Umwelt + Energie -

Isartal Werkstätten in Thalkirchen Gewerbehalle: Neu gedacht statt weggemacht

In die Jahre gekommene Gewerbehallen bieten oft noch Potenzial für neue Nutzungsmöglichkeiten. Wie das optimal gelingt, zeigt das Beispiel der Isartal Werkstätten in Thalkirchen.

Früher haben Handwerker in den Isartal Werkstätten am Bahnhof im Münchner Stadtteil Thalkirchen Dampfloks gewartet. Doch 1964 wurde der Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt eingestellt und später auch der Güterverkehr stillgelegt. Nachdem die denkmalgeschützten Gebäude zu zerfallen drohten, sind es heute attraktive Gewerbeimmobilien mit trendigen Loftbüros, in denen bekannte internationale Firmen sitzen.

Das verantwortliche Architekturbüro Binnberg wertete die Werkstätten mit Glas, Holz, Stahl und Beton auf, um in den Gebäuden ein modernes Raumkonzept zu ermöglichen. Trotz der denkmalgeschützten Fassade sorgt eine Innendämmung für einen zeitgemäßen Energiestandard.

Bauen im Bestand wird wichtiger

Der Bahnhof Thalkirchen ist Beispiel eines allgemeinen Trends. Etwa 70 Prozent aller bestehenden Nichtwohngebäude in Deutschland sind älter als 40 Jahre und wurden damit vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung 1979 gebaut. Viele der Gebäude sind energetisch veraltet und das Raumkonzept passt oft nicht mehr zu den Erfordernissen der Betriebe. Angesicht knapper Neubauflächen gewinnen das Bauen im Bestand und die Umnutzung von Gebäuden an Bedeutung.

Mit dem so genannten Re-­Development lassen sich Produktionshallen verkleinern oder komplett in Bürogebäude umwandeln, wenn der Handwerksbetrieb im Zuge der Digitalisierung alte und sperrige Maschinen nicht mehr benötigt.

Isartal Werkstatt 2

Dabei bleibt die vorhandene Bausubstanz erhalten und der Rückbau kann je nach Erfordernissen bis hin zum Rohbau erfolgen. "Viele Gebäude haben eine architektonische, zeithistorische oder städtebauliche Bedeutung. Nicht zuletzt spielen aber auch ein stärkeres Umweltbewusstsein sowie ökonomische Gründe oft eine große Rolle bei der Entscheidung gegen Abriss und Neubau", sagt Reiner Nowak, Geschäftsführer beim Beratungs- und Architekturbüro CSMM GmbH (vormals Modal M GmbH).

Kosten gegenüber Neubau sparen

Laut dem Experten, dessen Firma am Umbau der Isartal Werkstätten beteiligt war, lassen sich beim Re-Development 25 bis 30 Prozent an Kosten gegenüber einem Neubau sparen. Außerdem sei der ökologische Fußabdruck gegenüber einem Neubau deutlich geringer, weil der Aushub wegfällt und kein Zement für Rohbaumaßnahmen benötigt wird.

Nowak macht die Erfahrung, dass viele seiner Kunden oft unterschätzen, was sich aus einer alten Immobilie noch alles machen lässt. "Eine Fassade architektonisch interessant zu überholen und energetisch auf den neuesten Stand zu bringen, ist selten ein Problem", so Nowak.

Ob Re-Development sinnvoll ist, hängt aber nicht zuletzt auch vom Standort des Gebäudes ab. "Das beste Design nützt nichts, wenn die Umgebung nicht für eine Umnutzung geeignet ist. Am Anfang sollte daher immer eine Standort- und Machbarkeitsstudie stehen", sagt der Experte.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten