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Corona-Krise Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker: Bodenleger will helfen

"Faceshields" aus dem 3D-Drucker. Weil in Kliniken, Praxen und Pflegeheimen Gesichtsmasken derzeit Mangelware sind, springt Bodenleger Thorsten Kiss mit einer Eigenproduktion zur Seite. Wie es dazu kam und für welchen Zweck er sich die Drucker eigentlich angeschafft hatte.

Wie kommt ein Bodenleger zu einem 3D-Drucker? Die Antwort darauf mag vielleicht paradox klingen, und dennoch ist sie einleuchtend: In erster Linie war es seine Leidenschaft zum Holz, die für den gebürtigen Frankfurter ausschlaggebend dafür war, in 3D-Drucker zu investieren. Ursprünglich hatte Thorsten Kiss sich die Geräte angeschafft, um damit individuelle Einzelteile für den Eigenbedarf, etwa einen Staub-Absaugungs-Ring für seine Fräsmaschine zu produzieren.

Faceshields statt Fußböden 

Iin dieser schwierigen Zeit, die Thorsten Kiss nicht nur persönlich, sondern auch global betrachtet als die größte Herausforderung der Menschheit wahrnimmt, will er die Drucker bewusst für einen anderen, einen guten Zweck einsetzen. Auf Facebook ist er zufällig auf eine Helfergruppe von Gleichgesinnten gestoßen, die sich dem Kampf gegen das Virus verschrieben haben - seitdem stehen seine sieben Maschinen nicht mehr still: In Akkordarbeit werden "Faceshields" hergestellt, eine Art Gesichtsschutz für Mitarbeiter von Arztpraxen, Kliniken und Pflegepersonal in Seniorenheimen. "Ich kann circa sieben Stück in zwei Stunden mit sieben 3D-Druckern produzieren", berichtet Kiss stolz. Dabei belaufen sich die Produktionskosten eines Faceshields, je nach Qualität und Größe, auf eine Summe zwischen drei und fünf Euro.

Ein Schreiner mit Bodenideen 

Vor neun Jahren hat der gebürtige Frankfurter in Karlsruhe-Stupferich seinen eigenen, kleinen Drei-Mann-Betrieb gegründet: Thorsten Kiss Bodenideen. Die Boden-Profis spezialisierten sich im Laufe der Zeit auf die Verlegung von Böden aller Art sowie Sanierungsarbeiten im Privatkundenbereich. Der gelernte Schreiner musste das Handwerk des Bodenlegens erst einmal für sich entdecken. Sein Weg in die Bodenbranche war die Leidenschaft für den Rohstoff Massivholz, dessen Verarbeitung ihm in seinem Ausbildungsbetrieb zu kurz kam. So entschied er sich, die Branche zu wechseln und nahm das Jobangebot eines Parkettlegers an. Endlich durfte er wieder mit Massivholz, seinem Lieblingsrohstoff, arbeiten und hatte darüber hinaus nun auch die Möglichkeit, sich in mehreren Seminaren und Fortbildungen sowie durch die Lektüre einiger Fachmagazine ein fundiertes Fachwissen als Fußbodenprofi anzueignen.

Kann noch zwei Monate durchhalten 

"Ich mag die Herausforderung im Sanierungsbereich, weil keine Baustelle gleich ist", sagt der 48-Jährige. Doch nun sieht auch er sich mit der ganz neuen Herausforderung, Corona-Krise, konfrontiert. "Jeder hat Angst, weiß nicht, wie die Zukunft aussieht. Deshalb reagiert jeder sehr verhalten und versucht sein Geld zusammenzuhalten, um zu überleben", schildert Kiss die momentane Situation. Bei gegenwärtiger Auftragslage geht er davon aus, dass er wahrscheinlich noch zwei Monate durchalten kann, bis die laufenden Kosten seine Reserven verschlungen haben. Und obwohl er nicht damit rechnet, in nächster Zeit an neue Aufträge zu kommen, denkt Kiss nicht ans Aufgeben und fügt guter Dinge hinzu: "Angst habe ich keine. Ich hab‘ in meinem Leben schon einige Tiefs durchstehen müssen. Ich bin sehr vielseitig, was das Handwerk angeht. Ich werde mich dem Markt anpassen.“

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