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Abschluss der Ausbildung Gesellenprüfung: Wichtige Fragen und Antworten

Nicht bestanden? Widerspruch gegen die Note nötig? Oder soll sie vorgezogen werden? Der Ablauf der Gesellenprüfung ist eigentlich klar vorgeschrieben. Doch es gibt einige Gründe, die ihn stören können. Wichtige Fragen und Antworten dazu.

Für Azubis bildet die Gesellenprüfung den Abschluss ihrer Lehre. Aber was passiert, wenn man bei der Gesellenprüfung durchfällt, gibt es eine Möglichkeit Einspruch gegen die Note einzureichen und wie Azubis eine vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung beantragen kann. Die DHZ hat Antworten auf diese drei Fragen rund um die Gesellenprüfung zusammengestellt.

1. Durchgefallen bei Gesellenprüfung – wie geht es weiter?

Wer durch die Gesellenprüfung fällt, steht nicht auf der Straße – sein Ausbildungsbetrieb muss ihn bis zur Wiederholungsprüfung weiter beschäftigen. Was zu tun ist, wenn die Gesellenprüfung nicht bestanden ist.

Fällt ein Auszubildender durch die Gesellenprüfung, hat er zwei weitere Versuche. Mit dem Bescheid über die nicht-bestande Prüfung bekommt ein Lehrling direkt den Antrag auf Anmeldung zur Wiederholungsprüfung. Die ist je nach Beruf und Region entweder in einigen Monaten oder erst im nächsten Jahr.

Bis dahin hilft der Ausbildungsbetrieb beim Lernen. Der Lehrling kann bis zum nächsten Prüfungstermin weiter als Auszubildender bei seinem Betrieb arbeiten. Dafür muss er nur seinem Chef und seiner zuständigen Handwerkskammer Bescheid sagen.

Also, erst einmal ruhig durchatmen und dann mit dem Ausbilder sprechen. Dabei sollte im Mittelpunkt stehen, was bei der Prüfung nicht so gut lief und welcher Teil dazu geführt hat, dass die Prüfung nicht bestanden wurde. Bei der Wiederholungsprüfung müssen Azubis nämlich nur diesen Teil noch einmal machen.

In der Theorie durchgerasselt

Die meisten Auszubildenden, die es nicht beim ersten Mal schaffen, haben in der Theorie Probleme. Sie sollten sich fragen, wo genau die Lücken sind und die Berufsschullehrer darauf ansprechen. Gemeinsam mit dem Ausbilder kann man dann eine Nachhilfe bis zum zweiten Versuch organisieren.

Praktisch nicht alles geschafft

Die praktische Prüfung wird entweder bei der Handwerkskammer, der Innung, der Kreishandwerkerschaft oder einem Verband abgenommen. Wenn einzelne praktische Teile nicht bestanden sind, sollten Azubis ihre Ausbilder bitten, bis zur Wiederholungsprüfung gemeinsam zu üben. Sind es Aufgaben, die im Betrieb nicht anfallen, gibt es manchmal auch die Möglichkeit nochmal an der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung teilzunehmen.

Eigentlich kann ich alles, aber ich war so nervös

Eigentlich lief alles gut, bis zur Prüfung: Wenn Azubis durchgefallen, obwohl sie eigentlich gut vorbereitet sind, liegt das meistens an der Nervosität. Aber auch darüber sollte man offen mit dem Ausbilder sprechen. Manchmal bieten Chefs von sich aus trotz Nicht-Bestehens der Prüfung ein anderes Arbeitsverhältnis an. Azubis müssen dann nicht weiter als Lehrling, sondern können bis zur nächste Prüfungsmöglichkeit als normale Angestellte arbeiten.

In meinem Ausbildungsbetrieb gehe ich nie wieder

Auch wenn Azubis nicht mehr in ihren Ausbildungsbetrieb zurück wollen, sondern bei einem anderen Unternehmen arbeiten oder auch einen neuen Beruf erlernen möchten, können Sie an der Wiederholungsprüfung teilnehmen. Der Ausbildungsvertrag endet dann zum vorher vereinbarten Zeitpunkt.

Krankheit am Prüfungstag

Wer am Tag der Prüfung krank ist, muss einen Attest vorlegen, sonst gilt die Prüfung als nicht bestanden. Azubis sollten sich dann gleich morgens bei der Institution melden, die den Prüfungsausschuss organisiert. Danach sollten sie zum Arzt gehen und sich ein Attest ausstellen lassen. Das Attest schickt man dann an den Prüfungsausschuss. Die Prüfung gilt dann als nicht abgelegt und du wirst zum nächsten Termin automatisch eingeladen.

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2. Gesellenprüfung: Wie kann man Widerspruch gegen die Note einlegen?

Es ist eigentlich gut gelaufen und trotzdem ist die Note der Gesellenprüfung schlecht? Wer mit seiner Note nicht einverstanden ist, kann die Prüfungsunterlagen einsehen oder Widerspruch einlegen. Hier gilt allerdings die Devise: keine Zeit vertrödeln.

