Mittelfranken -

Existenzgründer Gesamtkonzept muss stimmen

Klaus Pfattheicher, Betriebsberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, unterstützt Existenzgründer. Er weiß Bescheid über mögliche Fördermittel, wie man einen Businessplan schreibt, und wie ein Laden erfolgreich läuft: „Das Gesamtkonzept muss stimmen“, sagt er. Das passt zum Beispiel bei „Fräulein Gusti“.

Der kleine Konditorladen im Herzen der Nürnberger Altstadt ist zugleich schick und gemütlich. Auf der schlichten weißen Theke stehen hinter Glas kleine feine Törtchen. Macarons leuchten in Rosa und Grün. Von den Wänden und aus den weißen Regalfächern beobachten runde Damen auf Leinwand, knallige Frösche aus Keramik und Osterhasen das Geschehen. Die Milchglastür zur Küche leuchtet in Pink.

Fräulein Gusti heißt eigentlich Martina Meyer, Gusti ist ihr dritter Vorname. Neben dem kleinen Verkaufsraum hat sie – sozusagen im Schaufenster – ihre gläserne Backstube. Hier entstehen all die kleinen Backwaren und wer möchte, kann ihr dabei zusehen. Sogar Macaron-Kurse für Hobbybäcker bietet die junge Unternehmerin hier an. Momentan warten lila, rote und gelbe Macaronhälften darauf, von der Chefin persönlich weiterverarbeitet zu werden. Martina Meyer steht in ihrem schwarzen Konditoren-Outfit in ihrer Backstube, strahlt und sagt: „Hier bin ich glücklich.“

Umweg ins Handwerk

Ihren Laden hat die Jungunternehmerin im November 2017 eröffnet und sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt. Zuvor war sie als Chef-Patissière bei einem Nürnberger Catering-Unternehmen, in dieser Zeit hat sie nebenbei in Teilzeit ihren Meister als Konditorin gemacht. Der Beruf ist ihre Leidenschaft. Den Weg ins Handwerk ist Martina Meyer allerdings über einen Umweg gegangen.

Nach der Fachoberschule hat sie erstmal für eineinhalb Jahre Elektrotechnik studiert und der süßen Backkunst nur nebenbei gefrönt. Doch dann hat sie gemerkt: „Ich möchte mit meinen Händen etwas schaffen und sehen, was daraus wird.“ Und hat den Spieß umgedreht. Begann eine Lehre als Konditorin, machte das Interesse fürs Technische zum Hobby.

Um ihr Geschäft bekannter zu machen, hat Martina Meyer alias Fräulein Gusti schon so manche pfiffige Idee umgesetzt. Auf der Straße ist sie mit einem pinkfarbenen Smart unterwegs, der mit Macarons bedruckt ist. In der wärmeren Jahreszeit plant sie, ein entsprechend dekoriertes Fahrrad als Werbeträger zu platzieren. Und in den sozialen Medien ist sie natürlich präsent. Ihre Accounts bei Facebook und Instagram füttert sie immer wieder mit Fotos und Neuigkeiten. Eine hübsche Website hat sie auch.

Wie wichtig passende Werbung und eine entsprechende Ladenaufmachung für den Erfolg sind, weiß Betriebsberater Klaus Pfattheicher. „Wie genau das aussieht, hängt natürlich stark vom Produkt und von der Zielgruppe ab“, sagt er. „Nicht zu jedem Gewerk passt beispielsweise ­Facebook.“ Die Betriebsinhaber müssten sich klarmachen, wen sie erreichen wollen.

In Fräulein Gustis Fall sind es ganz normale Leute. Siegfried Schoppe zum Beispiel. Das Hobby des älteren Herrn sind Burgführungen. Vormittags steht er oft an der Burg und erklärt Interessierten, was es über Nürnberg und die Burg zu sagen gibt. Anschließend kommt er oft auf einen kleinen Schwatz und einen Espresso bei Fräulein Gusti vorbei. „Ich freue mich, dass es hier oben nun etwas Besonderes gibt“, sagt er. „Hier oben“ – das ist der Burgberg. Ein Viertel, in dem man sich kennt und in dem gute Nachbarschaft herrscht. Und in dem lauter kleine Läden ihren Platz gefunden haben.

Martina Meyer – beziehungsweise ihre Mutter – ist keine Unbekannte „hier oben“. Denn bevor die Tochter hier mit ihrer süßen Kunst einzog, verkaufte ihre Mutter Gabriele Meyer hier schon Kunst auf Leinwand. Ein Stück vom Atelier ist auch noch übrig, denn die Bilder, die den Laden zieren, stammen aus Gabriele Meyers Hand. „Kunst und Kuchen“, sagt Martina Meyer ­lächelnd.

Die Ideen der jungen Konditorin scheinen bei den Kunden gut anzukommen. Und wer mit ­seinen Kunden in Kontakt bleibt – über den Ladentisch und über die Onlinemedien, bleibt im Gespräch. Hilfestellungen – übrigens auch zu Fördermitteln nach der Gründung – kann die Handwerksammer geben . Die Betriebsberater der Handwerkskammer für Mittelfranken unterstützen Existenzgründer im Handwerk – individuell und kostenfrei. Vom Coaching-Programm für Existenzgründer über die Förderung unternehmerischen Know-hows bis zur finanziellen Förderung sind Handwerker hier jederzeit gut beraten.

Informationen: hwk-mittelfranken.de/existenzgruendung oder über Anja Loos, Tel. 0911/5309-242, anja.loos@hwk-mittelfranken.de

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