Schwaben -

Partner HWK Gelebte Inklusion

Die HWK Schwaben unterstützt Betriebe bei der Beschäftigung von Mitarbeitern mit Handicap.

Ein feuerroter Ferrari, ein schneller Maserati und eine rassige Corvette geben sich bei Car Classic Art in Adelsried bei Augsburg ein Stelldichein. Der Kfz-Meisterbetrieb von Michael Grell ist spezialisiert auf den Rundumservice für Old- und Youngtimer. Dazu gehört auch die Restauration von historischen Fahrzeugen. Mitten in der Werkstatt steht Harald Wolfseher. Der 38-jährige Kfz-Mechaniker ist seit Oktober 2012 bei Grell angestellt und „schmeißt den Laden“, wie der Firmeninhaber betont.

Dabei ist der persönliche und der berufliche Weg des tüchtigen Kfz-Experten nicht immer steil bergauf gegangen. Denn Wolfseher hat ein Handicap, er ist nahezu taub. Ein einfaches Telefonat, der Austausch mit den Kollegen oder gar ein Kundengespräch stellten früher für ihn fast unüberwindbare Hürden dar. „Schon in meiner Ausbildung war es für mich richtig schwer, alle Arbeitsaufträge zu verstehen. Ich habe daher eine besondere Berufsschule für Hörgeschädigte besucht und dann meine Gesellenprüfung gut bestanden. Doch mit der Arbeit in Werkstätten, wo auf meine Einschränkung keine Rücksicht genommen werden konnte, tat ich mich schwer“, erzählt Wolfseher.

Implantat verbessert die Hörleistung

Eine gewisse Erleichterung brachte ein Cochlea-Implantat. Diese elektronische Hörprothese übernimmt die Funktion des Innenohrs. Wolfseher kann damit Geräusche und Gespräche besser wahrnehmen, ist aber immer noch darauf angewiesen, dass er sein Gegenüber sieht und auch von den Lippen ablesen kann. Dafür sind andere Sinne deutlich ausgeprägt. „Harald arbeitet einfach anders, aber sehr effizient. Gerade in der Motorentechnik erfühlt er Vorgänge, die andere hören“, ist der Firmenchef stolz auf seinen Mitarbeiter und nennt ihn für den Betrieb „unersetzlich“.

Die hohe fachliche und technische Qualität sei durch die reduzierte Hörfähigkeit keineswegs beeinträchtigt, doch bei den täglichen Abläufen müsse angepasst vorgegangen werden. So nehmen die Übertragung von Arbeitsaufträgen oder auch Rücksprachen einfach mehr Zeit in Anspruch. Und Zeit ist ein Kostenfaktor.

HWK hilft bei der Inklusion

Hier kam die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) mit ihrer Fachberaterin für gesundheitliche Einschränkung, Claudia Bröll-Ostler, auf den Plan. „Ich bin so froh, dass sich die Handwerkskammer und Frau Bröll um alle Anträge beim Integrationsamt gekümmert haben und wir dadurch einen Lohnkostenzuschuss bekommen“, lobt Grell die Arbeit der Expertin. Sie unterstützte das Unternehmen kompetent, wusste, wer zuständig war, und half beim Ausfüllen der Anträge. „Frau Bröll kennt sich einfach perfekt aus und war jederzeit für uns da. Mit der Handwerkskammer haben wir das prima hinbekommen“, freuen sich Michael Grell und sein Mitarbeiter.

„Ich kann Unternehmerkollegen nur raten: Augen auf, schauen, was die HWK anbietet, und diese Angebote auch in Anspruch nehmen.“ Für ­Harald Wolfseher ist diese Entwicklung eine tolle Sache. Trotz seiner körperlichen Einschränkung ist er voll im Berufsleben integriert und anerkannt. Der Betrieb profitiert von seiner Leistung und hat mit ihm eine tüchtige Fachkraft. Besser kann es nicht sein.

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