Meisterstücke -

Streichinstrumentenbauer glänzt beim Kundenservice Geigenkauf mit Bergausflug

Geigenbau Leonhardt aus Mittenwald bietet seinen Kunden ein Rundum-sorglos-Paket beim Einkauf. Starke Präsenz im Internet sorgt für zusätzlichen Umsatz.

Rainer W. Leonhardt mit Cello
"Zu besonders gelungenen Instrumenten entwickle ich auch eine besondere Beziehung", sagt Geigenbaumeister Rainer W. Leonhardt. -

Bei Rainer W. Leonhardt schaut man nicht einfach mal nur so vorbei. Wer bei dem Geigenbaumeister in Mittenwald eine Geige kauft, der kommt meist für einen längeren Besuch. Gerade erst hat Leonhardt mit einem Arzt aus Hannover einen Termin ausgemacht. Die ganze Familie reist demnächst für ein Wochenende an, um eine Geige auszusuchen.

Wenn gewünscht, bucht Rainer W. Leonhardt seinen Kunden auch die Übernachtung, den Restaurantbesuch oder eine Wanderung, damit sich der Besuch in Oberbayern auch lohnt. Die aus ganz Deutschland anreisenden Kunden sollen schließlich so viel Zeit wie nötig haben, ihr neues Streichinstrument im schönen Mittenwald – am Fuß des Karwendelgebirges – in Ruhe auszusuchen.

Rainer W. Leonhardt
© DHZ/Frank Muck

Zu Leonhardt kommen die entsprechenden Kunden: die mit Zeit, Geld und Muße. Nicht der berühmte Geigenvirtuose zählt dazu, sondern Orchestermusiker, Schüler, Studenten und der ambitionierte Hobbyviolinist. Und den Besucher erwartet in jedem Fall eine große Auswahl. Rund 80 Geigen, 30 Celli und 20 Bratschen hat der Geigenbaumeister ständig vorrätig. "Die Wahrscheinlichkeit, dass man bei uns was findet, ist ziemlich hoch", sagt der 50-Jährige.

Kunden können so lange ­proben, wie sie wollen

Ein eigener Proberaum erwartet den Kunden. Dort können die Instrumente in Ruhe getestet werden und der Meister steht mit Rat und Tat zur Seite. So schnürt Leonhardt seinen Kunden ein Gesamtpaket aus Auswahl, Beratung und Ambiente, das ihn unter den Streichinstrumentenbauern in der Geigenbauhochburg Mittenwald zu einer Ausnahme macht.

Und natürlich werden nicht nur Neukunden bedient. Auch wer zur Reparatur oder Restaurierung kommt, ist bei Leonhardt richtig. Der Firmenchef ist sich nämlich sicher, dass er heutzutage ein Allroundangebot abgeben muss: vom Kontrabass bis zur Violine. Beim Neubau konzentriert er sich dann allerdings auf Celli, Bratschen und Geigen.

Rainer W. Leonhardt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass man bei uns was findet, ist ziemlich hoch."

Grundvoraussetzung für den geschäftlichen Erfolg sei aber nicht das große Angebot, sondern die Qualität der Instrumente. Und die ist bei Geigenbau Leonhardt schon lange Tradition. 1926 gründete Großvater Anton Dietl den Betrieb, den er 1968 an Schwiegersohn Wilfried Leonhardt – sein Vater Fritz war ebenfalls Zupfinstrumentenmacher in Mittenwald – übergab. Wilfried Leonhardt hatte sich zwischenzeitlich auf Celli spezialisiert. Der jetzige Firmenchef Rainer W. Leonhardt stellte das Geschäft 1997 dann wieder etwas breiter auf. In der Musikwelt hat sich Leonhardt über die Jahre in aller Welt einen guten Namen gemacht.

Geigenbaumeister Franz Zutterer
© DHZ/Frank Muck

Preise und Auszeichnungen belegen die gute Qualität der Produkte. Unter anderem gab es 1993 den Ehrenpreis vom französischen Geigenbauerverband und 1997 den Deutschen Musikinstrumentenpreis für das Violoncello "Bergfeuer". Im vergangenen Jahr holte Leonhardt den Exportpreis Bayern. Den erhielt das Geschäft für seine Innovationsfreude, die Art der Kundenbetreuung und für ein herausragendes Einzelgeschäft mit Oman, dessen Symphonieorchester er mit neuen Instrumenten ausstatten durfte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über Leonhardts Exporterfolge, warum er Holz auf Ebay verkauft und wie Musiker für ihn Werbung machen.

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