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Steuer-1x1: Zinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen Gewerbesteuer: Was das Finanzamt hinzurechnet

Bei Betriebsprüfungen führen Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG für Zinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen zum Gewerbeertrag immer öfter zu enormen Streitigkeiten zwischen Finanzamt und Handwerksbetrieb. Ein Überblick zeigt, wer betroffen ist und mit welchen Argumenten Sie sich gegen das Finanzamt wehren können.

Gewerbegebiet
Komplizierte Gewerbesteuerberechnung: Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags müssen Zinsen, Mieten und Pachten und Lizenzen anteilig hinzugerechnet werden. -

1. Grundsätze der Hinzurechnung

Die Steuerregeln zur Hinzurechnungen zum Gewerbeertrag bei Ermittlung der Gewerbesteuer gibt es bereits seit 2008. Und genauso lange streiten sich Finanzamt und Gewerbetreibende um dieses Thema. Hinzugerechnet werden gewinnmindernd verbuchte Schuldzinsen , Mieten, Pachten, und Lizenzen.

Die Hinzurechnung erfolgt nur anteilig und nur, wenn ein Freibetrag von 100.000 Euro überschritten wird. Hier das Ermittlungsschema für die Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG:

  100% Schuldzinsen nach § 8 Nr. 1a GewStG ………. Euro
+ 20% Mieten, Pachten (inkl. Leasing) für bewegliche Gegenstände nach § 8 Nr. 1d GewStG ………. Euro
+ 50% Mieten, Pachten (inkl. Leasing) für unbewegliche Wirtschaftsgüter nach § 8 Nr. 1e GewStG ………. Euro
+ 25% für Lizenzen, Patente, Rechte nach § 8 Nr. 1f GewStG ………. Euro
= Zwischensumme ………. Euro
- Abzgl. Freibetrag von 100.000 Euro nach § 8 Nr. 1 GewStG ………. Euro
= Zwischensumme ………. Euro
x 25% = Hinzurechnungsbetrag ………. Euro

Praxis-Tipp: Dieses Schema verdeutlicht, dass gerade kleine Handwerksbetriebe nicht von der Hinzurechnung betroffen sind, weil schon hohe Aufwendungen für Zinsen, Mieten. Pachten und Lizenzen auflaufen müssen, um über dem Freibetrag von 100.000 Euro zu kommen.

Doch Mittelständler, die große Summen in ihren Betrieb investiert haben und den Finanzierungsaufwand fremdfinanziert haben sowie Handwerksbetriebe mit teuer angemieteten Gewerbeflächen in Großstädten überschreiten die 100.000-Euro-Höchstgrenze oftmals und müssen deshalb mehr Gewerbesteuer bezahlen.

Sitz in Gemeinde mit einem Hebesatz bis 380 Prozent

Führen Sie Ihren Handwerksbetrieb im Rahmen eines Einzelunternehmens oder im Rahmen einer Personengesellschaft und haben Ihren Sitz in einer Gemeinde mit einem Hebesatz von 380 Prozent, wirken sich die Hinzurechnungen am Ende des Jahres steuerlich nicht aus. Denn bei Einzelunternehmern und Mitunternehmern werden die Gewerbesteuerzahlungen auf die persönliche Einkommensteuerschuld angerechnet (Gewerbesteuermessbetrag x 3,8).

Es kann zwar sein, dass Sie während des Jahres wegen der Hinzurechnungen höhere Vorauszahlungen für die Gewerbesteuer an die Gemeinde leisten müssen. Doch diese finanzielle Belastung gleicht sich bei Abgabe der betreffenden Jahressteuererklärung unter den geschilderten Voraussetzungen wieder aus.

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2. Hinzurechnung nur bei Gewinnminderung

Eine Hinzurechnung von Zinsen, Mieten, Pachten und Lizenzen zum Gewerbeertrag ist nur vorzunehmen, wenn diese den Gewinn aus Gewerbebetrieb tatsächlich gemindert haben. In der Praxis sind hier zwei Sonderfälle bei bilanzierenden zu nennen, die gerne übersehen werden.

