Meisterstücke -

Raffaels Sixtinische Madonna Neuer Rahmen zum 500. Geburtstag

Raffaels Sixtinische Madonna feiert ihren 500. Geburtstag mit einem Rahmen von Werner Murrer – doch neu soll er nicht wirken.

Aufbau des Rahmens für
Die Sixtinische Madonna von Raffael bekommt zu ihrem 500-jährigen Geburtstag einen neuen Rahmen von Werner Murrer Rahmen aus München. -

Mit Pinseln und Frotteetüchern arbeiten sich die Hände in weißen Plastikhandschuhen zentimeterweise über das Holz. Was vorher glänzend neu strahlte, sieht nach der Bearbeitung durch Vergolder Brian Auspitz aus, als hätte es hunderte von Jahren im Museum gestanden.

Sixtinische Madonna in ihrer neuen Ausstellung
© Matthias Rietschel/dapd

Auch die schlichten Ornamente hätten schon Rahmenmacher von 500 Jahren so herstellen können – denn in der Firma Werner Murrer Rahmen in München wird auch heute nicht gefräst.

Die schönste Frau der Welt altert natürlich, matt gerahmt

Das Team von Rahmenmacher Werner Murrer lässt die Sixtinische Madonna von Raffael zu ihrem 500. Geburtstag in einem neuen Licht erstrahlen. „Der Rahmen muss ein Bild heben“, sagt Murrer. Deswegen entwarf er kein Stück mit Hochglanzvergoldung, sondern eine historische Fassung für die „schönste Frau der Welt“.

Ein neuer Rahmen für die 500-jährige Sixtinische Madonna

Der Clou an der Sixtinischen Madonna von Raffael sind die beiden pausbackigen Engel am Fuß der Mutter Gottes. Sie sind durch die Werbung, zum Beispiel auf der Verpackung von Christstollen, berühmt geworden.

Doch mit kitschigem Goldpapier hat das, was Werner Murrer unter Einrahmung versteht, nichts zu tun: Er suchte ein halbes Jahr im In- und Ausland historische Informationen, um den passenden Rahmen für das 500 Jahre alte Ölgemälde in der Staatlichen Gemäldesammlung Dresden zu entwerfen.

Früher waren die Rahmen teurer als die Bilder

Brian Auspitz, Vergolder bei Werner Murrer Rahmen
© Geimer

Doch fast alle Rahmen aus der Zeit sind im Barock weggeworfen worden. Dabei waren sie zuvor wertvoll: „Für den Preis bekam man zu Raffaels Zeit in Florenz ein Haus. Die Rahmen waren immer teurer als die Bilder“, erzählt Murrer.

Bisher umgab die Sixtinische Madonna ein Rahmen aus den 50er Jahren. „Das ist eine ordentliche Handwerkskunst, aber es entspricht keinem realen Stil“, kritisiert Murrer das fehlende kunsthistorische Bewusstsein in der Nachkriegszeit. Zuvor hatte das Bild einen Tabernakelrahmen im Stil des 19. Jahrhunderts, der im Zweiten Weltkrieg verloren ging.

Schließlich fand Murrer den einzigen erhaltenen Originalrahmen eines Raffael-Bildes in Bologna. Dieser war „zu üppig für das Museum“, sagt Murrer und entwarf einen Tabernakelrahmen aus Pappelholz mit einfachen Ornamenten aus Linde. Dieser spielt auf die Herkunft des Bildes als Altargemälde an, soll aber auch im Museum zwischen den anderen Ausstellungsstücken ­wirken.

Zwar geht Murrer nicht für jeden Rahmen so lange auf die Suche, aber er berücksichtigt stets die Herkunft eines Bildes: „Wir machen keine Rahmen, die zum Sofa passen, sondern die historisch und künstlerisch zum Bild passen.“ Gerne stellt er deswegen Handwerker ein, die mehrere Ausbildungen kombinieren, wie Vergolder und Holzbild­bauer. In seinem Team arbeiten Architekten, Schreiner, Buchbinder, Orgelbauer, Schneider, Kunsthistoriker und Grafiker, insgesamt sind sie zu zehnt. Werner Murrer selbst hat sein Studium der Theaterwissenschaften abgebrochen, um eine Galerie zu eröffnen. Dort fertigte er auf dem Schreibtisch mit der Ulmia-Handsäge seines Opas die ersten Rahmen.

Die Sixtinische Madonna in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden
Die Ausstellung ist vom 26. Mai bis zum 26. August 2012, täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und samstags bis 21 Uhr geöffnet. Weitere Informationen und Anmeldung zu Führungen unter Telefon 0351/49142000, Fax 0351/49142001, E-Mail: besucherservice@skd.museum und im Internet: www.skd.museum/sixtina
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