Erfurt -

Gildehaus lockt als offenes Schmuckkästchen Besucher an

Mehr als 1.000 Neugierige kommen am Tag des offenen Denkmals in die Handwerkskammer

Staunende Blicke, Bewunderung und Anerkennung ob der Pracht und der Sanierungsleistungen: Das Gildehaus hatte am Tag des offenen Denkmals geöffnet und wurde vom Besucherandrang schier überrollt.

Mehr als 1.000 Besucher wurden durch die fast wieder hergestellten Räume der Häuser „Zum breiten Herd“ und „Zum Stötzel“ geführt. Mit dieser großen Resonanz hatte man in der Handwerkskammer Erfurt nicht gerechnet. Die geplante Anzahl der Führungen musste mehr als verdreifacht werden, denn zeitweise hatten sich vor dem Eingang große Trauben von Menschen gebildet, die diese Chance, einen Blick ins Gildehaus zu werfen, nutzen wollten.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Besucher unter anderem vom „Wendelstein“, der 1610 von Steinmetzen erbauten Wendeltreppe, die sich vom Erdgeschoss bis in die zweite Etage fortsetzt. Weitere Kostbarkeiten, die für staunende Blicke sorgten, waren auch die aufwändig gearbeiteten und von Holzbildhauern im vorletzten und letzten Jahrhundert verzierten Wand- und Deckenverkleidungen, die Linkrustatapete ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts sowie die acht unterschiedlichen, aber allesamt kostbaren Kachelöfen in den ehemals herrschaftlichen Gemächern und heutigen Büros der Handwerkskammer.

Nach dem Brand am 17. Juli 2008 hatten sämtliche Einbauten im Haus „Zum Stötzel“ und Teile des Hauses „Zum breiten Herd“ ausgebaut und gereinigt werden müssen. Aufgrund der starken Beschädigungen mussten teilweise die Fußböden komplett bis auf die Träger entfernt werden. Der Saal im Erdgeschoss war komplett durch Brand, Rauch und Hitze zerstört worden.

Einen Eindruck von den Verwüstungen des Brandes und den mittlerweile fortgeschrittenen Sanierungsarbeiten vermittelte eine Fotoausstellung, die eigens für diesen Tag den Besuchern präsentiert wurde. An einem 20 Meter langen Fries wurden die Sanierungsabschnitte dokumentiert sowie historische Gildehausaufnahmen gezeigt. Eindrucksvolle Detailaufnahmen der direkten Brandschäden sowie Fotografien vom Beginn der Sanierungsarbeiten vermittelten den Besuchern darüber hinaus einen Einblick in das Ausmaß des Brandes.

Da die meisten Besucher bisher vom Gildehaus lediglich die beeindruckende Fassade kannten, war die Neugierde und während des Rundgangs das Staunen entsprechend groß. Voller Anerkennung verfolgten die Gäste am Tag des offenen Denkmals den Ausführungen der Bauexperten, die die restauratorischen Arbeiten der engagierten Handwerksbetriebe erläuterten. Denn nach Abbau, Säuberung und Reparatur folgte nicht nur der Wiedereinbau der historischen Teile. Eine zentrale Lüftungsanlage, neue Elektrik und moderne Rauchmeldeanlagen wurden im Zuge der Sanierungen installiert. Und alles musste so montiert werden, dass das historische Ambiente keinen Schaden nahm.

Nach rund 15 Monaten Bauzeit werden im Laufe des Oktobers die Büros in den beiden ersten Stockwerken wieder bezogen. Das Restaurant im Erdgeschoss wird laut Planung zur Adventszeit wieder eröffnen.

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