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Fahrzeugausbau für Einsatzfahrzeuge Geordnete Verhältnisse

Fahrzeugservice Meinicke aus Eisleben konstruiert individuelle Aufbauten und Ausstattungen für Feuerwehr- und andere Einsatzfahrzeuge. Zunehmend hat er damit auch in Russland Erfolg.

Die Familie Meinicke aus Eisleben hat vorgesorgt. So gut vorgesorgt, dass der Mitteldeutsche Rundfunk sie sogar in der Fernsehsendung "Fakt" als Vorbild in Sachen Nachfolge vorgestellt hat. Die Meinickes haben einen Betrieb für den Um- und Ausbau von Feuerwehrfahrzeugen sowie den Handel für Geräte der Kommunal- und Gartentechnik. Inhaber Jürgen Meinicke geht in drei Jahren gleitend in den Ruhestand.

Schon vor 15 Jahren hat er seine Kinder mit in den Betrieb aufgenommen. Sohn Dirk, Kfz-Mechanikermeister, wird beim Fahrzeugservice Meinicke in drei Jahren die Geschäftsführung endgültig übernehmen und Tochter Nadine ist bereits für die Buchhaltung verantwortlich. "Es ist nichts dem Zufall überlassen", sagt Jürgen Meinicke und unterstreicht, wie wichtig ihm eine geregelte Übergabe ist. Die Meinickes müssen schon branchenbedingt im-mer Ordnung schaffen. Mit ihren Umbauten sorgen sie dafür, dass in Einsatzfahrzeugen der Feuerwehren oder beim Technischen Hilfswerk (THW) alles an seinem gewünschten Platz liegt. Das Unternehmen richtet mit 36 Mitarbeitern den gesamten Aufbau und die technische Innenausstattung der Feuerwehr- und Katastrophenschutzfahrzeuge ein. Denn die Feuerwehren in den Kommunen haben ihre jeweils eigenen Anforderungen und Wünsche. Um diese zu erfüllen, bekommt das Unternehmen nur die Fahrgestelle geliefert. Meinickes sorgen dann für den Rest.

Jedes Fahrzeug ist ein Unikat

Bei jedem Auftrag arbeiten die Mitarbeiter eng mit dem Auftraggeber zusammen. Nachdem der Fahrzeugservice eine Ausschreibung der Kommune gewonnen hat, wird nach einer Skizze und einer etwaigen Korrektur durch den Kunden das Layout abgerundet. Nach Erstellung der Werkstattzeichnung folgt der Bau in den eigenen Werkhallen. So gehen jeden Monat drei Autos an Feuerwehren und Rettungsdienste raus und jedes Fahrzeug ist ein Unikat.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Unternehmen vom kleinen Handwerksbetrieb zum angesehenen Lieferanten hochwertiger Einsatzfahrzeuge entwickelt. Die Unternehmensgründung liegt allerdings schon länger zurück. Vater Gerd Meinicke startete 1963 mit Bauschlosserei und Maschinenbau. Bäckern konstruierte er unter anderem Spekulatiusmaschinen. Jürgen Meinicke lernte beim Vater und schloss ein Maschinenbau- und Mathematikstudium an. Kurz vor der Wende musste Gerd Meinicke seinen Betrieb aufgrund von Herzproblemen aufgeben. Doch noch vor der Wiedervereinigung konnte Jürgen Meinicke das Unternehmen am 1. April 1990 wiedereröffnen. Anfangs konzentrierte er sich auf die Instandsetzung und den Verkauf hydraulischer Wagenheber sowie kommunaler Reinigungs- und Gartentechnik. In den alten Bundesländern suchte er sich einen Partner für den Vertrieb von Traktoren, Sensen oder Rasenmähern. Schon vier Jahre danach gründete Meinicke eine zweite Firma: die Fahrzeugservice GmbH. Meinicke brauchte jemanden für die Instandsetzung von Rettungsgeräten wie Hydraulikscheren. Das THW Sachsen-Anhalt bot ihm als Erstem in Deutschland einen Vertrag für diese Aufgaben. Ein Jahr später kam der Vertrieb von Feuerwehrfahrzeugen für eine Fremdfirma hinzu.

Extra zertifiziert

Seit dem Jahr 2000 fertigen die Meinickes selbst. Für Jürgen Meinicke eine Ehrensache, denn "ich bin Konstrukteur und wollte mal etwas eigenes produzieren". Meinicke stellt solche Fahrzeuge inzwischen für ganz Deutschland her. Doch die Nachfrage wächst nicht nur auf dem heimischen Markt. Mittlerweile hat das Unternehmen einen russischen Kooperationspartner gefunden. Dieser Markt hat seine ganz eigenen Bedingungen. "Die Fahrzeuge und Ausrüstungsteile müssen in Russland extra zertifiziert werden", sagt Dirk Meinicke. Extreme Temperaturen und unwegsames Gelände stellen die Fahrzeuge vor ganz andere Herausforderungen. Der Juniorchef sieht gute Chancen, auf diesem Markt langfristig Fuß zu fassen.

Die unternehmerischen Erfolge der Firma werden inzwischen über den Kundenkreis hinaus wahrgenommen. Im vergangenen Jahr zum 20-jährigen Bestehen ist sie von der Landesregierung als Unternehmen des Monats ausgezeichnet worden.

Doch Meinickes ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Das Unternehmen investiert in Forschung und Entwicklung. Die Aufbauten beispielsweise sollen noch leichter werden, indem man neue Materialien benutzt, etwa glasfaserverstärkte Kunststoffe. In Zusammenarbeit mit einer Hochschule arbeiten Meinickes außerdem an der Entwicklung von mit BUS-Technik gestützten Schaltungen. Schließlich gilt auch hier: gut vorbereitet sein.

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