Chemnitz -

Schnelles Internet Glasfaser auf eigene Faust

Selbst ist der Mann: Galvaniseurmeister Hardy Kotsch aus Schneeberg hat sein Unternehmen auf eigene Initiative ans schnelle Internet angeschlossen.

Als die ersten Kunden verärgert waren, wusste Hardy Kotsch, dass er reagieren muss: Kotsch, Inhaber eines Metallveredelungsbetriebs in Schneeberg, arbeitet für internationale Kunden, galvanisiert Teile für namhafte Fahrzeughersteller, versendet und empfängt übers Internet Konstruktionspläne und Wartungsdaten. Wenn das Netz es denn zulässt. Mehr als zehn Megabyte große Anhänge konnten seine Kunden und er bislang nicht austauschen. Fernwartung oder gar die Installation von Updates für seine computerbasierte Fertigung – eine fast unlösbare oder zumindest enorm zeitraubende Aufgabe.

Kotsch, der das 1945 als klassischer Galvanisierbetrieb gegründete Unternehmen in dritter Generation führt, brauchte Abhilfe. Er setzte zunächst auf den Mobilfunkstandard LTE und baute mit seinen Mitarbeitern Richtfunkantennen auf. Nach drei Tagen, sagt der Galvaniseurmeister, war das Datenvolumen aufgebraucht.

Kotschs einziger Ausweg blieb es schließlich, sich auf eigene Faust und ohne Fördermittel darum zu kümmern, dass ein Glasfaserkabel durchs Gewerbegebiet bis zu seinem Firmengelände verlegt wird. Im regionalen Anbieter Enviatel fand er einen Partner, der inzwischen außer dem Metallveredler fünf weitere Kunden im Gewerbegebiet versorgt, deren Geschäftsmodelle ebenfalls von einer stabilen und schnellen Netzverbindung abhängig sind. Nach Angaben von Enviatel können die Kunden Übertragungsraten von 100 Megabit je Sekunde nutzen, die kurzfristig sogar auf zehn Gigabit erweitert werden können.

Seitdem in seinem Unternehmen schnelles Internet verfügbar ist, sagt Firmenchef Kotsch, habe er neue Dienstleistungen im Angebot, könne endlich mit Cloud-basierten Anwendungen arbeiten und seinen Außendienst effizienter koordinieren. Zudem lasse sich seine Betriebsstätte in den Zeiten, in denen niemand anwesend ist, per Video überwachen, und mithilfe von Fernwartung seiner Anlage mit Echtzeitdaten habe er teure Maschinenausfallzeiten reduzieren können.

Klingt so, als wäre für Hardy Kotsch jetzt alles gut. Jedoch: Dass die schnelle Internetverbindung keine Selbstverständlichkeit, sondern nach wie vor eine Ausnahme ist, spürt Kotsch am Preis. 400 Euro monatlich kostet ihn der Anschluss, sagt er. In den Regionen indes, wo das schnelle Internet auf sich warten lässt, läuft dem Handwerk die Zeit davon.

Ein Gutteil der Geschäftsprozesse, weiß Sören Ruppik, Hauptabteilungsleiter Gewerbeförderung der Handwerkskammer Chemnitz, hängt inzwischen am Internet. Ob Kundenkontakt, der Austausch von Konstruktionsdaten oder Cloud-basierte Warenwirtschaftssysteme: Ohne schnelles Internet drohten die Betriebe abgehängt zu werden, so Ruppik.

„Den Netzausbau in Deutschland habe ich mir anders vorgestellt“, sagt Hardy Kotsch. Ginge es nach ihm, müssten Kommunen über ausreichend Fördermittel verfügen, um Versorger dafür zu gewinnen, auch in für sie unrentablen Gegenden für ausreichende Netzabdeckung zu sorgen. Die Gemeinden, sagt Kotsch, würden im Gegenzug von Gewerbeansiedlungen, Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen profitieren.

Ihre Fragen zum Thema Digitalisierung beantwortet Torsten Gerlach, Tel. 0371/ 5364-311, E-Mail: t.gerlach@hwk-chemnitz.de

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten