Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen -

Tipps aus der Praxis Geflüchtete: Mehr als nur Ausbildung

Wer Geflüchtete ausbildet, muss sich mit viel mehr Problemen auseinandersetzen als in der Ausbildung von Deutschen. Kontakte mit der Ausländerbehörde, Wohnungssuche für den Azubi oder rechtliche Unsicherheiten bei der 3+2-Regelung gehören zum Alltag in dieser Situation. Wichtige Tipps aus der Praxis.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen

Wann muss man mit wem sprechen, wer entscheidet zu welchem Zeitpunkt über welchen Antrag? Nicht nur für Unternehmer ist das deutsche Asylrecht in Verbindung mit dem Aufenthaltsrecht und dem Arbeitsrecht ein Buch mit sieben Siegeln. Die verlinkte Broschüre des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge erklärt ausführlich, wie das deutsche Asylrecht funktioniert.

Ausbildungsduldung 3+2 klar erläutert

Für Unternehmer, die Geflüchtete beschäftigen oder ausbilden, sind das nützliche Hintergrundinformationen. Sie brauchen aber noch wesentlich mehr Hilfe. Das Netzwerk "Unternehmen integrieren Flüchtlinge" ist ein Zusammenschluss von betroffenen Betrieben jeder Größe und Branche unter dem Dach des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Das Netzwerk trägt laufend Informationen aus der Praxis zusammen.

In der eigenen Rubrik "Ausbildungsduldung" finden Unternehmen klar strukturierte Grafiken, die zeigen, wann welcher Schritt nötig und möglich ist.

3+2-Grafik

Hier außerdem weitere Tipps aus der Praxis von ausbildenden Unternehmern und Beratern.

  • Antrag auf Ausbildungsduldung: Wird der Asylantrag des Azubis während der Ausbildung abgelehnt, sollten die Beteiligten sofort einen Antrag auf Ausbildungsduldung stellen, um "aufenthaltsbeendenden Maßnahmen“ zuvorzukommen.
  • Dauer der Ausbildungsduldung: Die Ausbildungsduldung wird zwar 3+2-Regel genannt, die Jahresangaben sind aber nur ein Näherungswert. Die Duldung gilt "für die Dauer der Berufsausbildung“, verlängert sich also auch dann, wenn der Azubi die Prüfung wiederholen muss.
    Wer schneller fertig wird, hat keinen Anspruch auf volle drei Jahre Duldung.
  • Plus 2: Die 3+2-Regelung beinhaltet zwei verschiedene Status-Formen. Während der Ausbildung gilt die Duldung nach §60a Aufenthaltsgesetz. Danach kann der Status zur Aufenthaltserlaubnis nach §18a Aufenthaltsgesetz wechseln, aber nur, wenn der Geflüchtete ausreichend Deutsch beherrscht (mindestens Note 4 in Deutsch in der Gesellenprüfung oder A2) und "über ausreichend Wohnraum“ verfügt. Die Beteiligten sollten frühzeitig nach einer Wohnung außerhalb der Asylunterkunft suchen.
  • Fördermittel: Abhängig vom Status des Geflüchteten kommen unterschiedliche Fördermöglichkeiten in Frage. Es lohnt sich, alle möglichen Stellen parallel zu abzufragen. Unternehmer berichten davon, dass beispielsweise Personal-Service-Agenturen höhere Sätze auszahlen als Arbeitsagenturen. Wichtig ist allerdings, jede Stelle darüber zu informieren, von wo ansonsten noch Fördermittel kommen.
  • Ausländerbehörde: Grundsätzlich ist es empfehlenswert, wenn Unternehmer ihre geflüchteten Azubis in heiklen Angelegenheiten zur Ausländerbehörde begleiten. Berichten zufolge reagieren Sachbearbeiter aber mitunter schroff auf spontane Begleiter. Simone Losinger, Leiterin der Ausländerbehörde im Landratsamt Aichach-Friedberg empfiehlt, vorab einen Termin zu vereinbaren – und sollte das nicht fruchten, sich an den Behördenleiter zu wenden.
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