Jeder Auszubildende hat das Recht, dass seine Prüfungsergebnisse noch einmal überprüft werden. Jedoch muss man als Prüfling selbst aktiv werden. Wer der Meinung ist, seine Note ist zu schlecht, kann zuerst einmal seine Prüfungsunterlagen einsehen. Dafür muss man einen Antrag stellen, der sich allerdings von Handwerkskammer zu Handwerkskammer und von Innung zu Innung unterscheiden kann.

Prüfungsunterlagen einsehen

Prüflinge sollten deshalb bei der Innung oder Kammern anrufen, bei der sie die Gesellenprüfung abgelegt haben. Wichtig ist, dass jeder Betroffene den Antrag selbst stellt. Denn nur er oder gegebenenfalls sein Anwalt haben das Recht, die Prüfungsunterlagen einzusehen.

Akteneinsicht erhältt man sowohl für eine Zwischenprüfung als auch für eine Gesellenprüfung. Lediglich bei einer gestreckten Gesellenprüfung, also wenn die Note der Zwischenprüfung in die Endnote mit einfließt, darf man die Prüfungsunterlagen erst sehen, wenn beide Prüfungsteile beendet sind.

Wer nach einer Einsicht in die Unterlagen immer noch der Ansicht ist, dass die Note zu schlecht ist bzw. das Ergebnis nicht berechtigterweise so ausfällt wie es der Prüfer dargelegt hat, kann gegen das Ergebnis einen Widerspruch einlegen, damit die Auswertung erneut überprüft wird.

Für einen solchen Widerspruch hat man einen Monat Zeit, ab dem Tag, an dem das Ergebnis feststand.

Wichtig ist, dass man auch in diesem Fall den Widerspruch entweder bei der Kammer oder bei der Innung schriftlich einlegt. Hier lohnt es sich bei derjenigen Stelle nachzufragen, die das Ergebnis mitgeteilt hat , ob per Brief oder mündlich.

Widerspruch schriftlich einlegen

Anschließend wird dein Widerspruch geprüft. Der Prüfling muss sich darauf einstellen, zu einer Anhörung eingeladen zu werden. Hier kann jeder begründen, warum er die Note für zu schlecht hält. Sollte der Widerspruch begründet sein, werden die Fehler und die Note korrigiert. Jedoch kann der Antrag auch abgelehnt werden, wenn die zuständige Stelle der Meinung ist, die Note ist korrekt.

Als weitere Möglichkeit kann man dann gegen das Ergebnis beim Verwaltungsgericht klagen. Allerdings braucht man spätestens dann einen Anwalt, der einen vertritt.

In jedem Fall kann man sich bei der jeweiligen Handwerkskammer informieren. Dort gibt es immer eine Abteilung, die für Fragen rund um die Ausbildung zuständig sind. Auch die passende Prüfungsordnung findet man auf den Webseiten der Handwerkskammern.

3. Wie kann ein Azubi vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung beantragen?

Azubis mit sehr guten Leitungen können unter bestimmten Umständen ihre Gesellenprüfung vorziehen. Dazu benötigen sie allerdings die Unterstützung des Ausbildungsbetriebs und der Berufsschule. Diese müssen ihnen überdurchschnittliche Leistungen bescheinigen.

Wann genau findet eine vorgezogene Gesellenprüfung statt?

"Vorziehen" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Gesellenprüfung statt im regulären Prüfungszeitraum um ein halbes Jahr versetzt früher stattfindet. Würde die Ausbildung beispielsweise im August enden und den Prüfungszeitraum wäre der Sommer, so würde die vorgezogene Gesellenprüfung stattdessen schon im Winter davor stattfinden – dann, wenn andere Azubis, die zum Winterhalbjahr ihre Lehre begonnen haben, ihre reguläre Prüfung ablegen.

Die Gesellenprüfung vorzuziehen, bedarf der Zustimmung des Ausbildungsbetriebs, denn mit dem Bestehen der Prüfung endet das Ausbildungsverhältnis. Der Ausbildungsbetrieb verpflichtet sich, alle relevanten Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten in einer bestimmten Zeit zu vermitteln und wenn diese verkürzt wird, muss auch er seine Pflichten in einer kürzeren Zeit leisten.

Wann kann man vorzeitig zur Gesellenprüfung zugelassen werden?

Die Kriterien für eine vorzeitige Zulassung sind folgende:

  • Der Ausbildungsbetrieb muss "gute" bis "sehr gute" praktische Leistungen bescheinigen.
  • Der Notendurchschnitt in den prüfungsrelevanten Fächern der Berufsschule muss mindestens "gut" betragen.
 

Details zu den Regelungen – etwa wann Unterlagen eingereicht werden müssen – können sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Die Ausbildungsberater der Handwerkskammern beraten dazu. Auf den Internetseiten der Kammern gibt es zudem den Antrag zum Herunterladen. Er ist dort oder bei der zuständigen Innung einzureichen.

Der Antrag muss eine Stellungnahme des Ausbildenden sowie der Berufsschule über den aktuellen Leistungsstand enthalten. Zusätzlich sollte das letzte Jahreszeugnis oder eine Notenbestätigung der Berufsschule beigefügt werden. dhz

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