Chemnitz -

Ausstellung im Wasserschloss Klaffenbach Gestalter im Handwerk zeigen Abschlussarbeiten

Im Wasserschloss Klaffenbach sind noch bis zum 5. August die Abschlussarbeiten des Kurses "Gestalter im Handwerk" zu sehen.

Wolke sieben besteht aus weiß lackiertem Rohr und man kann sich dieser Tage in Klaffenbach bei Chemnitz darauf betten. Die Schlafgelegenheit ist eine der Abschlussarbeiten aus dem Kurs "Gestalter im Handwerk", die im Rahmen der Schau "Unikate 7" zu sehen sind. Eingebettet in die Schau "Unikate 7" ist auch eine Sonderausstellung zum Thema Schach.

Das Bett "Wolke sieben" stammt von Möbeltischler Jan Kiesling, der seine Abschluss­arbeit passend zum diesjährigen Prüfungsthema "Innehalten" entwickelt hat, vorgegeben von Gunter Springsguth, Dozent und Kurator der Ausstellung.

Die Idee an Kieslings Bett: Das Schlafmöbel ist dank einzelner Rohrsegmente ähnlich wie ein Konstruktionsbaukasten jederzeit veränderbar. Man kann das Bett von einer schlichten Liege mit Matratze und Füßen bis zum Himmelbett umbauen. So können die Nutzer ihre Schlafstätte selbst konfigurieren.

Für eine Bauhaus-Weihnacht

Der Tannenberger Norman Horatzscheck stammt aus einer traditionsreichen Drechsler- und Holzspielzeugmacher-Familie. Für seine Abschlussarbeit entwickelte er Schwibbogen und Weihnachtspyramide weiter – aus seriellen, schlichten Holzquadern, Stäben und Zylindern aus gestrahltem Edelstahl. So hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Bauhausmeister Walter Gropius sich mit dem erzgebirgischen Kunsthandwerk auseinandergesetzt hätte.

Muschelreste aus der Elster

Sylvia Donath arbeitet mit den Resten der ehemaligen Perlmutt-Industrie im Vogtland. Denn einst wurden in der vogtländischen Elster Muscheln gezüchtet und dann zu Schmuck und Souvenirs verarbeitet. Die Reste wurden in der Landschaft entsorgt – Sylvia Donath macht daraus Kunstobjekte, denen sie ein Buch mit Geschichten über die Muschel und Makrofotografien der Muschelreste an die Seite gestellt hat.

Eine Treppe zum Lesen

Mit seiner "Schmökerstiech" hat Metallbauermeister René Donath eine Spindeltreppe geschaffen, die gleichzeitig als Regal dient. Die Treppe verfügt über keinen durchgehenden Handlauf, weshalb sie sowohl rechts- wie linksgewändelt aufgebaut, wieder abgebaut und verändert werden kann. Die Nutzung des Raums zwischen den Stufen löst ein anderes Problem freistehender Treppen. Donath: "Man kann sich den Kopf nicht mehr rammeln."

Magnete halten Bücher

Eine Montageplatte an der Wand, davor eine Dekorplatte mit metallischem Kern, darauf Regalböden, -fächer, Filztaschen oder Spiegel, die sich völlig frei anordnen und kombinieren lassen, weil sie von extrastarken Neodym-Magneten gehalten werden: Udo Viehwegers modulare Wandpaneele erlauben es dem Regalnutzer zumindest in der Theorie, sich jeden Tag neu einzurichten. Dass auch schwere Bücher an der Wand halten, dafür hat Udo Viehweger vorgesorgt. Der Inhaber einer Tischlerei in Stollberg hat sein Regalsystem verschiedenen Belastungstests unterzogen, die verbauten Magnete sind die stärksten auf dem Markt verfügbaren.

Kristalle zum Ausruhen

Karina Kiss hat für die Tischlerei, in der sie arbeitet und die eine Chemnitzer Kletterhalle ausgestattet hat, modulare Sitzmöbel entwickelt: Wer klettert, muss sich auch ausruhen können. Die Form der Sitzmöbel entspricht der kantigen, kristallinen Gestalt vieler Boulderfelsen. Die Sitzmodule, die Kiss "Bricks" nennt, bestehen aus Multiplex, das die 22-jährige Chemnitzerin mit winklig angeschnittenen Kanten, Flachdübeln, Leim und Schrauben zu komplexen Polyedern montiert hat.

Ein Baum für alle Fälle

Im Sommer unter einem Baum liegen und, vor der Sonne geschützt, nach oben ins Blätterdach schauen: Das war die Inspiration für Jana Pfeiffers Sonnensegel. Die Raumausstatterin aus Breitenbrunn hat dafür Edelstahlreifen mit Stoff bezogen. Die Reifen sind mit Edelstahlarmen an einer Art Stamm aus Edelstahl angebracht – die Idee des schattenspendenden Baums hat Jana Pfeiffer ziemlich direkt umgesetzt. Mit dem Unterschied, dass ihre Sonnensegel nach Belieben auf Balkon und Terrasse aufgebaut werden können.

Fragen zum neuen Gestalterkurs beantwortet Silke Gießmann, Tel. 0371/5364-160.

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