Rückstellungen für Archivierung von Geschäftsunterlagen

Das Finanzamt erlaubt, dass bilanzierende Unternehmer eine gewinnmindernde Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen bilanzieren dürfen. Da hier jedoch vor allem Ausgaben für Mieten für Räume (bei Anmietung) oder Schuldzinsen (bei Räumen im Eigentum des Betriebs) zurückgestellt werden, ist eine Hinzurechnung vorzunehmen.

Beispiel: Malermeisterin Maier bildet für die Verpflichtung zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen in der Bilanz ihres Handwerksbetriebs eine Rückstellung in Höhe von 50.000 Euro. Darin sind Mieten in Höhe von 30.000 Euro enthalten. Folge: Da eine Gewinnminderung für Mieten vorliegt, kommt es zur Hinzurechnung von 15.000 Euro (siehe Schema zu 1.; Miete 30.000 Euro x 50%).

Aktive Rechnungsabgrenzung

Werden Kosten durch eine aktive Rechnungsabgrenzung auf mehrere Jahre verteilt, ist nur der Anteil, der sich auf das jeweilige Jahr bezieht, beim Gewerbeertrag hinzuzurechnen.

Beispiel: Ein Bauunternehmer least für drei Jahre einen Kran. Zu Beginn wird eine Leasing-Sonderzahlung in Höhe von 30.000 Euro fällig. Da der Leasing-Vertrag über drei Jahre läuft, wird im Jahr 1 ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten in der Bilanz in Höhe von 20.000 Euro gebildet.

Folge: Im ersten Jahr sind damit nur 10.000 Euro der Leasing-Sonderzahlung gewinnmindernd verbucht. Somit sind auch nur 2.000 Euro hinzurechnen (siehe Schema zu 1.; Miete 10.000 Euro x 20%). Im nächsten und übernächsten Jahr passiert wieder dasselbe.

3. Aktueller Rechtsstreit: Hinzurechnungen verfassungswidrig?

Die Hinzurechnung für Zinsen, Mieten und Pachten sind in der Praxis höchst umstritten. Deshalb liegen die steuerlichen Hinzurechnungsregeln nach § 8 Nr. 1 GewStG bereits beim Bundesverfassungsgericht (Az. 1 BvL 8/12). Die Karlsruher Verfassungsrichter prüfen, ob die Hinzurechnungen verfassungswidrig sind und rückwirkend ab 2008 wieder gekippt werden.

Praxis-Tipp: Dieser Musterprozess beim Bundesverfassungsgericht hat mehrere Signalwirkungen für Sie als selbständigen Handwerker:
  • Hat sich der Gewerbeertrag wegen Zinsen, Mieten und Pachten erhöht, müssen Sie keinen Einspruch einlegen. Die Gewerbesteuermessbescheide des Finanzamts sind wegen des Musterverfahrens nach § 165 AO vorläufig.
  • Einen Einspruch müssen Sie aber gegen Steuerbescheide des Finanzamts einlegen, wenn sich der Gewerbeertrag wegen Hinzurechnung von Lizenzen erhöht hat.
  • Dieser Musterprozess führt in der Praxis spürbar zu einer größeren Kompromissbereitschaft des Prüfers. Versuchen Sie also die Hinzurechnungen durch einen Kompromissvorschlag so niedrig wie möglich zu halten.

4. Hinzurechnung von Schuldzinsen

Nach § 8 Nr. 1a GewStG sind Schuldzinsen, die beim Handwerksbetrieb vom Gewinn abgezogen werden, im ersten Schritt zu 100 Prozent hinzuzurechnen (siehe Schema zu 1.). Doch folgende Zinsen sind nicht hinzuzurechnen (gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 2.7.2012, Az. G 1422):

  • Avalgebühren und Avalzinsen für eine Ausfallgebühr
  • Geldbeschaffungskosten wie Notargebühren und Grundbuchgebühren für Eintragung einer Grundschuld
  • Depotgebühren
  • Kreditvermittlungsgebühren und Maklergebühren
  • Bereitstellungszinsen und -provisionen für nicht in Anspruch genommene Kredite
  • Zins-Swap-Gebühren, wenn damit das Zinsrisiko abgesichert werden soll und sie keine Gegenleistung für das Kapital darstellen

Praxis-Tipp: Verkaufen Sie Ihre Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft ist eine Hinzurechnung in Höhe der Differenz zwischen dem Betrag der Forderung und dem Kaufpreis der Forderung durch die Factoring-Gesellschaft vorzunehmen. Hier handelt es sich zwar nicht um Zinsen, die Hinzurechnung ist jedoch in § 8 Nr. 1a Satz 3 GewStG extra vorgeschrieben.

