Südthüringen -

Wunsch nach Eigenständigkeit Glasbläserberuf erneut in Gefahr

Wieder steht der Ausbildungsberuf Glasbläser mit seinen Fachrichtungen Glasgestaltung, Christbaumschmuck und Kunstaugen vor einer Zerreißprobe. Die Kunstglasbläserinnung Thüringen und die HWK Südthüringen plädieren für die Eigenständigkeit des Berufes.

Am 29. Juli 2017 gründete der Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks in Moers eine Fachgruppe Glasapparatebauer, da sich die Gründungsmitglieder dieser Gruppe angeblich nicht mehr zufriedenstellend von ihrem ehemaligen Verband Deutscher Glasbläser e.V. vertreten sahen. Eingebunden in diese Neugründung sei von Beginn an der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin gewesen.

Außerdem stehe die Novellierung der Ausbildungsverordnung des Glasapparatebauers an. Zur Neuordnung habe es bereits Gespräche zwischen dem Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks und dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), dem Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), dem Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB), der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gegeben, in denen sich der Verband mit der Forderung behauptet habe, den Glasapparatebauer in Form eines übergeordneten Berufsbildes zu platzieren.

Glasbläser soll in Untergruppe

Danach solle es zukünftig den „Apparateglasbläser“ mit den Fachrichtungen „Apparatetechnik“ und „Glasblasen“ geben, wobei die FR Glasblasen die fünf Wahlmöglichkeiten Glaskunst, Glasauge, Christbaumschmuck, Thermometer und Leuchtröhren (falls notwendig) beinhalten könnte, informierte das ­Glaserhandwerk.

„Sollte sich diese Entwicklung so abzeichnen, wie derzeitig einseitig und öffentlich vom Glaserhandwerk publiziert, werden wir als Handwerkskammer Südthüringen die Interessen des Thüringer Glasbläserhandwerks in diesem Prozess begleitend vertreten“, erklärte Hauptgeschäftsführerin Manuela Glühmann. Unlängst fand dazu in Lauscha ein erster Meinungsaustausch mit dem amtierenden Innungsobermeister der Glasbläserinnung Thüringen, Helmut Bartholmes, und Thüringer Glasbläsern statt.

Auf der Tagesordnung standen die Stärkung der Innung als Interessenvertretung, die Beschaffung und Bewertung von belastbaren Informationen zur möglichen Neuordnung des Glasbläserberufes und die zukünftige Ausbildung von Lehrlingen in der Berufsfachschule Glas.

Kampf geht seit 1990

Begonnen hatte die unendliche Geschichte mit der deutschen Einheit 1990. Der Ausbildungsberuf Glasbläser war nicht in der Handwerksordnung der Bundesrepublik Deutschland gelistet. Damit hing die bisherige Ausbildung der Glasbläser in Ostdeutschland im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft. In Südthüringen hatten sich die Lauschaer Glasbläser und die HWK Südthüringen zu einem gemeinsamen Kampf um die Anerkennung des Berufes aufgemacht.

Am 10. Oktober 1991 gründeten rund 40 Glasbläser aus Lauscha die Innung des Glasbläser- und Glasgestalterhandwerks. Nach langem Hin und Her beschloss der Bundestag am 21. September 1994, den Glasbläserberuf bei der Novellierung der Handwerksordnung zu verankern. Danach dauerte es noch einmal vier Jahre, bis am 1. Januar 1998 die Novellierung der HwO in Kraft trat.

Überraschend fanden sich darin Glasbläser und Glasapparatebauer im Doppelpack in der Anlage A ­wieder. Seit 1991 werden in der traditionsreichen Berufsfachschule Glas in Lauscha Glasbläser deutschland- und europaweit zum „Staatlich geprüften Glasbläser“ ausgebildet.

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