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Gastkommentar Handwerker entdecken Genossenschaften neu

Genossenschaften haben mehr als 22 Millionen Mitglieder in Deutschland. In Zukunft könnten es noch deutlich mehr werden. Denn die Rechtsform hat das Potential akute Herausforderungen zu lösen - vor allem auch im Handwerk.

Der Sozialreformer und Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden. Hineingeboren in eine Zeit großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbrüche auf dem Land wie in der Stadt, begegnete Raiffeisen den damaligen Herausforderungen mit der Gründung von Genossenschaften.

Eckhard Ott ist Vorstandsvor­sitzender des Deutschen ­Genossenschafts- und Raiffeisen­verbandes e.V.

Aus ersten Initiativen entstanden Genossenschaftsbanken, Einkaufsgenossenschaften für eine kostengünstige Beschaffung oder Produktions- und Absatzgenossenschaften, mit denen die Vermarktung der Mitgliedsunternehmen gestärkt wird. Die Genossenschaftsidee ist heute so bestechend wie zu ihren Anfängen. Raiffeisens Leitspruch "Was einer alleine nicht vermag, das vermögen viele" gilt noch immer. Nicht nur bei den etwa 8.000 bestehenden Genossenschaften mit ihren mehr als 22 Millionen Mitgliedern in Deutschland, sondern auch bei Unternehmensgründern.

Heute werden Genossenschaften am häufigsten im Bereich der erneuerbaren Energien gegründet. Dabei schließen sich Bürger vor Ort zusammen, um gemeinsam eine Photovoltaikanlage, ein Windrad oder ein Nahwärmenetz zu betreiben. Genossenschaften können aber auch helfen, in strukturschwachen Regionen das Hallenbad oder den Dorfladen weiter zu betreiben oder die ärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten.

Heute entdecken auch Handwerksbetriebe die genossenschaftliche Rechtsform neu: Für eine gemeinsame Dachmarke, für gewerkeübergreifende Dienstleistung aus einer Hand oder für das Outsourcing von administrativen Aufgaben. Genossenschaften sind zudem eine Option für die Unternehmensnachfolge durch die eigene Belegschaft. Auch das ist ein bestechender Ansatz, der Raiffeisen sicher gefallen hätte.

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