5. Miet- und Pachtzinsen für bewegliche Gegenstände

Mietet oder least ein Handwerksbetrieb bewegliche Gegenstände wie Autos, Nutzfahrzeuge, Einrichtungsgegenstände oder EDV-Geräte, muss er diese Aufwendungen zu 20 Prozent bei Ermittlung der Hinzurechnungen erfassen (siehe Schema zu 1.).

Praxis-Tipp: Bei Anmietung bzw. Leasing eines Pkws wird ausnahmsweise von der Hinzurechnung abgesehen, wenn Anmietung bzw. das Leasing nur kurzfristig erfolgt. Was "kurzfristig" ist, hat die Finanzverwaltung zwar offen gelassen. Doch gemeint sind die Fälle, bei denen Unternehmer oder seine Mitarbeiter sich anlässlich einer Geschäftsreise für ein paar Tage einen Pkw mieten/leasen müssen.

6. Miet- und Pachtzinsen für unbewegliche Wirtschaftsgüter

Neben den Schuldzinsen führen vor allem die Mieten für betriebliche Gebäude zu den höchsten Hinzurechnungen. Die Mieten und Pachten rechnet das Finanzamt zu 50 Prozent hinzu (siehe Schema zu 1.). Doch aufgepasst: Hinzugerechnet wird nur die Kaltmiete ohne Nebenkosten für Strom, Wasser, Gas und Heizung.

Folgende Besonderheiten zur Hinzurechnung von Mieten und Pachten für unbewegliche Wirtschaftsgüter sollten Handwerksbetriebe kennen:

  • Aufwendungen, die der Mieter oder Pächter über seine Verpflichtung nach bürgerlichem Recht (§§ 582 ff BGB) hinaus für Instandsetzung und Instandhaltung und Versicherung übernimmt, sind hinzuzurechnen.
  • Häufig vergessen Unternehmer die Hinzurechnung von Messekosten. Da hier jedoch meist zum einen die Miete für den aufgebauten Stand (beweglich, Hinzurechnung 20 Prozent) und für die Messefläche (unbeweglich, Hinzurechnung 50 Prozent) abgerechnet wird, sollte vom Messebetreiber eine Rechnung angefordert werden, die die einzelnen Mietanteile getrennt ausweist.
  • Bei kurzfristiger Anmietungen von Hotelzimmern anlässlich von Geschäftsreisen verzichtet das Finanzamt auf die Hinzurechnung der Hotelrechnungen.
  • Wer auf Litfaßsäulen oder an Plakatwänden Außenwerbungsbetreibt, muss dazu extra Flächen anmieten. Die Aufwendungen dafür sind bei dem Mieten für unbewegliche Wirtschaftsgüter dem Gewerbeertrag hinzuzurechnen.
  • Mieten für Lager sind nicht nach § 8 Nr. 1e GewStG hinzuzurechnen, wenn es sich bei dem Vertrag um einen reinen Lagervertrag handelt und nicht um einen Mietvertrag. Bei einem Lagervertrag werden meist zusätzliche Leistungen des Lagerhalters erbracht (Sicherung der Ware, wenden, lüften, etc.), die die Anmietung in den Hintergrund drängen (OFD Magdeburg, Verfügung v. 7.5.2012, Az. G 1422 – 67 – St 216).

Praxis-Tipp: Liegen gemischt genutzte Verträge vor und eine andere Leistung als die Anmietung gibt dem Vertrag das Gepräge (die andere Leistung steht also eindeutig im Vordergrund), sollten Handwerksbetriebe eine Hinzurechnung zum Gewerbeertrag ablehnen. Diese Möglichkeit eröffnet ein bundeseinheitlich veröffentlichtes Infoschreiben (gleich lautende Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 2.7.2012, Az. G 1422).

