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Gesunde Lebensmittel Wenn die Werbung zu viel verspricht

Erst kürzlich musste die Brauerei Warsteiner eine Schlappe vor Gericht einstecken, weil sie ihr alkoholfreies Bier "vitalisierend" genannt und damit gegen die geltenden Werberegeln verstoßen hatte. Denn wenn schon mit gesundheitsbezogenen Angaben geworben wird, dann darf der wissenschaftliche Beleg dafür nicht fehlen. Erlaubt sind deshalb nur bestimmte Formulierungen.

Erfrischend, isotonisch und "vitalisierend" soll das alkoholfreie Bier der Brauerei Warsteiner laut Werbeversprechen angeblich sein – passend zu Vitali Klitschko, der ursprünglich einmal auf Plakaten für das Bier geworben hat. Doch genau dieses Versprechen sorgte nun für Ärger, denn das Oberlandesgericht Hamm hat der Brauerei per Urteil verboten ihr Bier mit dem Begriff "vitalisierend" zu bewerben.

Die Richter sahen darin einen Verstoß gegen die sogenannte EU-Health-Claim-Verordnung (Az.: 4 U 19/14). Diese Verordnung schreibt Lebensmittelherstellern vor, mit welchen gesundheitsbezogenen Angaben sie werben dürfen und wie die Werbeversprechen formuliert sein müssen.

Denn wenn schon mit einem Hinweis auf eine gesundheitsfördernde Wirkung geworben wird, dann muss die Wirkung auch belegt und auf dem Produkt – bzw. bei offenen Waren auf einem Hinweisschild – erwähnt sein. Genau das hatte Warsteiner versäumt und den Begriff "vitalisierend" nicht weiter ausgeführt.

Nur wissenschaftlich geprüfte Werbeaussagen

Wer mit gesundheitsbezogenen Angaben werben möchte, muss sich an die geltenden Werberegeln halten, die die EU in der EU-Health-Claim-Verordnung vorgibt. Diese regelt, mit welchen Formulierungen geworben werden darf bzw. für welche Inhaltsstoffe es einen wissenschaftlichen Beleg bezüglich des gesundheitlichen Vorteils gibt und wie dies kommuniziert werden muss. Denn nicht jeder Lebensmittelhersteller muss eigene wissenschaftliche Belege über den Nutzen der verwendeten Inhaltsstoffe vorlegen. Er muss seine Aussagen jedoch begründen und kann dafür vorgegebene Formulierungen nutzen.

Brot
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Ganz konkret geht es um bisher 222 Formulierungen für verschiedene Inhaltsstoffe, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt wurden und somit als Werbeaussagen verwendet werden dürfen. Weitere Aussagen werden derzeit noch geprüft. Das Bundesverbraucherministerium hat eine Liste der Aussagen zu verschiedenen Inhaltsstoffen veröffentlicht.

Wichtig ist jedoch zu beachten, dass die Inhaltsstoffe, die den gesundheitlichen Nutzen versprechen, in ausreichender Menge in dem beworbenen Produkt enthalten sein müssen. Auch das ist in der Liste der Werbeaussagen angegeben. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Beispiele für erlaubte Formulierungen

Vorausgesetzt in einem Produkt ist ein bestimmter Inhaltsstoff in ausreichender Menge enthalten wie es die Vorgaben der EU-Health-Claim-Verordnung regeln, so kann der Hersteller es mit den dafür erlaubten Formulierungen bewerben. Drei Beispiele zu Inhaltsstoffen, die auch in Gebäck oder Fleischwaren vorkommen können:

Inhaltsstoff: Calcium
Werbeaussage: Wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt.

Inhaltsstoff: Linolsäure
Werbeaussage: Linolsäure trägt zur Aufrechterhaltung des normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.

Inhaltsstoff: Magnesium
Werbeaussage: Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.


Da immer mehr Lebensmittel auf dem Markt sind, die einen gesundheitlichen Nutzen versprechen, wurde die Verordnung bereits im Jahr 2012 eingeführt. Sie gilt auch für unverpackte Lebensmittel.

Auch Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk wie Metzger, Bäcker und Konditoren müssen somit darauf achten, mit welchen Formulierungen sie für ihre Waren werben. Sie sind jedoch von bestimmten Detailvorschriften ausgenommen und müssen keine Angaben zur Verzehrmenge und -häufigkeit des Produkts machen. jtw/dpa

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