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Geringer Aufwand, großer Nutzen

Eine bessere Materialeffizienz kann im produzierenden Gewerbe die Umsatzrendite spürbar steigern

Die Verschwendung ist der Feind des Buchhalters. Der sparsame Umgang mit Ressourcen sollte in jedem Unternehmen zur Tagesordnung gehören. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus. In vielen Betrieben wird die tägliche Verschwendung gar nicht bemerkt. Demea möchte das ändern. Die deutsche Materialeffizienzagentur möchte Unternehmer zur Sparsamkeit motivieren und unterstützt sie dabei mit Förderprogrammen. Bei der Rolladen Braun OHG ist das Angebot auf offene Ohren gestoßen.

Einsparpotenziale aufspüren

Selbst wenn wir nur zehn Prozent falsch machen, kann das enorme Auswirkungen auf das Ergebnis haben, dachten sich die Brüder Christian, Georg, Thomas und Wolfgang Braun, die das Unternehmen in Weiding in der Oberpfalz gleichberechtigt führen. Sie wollten die Fertigung ihres auf Kunststofffenster, -türen und Rollläden spezialisierten Unternehmens auf den Prüfstand stellen und Schwachstellen ausmerzen. „Allein haben wir die Lösung nicht erkannt. Das mag an einer gewissen Betriebsblindheit liegen, die sich im Laufe der Jahre einstellt“, erklärt Wolfgang Braun die Beweggründe des Unternehmens, die Produktionsprozesse auf Einsparmöglichkeiten zu durchleuchten.

Diese Denkweise ist gerade in kleinen und mittleren Unternehmen nicht überall so ausgeprägt wie bei der Rolladen Braun OHG. Dabei stellen die
Materialkosten im produzierenden Gewerbe mit mehr als 45 Prozent den mit Abstand größten Kostenblock dar - deutlich vor den Personalkosten mit 17,8 Prozent. Wie wissenschaftliche Studien zeigten, können rund 20 Prozent der Materialkosten eingespart werden. Die Auswertung von 452 Betriebsanalysen durch Demea ergab ein Einsparpotenzial von im Schnitt 200.000 Euro pro Jahr und Unternehmen. Dies bedeutet eine Steigerung der Umsatzrendite um etwa 2,4 Prozentpunkte, meldet die Agentur. Wer einen ersten Hinweis auf mögliche Einsparpotenziale erhalten will, kann auf den Demea-Selbstcheck zurückgreifen. Dafür müssen im Internet 13 Fragen zu neun verschiedenen Unternehmensbereichen beantwortet werden. Dauer: 20 Minuten.

Bei der Rolladen Braun OHG, bei der rund 90 Mitarbeiter pro Jahr Kunststoffprofile im Wert von rund 390.000 Euro verarbeiten, hat man sich dafür entschieden, einen externen Berater ins Haus zu holen. Der so genannte Optimierungsmanager hat sich einen Tag lang bei laufendem Betrieb im Unternehmen umgeschaut und danach viele Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern geführt. Dabei haben sich die Schwachstellen schnell herauskristallisiert. Vor allem im Lager gab es große Potenziale für Verbesserungen, musste Betriebsleiter Christian Braun erkennen. Lagerorte waren nicht genau definiert, Artikel nicht nach Gruppen wie Fensterprofile, Zubehör oder Rollladenprofile sortiert, die Wege der Mitarbeiter viel zu lang. Bei Sonderprofilen wurde ein Verlust von 30 Prozent festgestellt, weil die Firma wegen der langen Lieferzeiten der Hersteller sicherheitshalber immer ein bisschen mehr Material bestellte. Außerdem erhöhte sich der Lagerbestand unaufhörlich, weil alte Ware nicht aussortiert wurde.

Lagerbestand ausgedünnt

„Das könnte man ja noch einmal brauchen“, lautet eine beliebte Floskel, mit der nicht nur Handwerker Dinge horten, die vermeintlich noch einmal von Nutzen sein könnten. Tatsächlich aber verstauben sie in unzugänglichen Regalen, und wenn sie dann doch irgendwann gebraucht werden, sind sie schließlich nicht mehr wiederzufinden. Wie sich das auswirkt, konnten die
Brüder Braun beim Ausdünnen ihres Lagerbestandes studieren. Insgesamt 7.750 Meter nicht mehr benötigte Profilstangen wurden aussortiert - ein Verlust von rund 22.450 Euro. Heute wandern nicht mehr benötigte Reststücke spätestens nach drei Monaten in den Schrott. Weitere 6.735 Euro ließen sich durch ein effektiveres Bestellsystem einsparen.

Kaum Investitionen nötig

Erstaunt und erfreut zugleich registrierte Christian Braun, dass viele Ratschläge kaum Investitionen erforderten. So reichten kleine Umbauten im Lager, die exakte Kennzeichnung der Lagerplätze und der Einsatz fahrbarer Regale aus, um durch mehr Ordnung und kürzere Wege 10.205 Euro einzusparen. „Geringer Aufwand, großer Nutzen“, freute sich der Betriebsleiter, der auch den
Anlieferbereich neu organisiert hat. Außerdem werden neue Transportrollbahnen eingesetzt, wodurch weniger Kratzer am Material entstehen und Ausschuss im Wert von 5.400 Euro vermieden wird.

Insgesamt war der Berater zehn Tage vor Ort, rund dreimal im Abstand von mehreren Wochen. Schritt für Schritt wurden seine Vorschläge in die Tat umgesetzt, bevor in einer Abschlussbesprechung alle beteiligten Personen - von den Mitarbeitern der Arbeitsvorbereitung über Fensterbaumeister bis zum Betriebsleiter - auf die Neuerungen noch einmal eingeschworen wurden. Schließlich sollen die Einsparungen nachhaltig wirken und niemand später wieder in den alten Trott verfallen.

Dann würden sich die Einsparungen von insgesamt 75.500 Euro, die die Prüfung zutage förderte, mit jedem Jahr vervielfachen. Die Kosten von 18.5000 Euro, die die Braun OHG dafür aufwandte, hatten sich dagegen schon nach drei Monaten amortisiert. Zwar wissen Firmensprecher Wolfgang Braun und seine Brüder, dass die Summe der Einsparungen zunächst nur eine rein theoretische Rechnung ist, trotzdem spüren sie in der täglichen Praxis, dass es sich gelohnt hat, die eigenen Abläufe zu hinterfragen.

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