7. Aufwendungen für die Überlassung von Rechten

Werden Zahlungen für überlassene Rechte wie Lizenzen, Patente und Franchisegebühren geleistet, sind diese Zahlungen bei der Hinzurechnung zum Gewerbeertrag nach § 8 Nr. 1f GewStG mit 25 Prozent zu erfassen (siehe Schema zu 1.).

Hinzugerechnet werden auch Rechte, bei denen im Ausland verbundene Unternehmen die geschützte Rechtsposition haben und an den deutschen Handwerksbetrieb weiterbelasten.

Gewerbesteuer: Sitz der Betriebsstätte entscheidet

Ob die Gewerbesteuer letztlich zu einer finanziellen Belastung führt oder nicht, hängt davon ab, in welcher Rechtsform Sie Ihren Handwerksbetrieb betreiben und in welcher Gemeinde er seine Betriebsstätten hat. Die wichtigsten Infos rund um die Gewerbesteuer.

Wie ermittelt das Finanzamt die Gewerbesteuer?

Gleich zu Beginn sollten Sie wissen, dass das Finanzamt keine Gewerbesteuer festsetzt. Das Finanzamt ermittelt die Grundlagen – den sog. Gewerbesteuermessbetrag – und teilt diesen der Gemeinde mit, in deren Bezirk Sie eine Betriebsstätte haben. Die Gemeinde berechnet dann die Gewerbesteuer anhand ihres aktuellen Hebesatzes und schickt dem Handwerksbetrieb einen Gewerbesteuerbescheid zu.

Bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags durch das Finanzamt kommt es darauf an, ob Sie Ihren Handwerksbetrieb im Rahmen einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) oder im Rahmen einer Personenunternehmen (Einzelunternehmen, OHG, KG, GbR) betreiben.

Ermittlung des Gewerbeertrags:

      Personenunternehmen  Kapitalgesellschaft 
Gewinn aus Gewerbetrieb ………. Euro ………. Euro
+ Verschiedene Hinzurechnungen ………. Euro ………. Euro
- Verschiedene Kürzungen ………. Euro ………. Euro
= Gewerbeertrag ………. Euro ………. Euro
- Freibetrag -24.500 Euro 0 Euro
x 35% = Gewerbesteuermessbetrag ………. Euro ………. Euro

Ausgehen von diesem Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt dem Unternehmer und der Gemeinde per Steuerbescheid mitteilt, ermittelt die Gemeinde je nach Hebesatz die Gewerbesteuer und setzt diese in einem Gewerbesteuerbescheid fest.

Beispiel: Finanzamt legt für Handwerker Huber in München einen Gewerbesteuermessbetrag in Höhe von 3.200 Euro fest. Die Landeshauptstadt München (Hebesatz 490%) setzt im Gewerbesteuerbescheid deshalb eine Gewerbesteuerzahlung von 15.680 Euro fest (3.200 Euro x 490%).

Werden Vorauszahlungen fällig und wenn ja, wann?

Wie bei der Einkommensteuer und bei der Körperschaftsteuer werden auch bei der Gewerbesteuer vierteljährliche Vorauszahlungen an die Gemeinde fällig. Das Finanzamt teilt der Gemeinde der Gewerbesteuermessbetrag zum Zwecke der Vorauszahlungen fest und die Gemeinde fordert zu folgenden Terminen die Vorauszahlungen zur Gewerbesteuer:

Quartal 1  Quartal 2  Quartal 3  Quartal 4 
10. Februar 10. Mai 10 August 10. November

Praxis-Tipp: Möchten Sie eine Herabsetzung oder eine Erhöhung für die laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen beantragen, muss der Antrag beim Finanzamt eingereicht werden. Das Finanzamt teilt der Gemeinde dann einen neuen Gewerbesteuermessbetrag zum Zwecke der Vorauszahlungen fest.

