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Steuerlicher Investitionsabzugsbetrag Geplante Investitionskosten geltend machen: Das müssen Sie beachten

Kleine und mittlere Betriebe können bei geplanten Investitionen ins betriebliche und bewegliche Anlagevermögen bereits drei Jahre vor dem eigentlichen Erwerb 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten als Betriebsausgaben geltend machen. In der Praxis wird diese Möglichkeit vor allem beim geplanten Kauf eines Firmenwagens angewandt. Ein aktuelles Urteil bestätigt jedoch, dass dies in der Praxis kompliziert werden kann.

Kompliziert wird das Thema "Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG§" meist deshalb, weil der Unternehmer nachweisen muss, dass das gekaufte Wirtschaftsgut im Jahr des Kaufs und im Folgejahr insgesamt mindestens zu 90 Prozent betrieblich genutzt wird. Kann er diesen Nachweis nicht erbringen, kippt das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrug rückwirkend. Beim geplanten Kauf eines Firmenwagens erwartet das Finanzamt im Jahr des Kaufs und im Jahr danach die Führung eines Fahrtenbuchs.

Aktueller Urteilsfall bestätigt strenge Sichtweise der Finanzämter

In einem aktuellen Urteilsfall führte ein Unternehmer, der einen Investitionsabzugsbetrag für seinen geplanten Firmenwagenkauf geltend machte, kein Fahrtenbuch. Er erbrachte den Nachweis der mindestens 90-prozentigen betrieblichen Nutzung des Fahrzeugs im Jahr des Kaufs und im Jahr danach durch nachträglich erstellte Aufzeichnungen aus Terminkalendern. Das genügte den strengen Richtern allerdings nicht als Nachweis.

Nur ein steuerlich wirksames Fahrtenbuch hätte den Investitionsabzugsbetrag retten können (FG Münster, Urteil vom 10. Juli 2019, Az. 7 K 2862/17 E).  Der Steuerbescheid, in dem der Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht wurde, war zu ändern. Steuernachzahlungen und lästige Nachzahlungszinsen waren die Folge.

Praxis-Tipp: Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen, dieses liegt jetzt beim Bundesfinanzhof (Revision; BFH-Az. VIII R 24/19). Sie sollten in vergleichbaren Fällen also unbedingt Einspruch einlegen und auf diesen Musterprozess verweisen. Doch allzu viel Hoffnung, dass die Richter des Bundesfinanzhofs großzügiger sind als die Richter beim Finanzgericht Münster, sollten Sie sich nicht machen. Denn bei § 7g EStG handelt es sich um eine Steuervergünstigung und diese wird eben nur demjenigen gewährt, der sich an die aufgestellten Steuerspielregeln hält.

Fazit: Planen Sie den Kauf eines neuen Firmenwagens und möchten dafür einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG geltend machen, sollten Sie also bereits heute zwei Dinge beachten:

  • Sie müssen auf jeden Fall im Jahr des Kaufs und im Jahr danach eine Fahrtenbuch führen und es muss realistisch sein, dass in diesem Zeitraum eine mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung erreichbar ist.

Ist eine dieser beiden Voraussetzungen für Sie nicht umsetzbar, sollten Sie vom Investitionsabzugsbetrag besser die Finger lassen. Nur so lassen sich nachträgliche Steuernachteile in Form von Nachzahlungszinsen vermeiden.

Typisches Beispiel aus der Praxis: Kauf eines Firmenwagens

Sie planen im Jahr 2021 den Kauf eines neuen Firmenwagens für einen voraussichtlichen Nettokaufpreis von 60.000 Euro. Erfüllen Sie für das Steuerjahr 2018 die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG, können Sie vom Gewinn 2018 bereits 24.000 Euro als Betriebsausgaben abziehen (60.000 Euro x 40 Prozent). Bei tatsächlichem Kauf im Jahr 2021 sind folgende Szenarien denkbar:

  • Fahrtenbuch: Können Sie per Fahrtenbuch die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung im Jahr 2021 und 2022 nachweisen, ist alles gut und das Finanzamt darf am Steuerbescheid 2018 nicht rütteln.
  • Kein Fahrtenbuch bzw. keine mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung: Ohne Fahrtenbuch oder wenn die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung in den Jahren 2021 und 2022 nicht erreicht wird, kommt es spätestens im Jahr 2023 zur einer rückwirkenden Änderung des Steuerbescheids 2018. Sie müssen die Steuervorteile durch den Investitionsabzugsbetrag 2018 ans Finanzamt zurückzahlen und müssen zudem mit Steuerzinsen von bis zu 22,5 Prozent des Rückzahlungsbetrags rechnen.
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