich den Meisterkurs an. Im April will er fertig sein. Mit seinen Nationalteam-Kollegen wird er zudem auch weiterhin als Botschafter für das Stuckateurhandwerk unterwegs sein. Und einen Weltrekordversuch starten: Am Freitag, 13. September, wollen Deutschlands beste Nachwuchsstuckateure in Berlin mit dem längsten Stuckstab der Welt (105 Meter) ins Guinness-Buch der Rekorde. Viel Glück!

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