Fristen für den Herabsetzungsantrag

Die Fristen für einen Herabsetzungsantrag sind nicht lange: So bucht die Gemeinde beispielsweise am 10. Februar die Gewerbesteuervorauszahlungen für das erste Quartal des Jahres ab. Ähnlich ist der Zeitraum für die anderen Quartale. Sollten die Gewinne der vergangenen Jahre im betreffenden Jahr voraussichtlich nicht mehr erreicht werden, hilft ein Herabsetzungsantrag. Doch für diesen Antrag ist Eile geboten.

Der Antrag sollte nämlich frühzeitig vor dem 10. Februar (entsprechend der 10. des zweiten Monats eines Quartals bei den anderen Quartalen) beim Finanzamt sein. Doch welche Unterlagen benötigen Sie, damit die Gewerbesteuervorauszahlungen herabsetzt?

  • Kalkulieren Sie den Gewerbeertrag und teilen Sie plausibel mit, woran es liegt, dass der Gewerbeertrag sinkt (wegfallende Aufträge, hohe Investitionen, mehr Aufwand durch neu eingestelltes Personal, etc.).
  • Stellen Sie den Herabsetzungsantrag beim Finanzamt! Das Finanzamt informiert dann die Gemeinde.
  • Informieren Sie die Gemeinde darüber, dass beim Finanzamt ein Herabsetzungsantrag gestellt wurde und bitten Sie darum, die Vorauszahlungen für das erste Quartal deshalb nicht vor der Entscheidung des Finanzamts abzubuchen.
Tipp: Bei einem Hebesatz der Gewerbesteuer bis 380 Prozent bleiben Handwerker zwar von der Gewerbesteuer verschont, weil das Finanzamt bei einem Einzelunternehmer das 3,8fache des Gewerbeertrags auf die Einkommensteuerschuld anrechnet. Doch der Antrag auf Herabsetzung der laufenden Vorauszahlungen schont während des Jahres die finanzielle Liquidität.

Stellt die Gewerbesteuer eine finanzielle Belastung dar?

Wird der Handwerksbetrieb in der Rechtsform einer GmbH oder AG geführt, stellt die Gewerbesteuer eine echte finanzielle Belastung dar. Bei Einzelunternehmern und Personengesellschaften dagegen nicht zwingend. Denn bei Einzelunternehmern und bei Mitunternehmern an Personengesellschaften rechnet das Finanzamt das 3,8fache des Gewerbesteuermessbetrags auf die Einkommensteuerschuld an. Dadurch ergibt sich je nach Hebesatz der Gemeinde, in der der Handwerksbetrieb seinen Sitz hat, eine fast 100-prozentige Entlastung.

Hebesatz der Gemeinde 350% 380% 420% 450%
Maximale Entlastung 100% 100% 90,48% 84,44%

Wo lege ich Einspruch ein, wenn ich gegen eine Gewerbesteuerfestsetzung vorgehen möchte?

Da der Gewerbesteuermessbetrag des Finanzamts den Grundlagenbescheid für den Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde darstellt, müssen Sie auch beim Finanzamt Einspruch einlegen, wenn Sie mit dem Gewerbesteuerbescheid der Gemeinde nicht zufrieden sind. Das Finanzamt überprüft Ihre Einwendungen und informiert die Gemeinde über eine gegebenenfalls neue Festsetzung durch einen geänderten Gewerbesteuermessbescheid. Ein Einspruch bei der Gemeinde führt nicht zum Erfolg. kös

Steuertipp: Gewerbesteuer: Steueranrechnung mindert finanzielle Belastung

Die geplante Anhebung der Gewerbesteuer-Hebesätze muss nicht zwingend zur finanziellen Belastung werden. Handwerksbetriebe, die als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft geführt werden, können die Gewerbesteuer in Teilen auf die Einkommensteuer anrechnen. Eine Beispielrechnung aus dem Handwerk.

