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Gewaltige Zeugen des Mittelalters

Südtirol gilt als die burgenreichste Region Europas, rund 800 Burgen und Schlösser säumen die ehemals wichtigsten Handelswege

Gewaltige Zeugen des Mittelalters
Das wohl bekannteste – Schloss Tirol -

Die Via Claudia Augusta führt von der Adria über den Reschenpass bis an die Donau oder die Kaiserstraße, die über den Brenner verläuft. Dies waren schon im Mittelalter wichtige Handelswege. Zum Schutz wichtiger Knotenpunkte wurden Burgen, Schlösser und Festungen entlang der heutigen Hauptreiserouten zwischen Deutschland und Italien gebaut. Die Region mit den meisten Burgen und Schlössern in Europa, mit rund 800, ist Südtirol. Fast alle wurden in den letzten Jahren aufwändig restauriert und können heute besichtigt werden.

Das vielleicht bekannteste und gleichzeitig Namensgeber des heutigen Tirol ist Schloss Tirol. Es wurde 1140 vom Grafen von Tirol als Residenz erbaut und die Ringmauer gehört heute zu den ältesten noch erhaltenen Burgmauern überhaupt. Im 19. Jahrhundert wurde mit den Renovierungsarbeiten begonnen und 2003 das Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte untergebracht. Als Überreste sind die eindrucksvollen Portale des Palas und der Burgkapelle erhalten.

Die wohl älteste und größte Weinrebe der Welt

Burgen und Schlössern Südtirol
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Über eine 32 Meter lange steinerne Brücke erreicht man die gewaltigen Mauern des Castels Katzenzungen in der Nähe von Tissens. Die eigentliche Besonderheit liegt aber vor den Toren der Burg. Hier wächst die wohl größte und älteste Rebe der Welt. Der Legende nach soll sie bereits über 600 Jahre alt sein. Jährlich werden etwa 500 limitierte, nummerierte und mit einem Zertifikat versehene Flaschen "Versoaln-Wein" verkauft.

Die Churburg zählt zu den schönsten und besterhaltenen Schlössern Südtirols und wird schon seit fünf Jahrhunderten von derselben Familie, den Grafen von Trapp, bewohnt. In der privaten Rüstkammer, der "eisernen Garderobe", befinden sich über 50 vollständige Rüstungen der Geschlechter von Matsch und Trapp. Die beeindruckenste ist wohl die des Matscher Ulrich IX. – er muss ein Riese gewesen sein. Die um 1450 angefertigte Rüstung hat eine Größe von 2,10 Metern und ein Gewicht von 45 Kilogramm.

Die mächtige Anlage von Schloss Taufers liegt auf einer Bergnase am Eingang zum Ahrntal und es sieht fast so aus, als wolle sie den Eingang im Auge behalten. Um 1100 wurde die einstige Burg Tobel erbaut und erst 1225 wurde sie zur heutigen Burg Taufers. Ein großer Teil der Anlage ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Einrichtung in den 64 Räumen ist fast vollständig erhalten und alte Kachelöfen beheizen die Wohnräume. Zirbenholzvertäfelung, die "Pacher-Fresken" in der Kapelle, Schränke aus den verschiedenen Kunstepochen, Rüstungen und eine Bibliothek bieten den Besuchern einen kleinen Einblick in die Geschichte der Burg.

Weit ragt der fünfeckige Bergfried in den Himmel

Die Wehrburg Hocheppan ragt auf steilen Felswänden über dem Dorf Missian in den Himmel. Sie galt im Mittelalter als mächtigste Burg des Landes. Der eindrucksvolle, fünfeckige Bergfried überragt die gesamte Anlage. Kunsthistorischer Höhepunkt ist die Burgkapelle mit ihren Fresken aus dem frühen 13. Jahrhundert, die erst 1926 wieder vollständig freigelegt wurden. Die Burg Hocheppan ist Teil der "Drei-Burgen-Wanderung", zusammen mit der Burgruine Boymont und Schloss Korb. Im Garten der Festung reicht die Aussicht vom sagenumwobenen Rosengarten bis zu den Gipfeln der Ötztaler Alpen.

Über einen steilen, mit groben Steinen gepflasterten Weg erreicht man Schloss Runkelstein in der Nähe von Bozen. Wegen ihrer guterhaltenen und zahlreichen Fresken wird sie auch als "Bilderburg" bezeichnet. Unter den Fresken an den Innen- und Außenwänden befinden sich Szenen aus dem höfischen Leben, Porträts der Familie Vintler, die Auftraggeber der Fresken, und Szenen aus der tragischen Liebesgeschichte von Tristan und Isolde. Im Sommer finden im Burghof von Schloss Runkelstein regelmäßig Konzerte und Theateraufführungen statt.

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