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Lohnungleichgewicht Gehaltsvergleich: Wo Fachkräfte am wenigsten verdienen

2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Auch wenn Deutschland seitdem wiedervereint und beide Teilen gleichberechtigt sind, gibt es immer noch große Verdienstunterschiede zwischen Westen und Osten. Wie groß die Unterschiede tatsächlich sind und wo Fachkräfte am meisten verdienen.

Mit dem Einigungsvertrag vom 3. Oktober 1990 sollten sich die Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland einander anpassen. Heute 28 Jahre später ist das Bruttodurchschnittsgehalt einer Fachkraft im Osten, immer noch um 27 Prozent geringer. Aber auch im Osten gibt es Unterschiede, nicht überall ist der Verdienst gleich gering. Zu diesem Ergebnis kommt das Online-Jobportal StepStone, das insgesamt 200.000 Stellenanzeigen aller relevanter Online- und Printplattformen ausgewertet hat.  

Bis zu 20.000 Euro weniger für eine Fachkraft in Ostdeutschland

Während das Bruttodurchschnittsgehalt einer Fachkraft im Westen Deutschlands aktuell bei 56.800 Euro liegt, verdient eine Fachkraft im Osten im Schnitt 44.700 Euro. Das sind 27 Prozent Unterschied. Nirgends verdienen Fachkräfte im bundesvergleich dabei so wenig wie in Sachsen-Anhalt. Dort liegt der Jahresverdienst für eine Fachkraft im Schnitt bei 39.300 Euro. Berlin bildet im Ost-Westvergleich die einzige Ausnahme: Dort verdient eine Fachkraft 50.700 Euro.

In den alten Bundesländern verdienen Fachkräfte in Schleswig-Holstein mit durchschnittlich 49.100 Euro am wenigsten. Allerdings sind das 8.000 Euro mehr als Fachkräfte aus Brandenburg, dem Spitzenreiter unter den ostdeutschen Bundesländern, bekommen. Deutschlandweit am höchsten sind die Gehältern in Hessen (61.800 Euro), gefolgt von Bayern (58.600 Euro), Hamburg (58.200 Euro) und Baden-Württemberg (58.000 Euro).

Erklären lassen sich diese hohen Unterschiede mit der Nachfrage nach Fachkräften. Dort wo die Nachfrage hoch ist, sind es auch die Gehälter. Zuletzt stieg die Nachfrage im Osten zwar deutlich an, allerdings ist sie in Bundesländern wie Hessen oder Baden-Württemberg noch rund viermal so hoch wie beispielsweise in Sachsen Anhalt.

Fachkräftemangel im Osten stark angestiegen

Zwischen Juni 2013 und Juni 2018 ist besonders in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Nachfrage nach Fachkräften stark gestiegen. Dort waren fast doppelt so viele Fachkraftstellen unbesetzt wie in den Jahren zuvor. In Sachsen-Anhalt stieg die Nachfrage um 107 Prozent, bundesweit stieg sie nur um 74 Prozent.

Nachfrage nach Fachkräften im technischen Bereich besonders hoch

Im gesamten Bundesgebiet ist besonders die Nachfrage nach IT-Spezialisten und Fachkräften mit technischer Ausbildung gestiegen. Selbst wenn die Nachfrage im Osten besonders stark steigt, ändert das an der großen Gehaltskluft nur wenig. Im Westen verdienen IT-Spezialisten durchschnittlich 67.600 Euro, fast ein Viertel mehr als ihre ostdeutschen Kollegen. In andern Berufsgruppen ist die Kluft noch größer: Ein Ingenieur im Westen bekommt sogar 28 Prozent mehr Geld als ein Ingenieur im Osten. sm

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