Bei Einzelunternehmen oder Personengesellschaften wird das 3,8fache des Gewerbesteuermessbetrags (Steueranrechnung nach § 35 EStG) auf die Einkommensteuer angerechnet. Damit führt die Gewerbesteuer nicht in voller Höhe zu einer finanziellen Belastung. Bei einer Gemeinde mit einem Hebesatz bis zu 380 Prozent bleibt die Gewerbesteuer also steuerneutral. Je mehr der Gewerbesteuer-Hebesatz 380 Prozent übersteigt, desto höher ist letztlich die finanzielle Belastung der Gewerbesteuer für einen Handwerksbetrieb. Die Steueranrechnung ist jedoch auf die tatsächliche Gewerbesteuerzahlung begrenzt.

Beispiel: Handwerker Huber führt seinen Handwerksbetrieb im Rahmen eines Einzelunternehmens. Im Jahr 2013 wird er voraussichtlich einen Gewinn aus Gewerbebetrieb von 100.000 Euro erzielen. Seine Einkommensteuerbelastung beträgt vor der Anrechnung des 3,8fachen Gewerbesteuermessbetrags 20.000 Euro. In der Gemeinde, in der Huber seinen Handwerksbetrieb betreibt gilt ein Hebesatz von 380 von Hundert.

Schritt 1: Ermittlung Gewerbesteuermessbetrag

Gewinn aus Gewerbebetrieb 100.000 Euro
abzgl. Freibetrag -24.500 Euro
=Gewerbeertrag 75.500 Euro
Hebesatz = Gewerbeertrag x 3,5% 2.642,50 Euro

Schritt 2: Ermittlung der Einkommensteuer

Einkommensteuer vor Anrechnung 20.000 Euro
abzgl. Anrechnung nach § 35 EStG (2.642,50 Euro x 3,8) -10.041,50 Euro
= Einkommensteuer nach Anrechnung = 9.938,50 Euro

Fazit: Huber zahlt also 10.041,50 Euro an die Gemeinde und seine Einkommensteuer mindert sich um denselben Betrag. Huber ist durch die Gewerbesteuer also finanziell nicht belastet.

Steuertipp 2: Gewerbesteuer nicht als Betriebsausgabe abziehbar

Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil nun klargestellt, dass die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgaben vom Gewinn eines Handwerkers abgezogen werden darf. Doch wie wirkt sich diese Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer eigentlich aus? Hier erfahren Sie mehr.

Die Zahlungen eines Handwerkers an die Gemeinde für Gewerbesteuer sind für die Jahre seit 2008 nicht mehr als Betriebsausgaben vom Gewinn abziehbar. Und daran wird sich auch nichts ändern. Ein Kläger, der in der Nichtabzugsfähigkeit der Gewerbesteuer eine Verfassungswidrigkeit zu erkennen glaubte, scheiterte nun beim Bundesfinanzhof (BFH, Urteil v. 10.9.2015, Az. IV R 8/13; veröffentlicht am 11.11.2015).

Viele Folgen für die Gewinnermittlung 

Die Nichtabziehbarkeit der Gewerbesteuer als Betriebsausgaben hat folgende Auswirkungen auf die Gewinnermittlung eines Handwerksbetriebs:

  • Wird die Gewerbesteuer im Rahmen der Gewinnermittlung als Betriebsausgabe verbucht, ist sie im Rahmen der Gewinnermittlung für das Finanzamt dem Gewinn wieder hinzuzurechnen.
  • Konsequent sind Einnahmen aus der Gewerbesteuer (= Rückzahlungen der Gemeinde) seit 2008 nicht mehr als Betriebseinnahmen zu versteuern.
  • Das Betriebsausgabenabzugsverbot gilt auch für alle steuerlichen Nebenleistungen zur Gewerbesteuer wie Zinsen, Verspätungs- oder Säumniszuschläge.
  • Kuriosität: Nachzahlungszinsen zur Gewerbesteuer dürfen zwar nicht als Betriebsausgabe abgezogen werden. Erstattungszinsen zur Gewerbesteuer müssen jedoch als Betriebseinnahme versteuert werden.
  • Stellen Sie beim Finanzamt eine verbindliche Auskunft, die die Gewerbesteuer betrifft, dürfen die vom Finanzamt dafür erhobenen Gebühren auch nicht vom Gewinn abgezogen werden.
  • Als Ausgleich für das Betriebsausgabenabzugsverbot profitieren Einzelunternehmer und Mitunternehmer von einer anteiligen oder vollständigen Anrechnung der Gewerbesteuer auf ihre Einkommensteuerschuld.

Tipp: Müssen Sie nach Betriebs- oder Fahndungsprüfungen Gewerbesteuerzahlungen für die Jahre bis einschließlich 2007 beim Finanzamt nachzahlen, handelt es sich übrigens noch um abziehbare Betriebsausgaben. Das gilt selbst dann, wenn die Zahlungen für diese Altjahre erst 2015 erfolgen.

Mehrere Betriebe bedeuten mehrere Gewerbesteuer-Freibeträge

Betreiben Sie verschiedene Betriebe, sollten Sie für jeden dieser Betriebe eine eigene Gewerbesteuererklärung beim Finanzamt einreichen. Denn beachten Sie noch ein paar weitere Vorgaben, steht Ihnen der gewerbesteuerliche Freibetrag von 24.500 Euro für jeden dieser Betriebe zu.

In einem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Thüringen ging dieser Fall jedoch schief. Ein selbständiger Fleischermeister verkaufte über einen Betrieb Bratwürste und über einen anderen Betrieb aus Afrika importierte Teufelskrallen zur Medikamentenherstellung. Das Finanzamt und das Finanzgericht versagten ihm den Abzug des Freibetrags je Betrieb.

Begründung: Es wurde für bei Betriebe dasselbe Bankkonto verwendet, Gelder des einen Betriebs wurde im anderen Betrieb eingesetzt und es wurde alle Einnahmen und Ausgaben beider Betriebe über eine Buchungssoftware zusammen erfasst (Urteil des FG Thüringen, Az. 1 K 444/09). 

So funktioniert es mit dem mehrfachen Freibetrag: 

 Im Umkehrschluss dieses Urteils müssten Sie bei zwei oder mehreren verschiedenen Betrieben also in den Genuss mehrere Freibeträge kommen, wenn Sie folgende Kriterien erfüllen:

Es muss für jeden Betrieb ein eigenes Konto bei der Bank angelegt und die Einnahmen und Ausgaben darüber verbucht werden. Für jeden Betrieb ist ein eigener Buchungskreislauf zu führen. Es werden also zwei oder mehrere Gewinnermittlungen erstellt. Es müssen mehrere Gewerbesteuererklärungen eingereicht werden.  

Gewerbesteuerzerlegung: Problemfall Unternehmerlohn

Unterhält ein Unternehmen in mehreren Gemeinden Betriebsstätten, muss es beim Finanzamt eine Erklärung zur Gewerbesteuerzerlegung abgeben. Die Aufteilung auf die einzelnen Gemeinden richtet sich nach den Lohnanteilen, die in den jeweiligen Betriebsstätten bezahlt wurden.

Da ein Einzelunternehmer keinen Lohn bezieht, sondern sich lediglich Geld zum Leben aus der betrieblichen Kasse oder vom betrieblichen Konto entnimmt, unterstellt das Finanzamt bei ihm einen Arbeitlohn von jährlich 25.000 Euro, der auf die verschiedenen Betriebsstätten aufzuteilen ist.

In der Praxis stellte sich nun die Frage, ob diese 25.000-Euro-Regel auch dann greift, wenn eine Personengesellschaft in mehreren Gemeinen über Betriebsstätten tätig wird und die Gesellschafter nur aus Kapitalgesellschaften bestehen. Auch hier müssen insgesamt 25.000 Euro Lohn auf die verschiedenen Gemeinden verteilt werden (Finanzgericht Schleswig-Holstein, Urteil v. 30.6.2011, Az. 1 K 73/06).

Tipp: Doch so ganz sicher schienen sich die Richter des Finanzgerichts Schleswig-Holstein dann doch nicht zu sein. Denn sie ließen die Revision beim Bundesfinanzhof zu (Az. IV R 30/11). Betroffene Personengesellschaften müssen sich beim Finanzamt bei nachteiligen Bescheiden zur Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrags mit einem Einspruch und einem Antrag auf Ruhen des Verfahrens wehren.

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